Expedia Barry Diller hat Europa im Blick

Im Internet rangeln die Online-Reiseportale um die Vorherrschaft. Während Amadeus gerade in Opodo investiert, Travelocity bei Otto einkauft, kündigt nun auch das ehemalige Microsoft-Unternehmen Expedia ein stärkeres Engagement in Europa an.

Berlin - Immer mehr Internet-Händler stürzen sich auf den europäischen Markt, hatte das Marktforschungsinstitut Forrester vor wenigen Tagen mitgeteilt. Als ob das US-Unternehmen Expedia diese Zeilen verinnerlicht, meldet sich nun Expedia-Chef Erik Blachford in der "Welt" zu Wort.

Das ehemalige Microsoft-Unternehmen Expedia wolle zusammen mit der IAC Travel in diesem Jahr beim Umsatz 30 Prozent wachsen, sagte Blachford. IAC Travel ist eine Sparte des börsennotierten US-Unternehmens Interactive Corp. Mehrheitseigner ist Medienmanager Barry Diller. Neben US-Marktführer Expedia.com gehört unter anderem auch Hotels.com zu dem Konzern.

Vor allem der europäische Markt sei stark im Aufschwung, dort sei ein Wachstum von bis zu 60 Prozent zu erwarten, sagte Blachford. Der US-Markt werde dagegen leicht abflauen.

Zukäufe möglich

Neben Pauschalreise-Paketen setzte Expedia vor allem auf Geschäftsreisen. Gerade letzteres werde ein wichtiges Standbein, sagte Blachford. Das bereits in den USA erprobte Konzept komme nun auch nach Europa. Expedia habe dazu vor zwei Monaten die französische Firma Egencia gekauft, die Geschäftsreisen im Internet vertreibe. "Das Egencia-Konzept werden wir in den nächsten zwei Jahren in die anderen westeuropäischen Länder ausweiten", sagte der Unternehmenschef.

Expedia wolle weiter expandieren. Möglichkeiten für Zukäufe sehe er allerdings nur bei kleinen Firmen. Die großen Konkurrenten seien ihm derzeit zu teuer, sagte Blachford. Letztendlich profitiere Expedia davon, dass sich Reisen "auch und gerade" in Krisenzeiten reger Nachfrage erfreuten.

Eine Reise aus dem Katalog zu buchen komme immer mehr aus der Mode, gibt sich der Manager überzeugt. Der Trend gehe zu einer individuellen Planung von Reisen mit Hilfe des Internets. In diesem Jahr werde Expedia den traditionellen Anbietern zwar noch keine hohen Umsätze abjagen, aber die klassischen Reisefirmen spürten den Druck. So biete Tui  inzwischen für seine Marken ebenfalls Internet-Services an, unter dem Label Airtours könnten Reisen zu Tagespreisen gebucht werden.

Europa wächst schneller als USA

Neben Expedia hat auch das zweitgrößte US-Online-Reisebüro Travelocity.com angekündigt, sich in Europa zu verstärken. Travelocity Europa hatte vor kurzem vom Otto-Konzern das Internetangebot Travelchannel übernommen. Travelocity Europe ist ein Joint Venture von Otto Freizeit und Touristik GmbH und der Travelocity.com.

Das Marktforschungsinstitut Forrester prognostizierte derweil, dass die Online-Shopping-Umsätze in Europa in den nächsten fünf Jahren jährlich um 33 Prozent wachsen sollen. Damit legte das Geschäft in Europa schneller zu als in den USA. In den Staaten sei mit einem Wachstum bis 2009 von nur 25 Prozent pro Jahr zu rechnen.

Laut Forrester wachse das europäische Geschäft von Interactive Corp. mit den Reiseplattformen Expedia und Hotels.com rasant: Das Umsatzplus habe im vergangenen Jahr bei 81 Prozent gelegen, während es in Nordamerika nur 32 Prozent waren. In der "Welt" sprach Blachford von einem Wachstum der IAC Travel weltweit von 42 Prozent im ersten Quartal 2004.

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