Siemens SBS "Wir sind mit dem Deutschland-Geschäft unzufrieden"

Paul Stodden, Chef des IT-Dienstleisters SBS, will die Siemens-Tochter profitabler machen. Während der deutsche Markt nicht recht in Gang kommt, soll nun das Auslandsgeschäft forciert werden. Was Stodden plant, erzählt er im Gespräch mit manager-magazin.de.

München - "Wir wollen unser Geschäft mit den Finanzdienstleistern ausbauen", sagt Paul Stodden, Vorsitzender des Siemens-Bereichs Siemens Business Services (SBS) im Gespräch mit manager-magazin.de.

Das Sorgenkind von Siemens muss wachsen, um die Vorgaben der Konzernmutter zu erfüllen. Die Marge soll bei 5 Prozent liegen. "Im ersten Halbjahr haben wir unser Bereichsergebnis mit 70 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt und eine Umsatzrendite von 3 Prozent erreicht", sagt Stodden. Die 5-Prozent-Marke könne demnächst geschafft werden.

Der Markt für IT-Dienstleister ist jedoch nach wie vor schwierig. Besonders das Geschäft in Deutschland bereitet nicht nur Stodden Kopfzerbrechen. "Mit der Entwicklung hier zu Lande sind wir nicht zufrieden", sagt der Manager.

Aufgrund der anhaltenden Marktflaute reagierte SBS vor gut zwei Jahren mit einem Kostensenkungsprogramm. Stellen wurden abgebaut und die Mitarbeiter reduzierten ihre Arbeitszeit. "Alles ohne Entlassungen", betont Stodden. Auch derzeit werde über Kapazitätsanpassungen diskutiert. Die Hoffnungen liegen jedoch auf dem noch zu inthronisierenden neuen Siemens-Regionalchef, der das Geschäft in Deutschland konzernweit antreiben soll.

Norisbank unter den Fittichen

Problematisch entwickelt sich jedoch branchenweit das klassische Consulting-Geschäft. Stodden bestätigt, dass dieses Geschäft in einigen Bereichen stagniere, ähnlich wie bei der Wartung von Hardware. Signifikante Wachstumspotenziale sieht der Manager dagegen im IT-Outsourcing und im Finanzsektor.

Auch wenn SBS bei den großen Outsourcing-Geschäften wie beispielsweise bei der Deutschen Bank  nicht dabei war, rechnet Stodden mit einem zweistelligen Wachstum im Bankenbereich. Dieser Geschäftszweig sei im ersten Geschäftshalbjahr 2004 in Deutschland um 16 Prozent gewachsen, so der Manager.

Einer der Kunden ist die Norisbank, für die SBS derzeit eine neue SAP-Kernbank-Software einführt. Das Auftragsvolumen liege im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich, heißt es. In Deutschland laufe das Bankengeschäft deutlich profitabel, so Stodden.

Experten kritisieren jedoch, dass SBS das Finanzgeschäft viel zu lange vernachlässigt habe. Die Siemens-Tochter springe nun auf diesen Zug, den andere schon besetzt haben, kommentiert ein Branchenkenner gegenüber manager-mangazin.de.

US-Geschäft soll sich verdoppeln

US-Geschäft soll sich verdoppeln

Neben der Finanzbranche will Stodden das Outsourcing-Geschäft voranbringen. Laut Lünendonk ist SBS bereits das größte IT-Service-Unternehmen in Deutschland. "Wir meinen, wir haben einen Vorteil gegenüber unseren Konkurrenten", meint der Manager mit Blick auf die amerikanischen Konzerne IBM  und Hewlett-Packard . "Wir kennen uns hier aus und unsere Kulturen mit anderen deutschen Unternehmen sind ähnlich." Outsourcing-Aufträge seien wie Eheverträge, sagt er.

Dass HP vor einigen Monaten den IT-Dienstleister Triaton von ThyssenKrupp  kaufte, ärgert Stodden nicht. "Für uns war Triaton nicht interessant", sagt der Manager. Dennoch will er nicht ausschließen, dass sich SBS bei anderen Konzernen um die IT-Töchter bemühen wird. An welche er dabei denkt, verschweigt er.

Dass der Mutterkonzern, von dem SBS immerhin ein Drittel seiner Aufträge erhält, künftig bei den IT-Kosten sparen will, bekümmert Stodden nicht. Seine Devise: Wachstum in Deutschland und Wachstum im Ausland.

Osteuropa mit Nachholbedarf

Bisher macht das Unternehmen knapp die Hälfte seines Umsatzes im Heimatmarkt (2003: 5,2 Milliarden Euro). Doch während der deutsche Markt noch nicht richtig in Gang kommt, sieht Stodden großes Wachstumspotenzial in Osteuropa und in den USA.

"Wir wollen mittelfristig unser US-Geschäft auf eine Milliarde Dollar verdoppeln", sagt Stodden. Das soll vorwiegend aus eigener Kraft geschehen. In Osteuropa sei der infrastrukturelle Nachholbedarf groß, denn es müssten viele Bereiche an die EU-Standards angepasst werden, sagt der Siemens-Manager. Ob neue ID-Karten, Führerscheine oder Systeme zur Grenzkontrolle, dahinter stünden immer IT-Infrastrukturen. "Selbst beim Handel mit Tieren haben wir Lösungen realisiert, mit denen sich deren Herkunft lückenlos nachvollziehen lässt", sagt Stodden. Allerdings handele es sich überwiegend um kleinere Märkte.

Bei der Frage, ob die Siemens-Tochter Arbeitsplätze in Niedriglohnländer verlegen will, hält sich der Manager zurück. Im Beratungsgeschäft müsse man vor Ort sein, denn die Beziehungen mit den Kunden seien intensiv.

Allerdings habe SBS schon seit zwölf Jahren auch eine Dependance in Indien. Eigene Call-Center seien neben Deutschland auch in Kanada und in der Türkei zu finden. Stodden lässt trotz aller Diskussion keinen Zweifel: "Wir bleiben in Deutschland." Die Mannschaftsstärke wird dabei aber wohl von der Auftragslage abhängen.