Bertelsmann/Sony Ein Schreiben an Monti

BMG und Sony Music haben sich ein Eheversprechen gegeben, doch die EU-Wettbewerbshüter sehen den Wunsch kritisch. Die Einwände der Kommission sind inzwischen bei den beiden Konzernen eingetroffen, die haben nun geantwortet.

Gütersloh - Im Wettbewerbsverfahren um die Fusion der Musikgiganten Sony  und Bertelsmann Music Group (BMG) haben die beiden Partner auf die Bedenken der EU-Kommission reagiert. BMG sei zuversichtlich, dass die eingereichte Erwiderung alle Einwände gegen die geplante Fusion beantwortet, teilte Bertelsmann am Mittwoch mit. Die EU-Kommission unter Mario Monti hatte in einem 60 Seiten starken Statement vor allem Befürchtungen um die künftige Preispolitik in der Musikbranche geäußert.

Neben dem Antwortschreiben wollen die beiden Konzerne auch die Möglichkeit wahrnehmen, am 14. und 15. Juni zu einer mündlichen Anhörung nach Brüssel zu kommen, um weitere Argumente vorzubringen und auf die Einwände der Konkurrenz eingehen zu können.

Zuvor hatte die EU-Kommission Sony und Bertelsmann in einem Schreiben ihre Bedenken mitgeteilt. In dem Schreiben soll die Kommission kritisiert haben, dass bei einer Fusion ein hoher Prozentsatz der erfolgreichsten Lieder weltweit von nur vier Anbietern stammten. Zudem bemängelten die Wettbewerbshüter die Preisfindung von CDs. Auch hätten die Wettbewerbshüter kritisiert, dass die kollektive Dominanz durch die Fusion verstärkt werde, während die Konsumenten von den Effizienzgewinnen nichts merkten.

Gegen die Fusion hatten im Vorfeld zahlreiche kleinere, unabhängige Musikanbieter Front gemacht. Bertelsmann und Sony begründen den Zusammenschluss mit Notwendigkeiten aus bahnbrechenden Veränderungen im Musikmarkt. Damit gemeint sind die Raubkopiererei per CD-Brenner sowie die P2P-Musiktauschbörsen im Internet.

Im Falle einer Fusion entstünde der weltweit zweitgrößte Anbieter von bespielten Tonträgern. Unter dem Dach Sony/BMG wären dann Stars wie Dido, Alicia Keys, Elvis Presley, David Bowie und Shakira vereint.

Bisher ist Sony bereits alleine die Nummer zwei auf dem von fünf Großkonzernen maßgeblich bestimmten Plattenmarkt, hinter Marktführer Universal Music. BMG ist die kleinste der fünf großen Firmen. Die Entscheidung der EU-Kommission soll bis zum 22. Juli fallen.