Deutsche Telekom Wachstum, aber wo?

Konzernchef Kai-Uwe Ricke will in Osteuropa weiter expandieren. In Montenegro, der Slowakei und Polen könnten ihm Übernahmen gelingen. Mit großen Wachstumsschüben ist dadurch aber nicht zu rechnen.

Hamburg - In der Telekombranche herrscht Optimismus. Weltweit schicken sich die Konzerne an, Unternehmen zu zukaufen. Auch die Deutsche Telekom  hat sich die Expansion auf die Fahnen geschrieben. Während sie in den USA kürzlich das Mobilfunknetz in Kalifornien und Nevada vom bisherigen Partner Cingular übernahm, um in der Region weiter vertreten zu bleiben, kündete Konzernchef Kai-Uwe Ricke nun Zukäufe im Osten Europas an.

Zwar ist die anvisierte Übernahme des polnischen Unternehmens PTC gerade ins Stocken geraten. Bei der Telecom Montenegro soll der Bonner Konzern jedoch gute Chancen haben. Das staatliche Unternehmen soll privatisiert werden und als Favorit gilt das ungarische Unternehmen Matav, an dem die Telekom mit 60 Prozent beteiligt ist. Die Telecom Montenegro verfügt in der serbischen Teilrepublik über das Festnetzmonopol. Die Perle des Telefonkonzerns soll aber die Mobilfunktochter Monet mit 420.000 Kunden sein. dennoch ist es nur ein kleiner Markt, kommentiert Holger Bosse, Analyst bei der Helaba Trust im Gespräch mit manager-magazin.de.

Neben der Telecom Montenegro soll die Telekom über ihre slowakische Tochter Slovak Telecom auch am Kauf der restlichen Anteile am dortigen Mobilfunkanbieter Eurotel interessiert sein. In der ungarischen Presse wird zudem über eine Komplett-Übernahme der bisherigen 60-prozentigen Beteiligung Matav durch die Telekom spekuliert. In Position gebracht haben soll sich der Konzern angeblich auch für den erwarteten Verkauf des tschechischen Festnetzbetreiber Cesky Telecom.

Markt bald dicht

Einen großen strategischen Wurf werde man in Osteuropa aber kaum sehen, sagt Helaba-Analyst Bosse. "Die Telekom ist in Osteuropa schon gut vertreten." Nun gehe es eher um die Aufstockung von Beteiligungen. Dabei handele es sich aber überwiegend um kleine Übernahmen.

"Selektive Zukäufe sind sinnvoll", so Bosse. Allerdings sei in Osteuropa auch nicht mehr viel zu holen. Neben der Telekom ist beispielsweise die Telecom Austria einer der großen Player. Vodafone  hat sich für den osteuropäischen Markt bislang kaum interessiert. Außer in Ungarn ist der britische Konzern dort nicht vertreten. Dass der Vodafone-Chef Arun Sarin nun gerade Zukäufe in Osteuropa angekündigte, nahm der Markt jedoch schlecht auf. Experten begründeten dies damit, dass sich der Konzern womöglich in zu viele Märkte einkauft und sich damit übernimmt.

Die Börse gebietet Zurückhaltung

Die Börse gebietet Zurückhaltung

Der Helaba-Trust-Spezialist meint zudem, dass die Telekom bevor sie wieder größere Übernahmen ins Auge fasse, zunächst dem Schuldenabbau und der Steigerung der Profitabilität Priorität einräumen sollte. Deshalb warnt Bosse vor großen strategischen Akquisitionen. Das nähme der Markt sehr schlecht auf. "Der Schuldenberg ist derzeit einfach noch zu hoch", so der Analyst.

Akquisitionen in die osteuropäischen Mobilfunkmärkte könne er sich aber vorstellen. Vor Übernahmen von Festnetzen warnt Bosse dagegen. Zum einen sind die Netze in der Regel marode, es müsste also weiteres Kapital in die Modernisierung fließen. Zudem anderen wisse man noch nicht, ob sich das Festnetz nicht durch beispielsweise Internet-Telefonie und Mobilfunk kannibalisieren werde.

Russische MTS boomt

Gerade der Mobilfunk boomt in Osteuropa und Russland. Paradebeispiel ist unter anderen der russische Mobilfunkanbieter MTS, an dem die Telekom noch beteiligt ist. Das Unternehmen ist in Russland, der Ukraine und Weißrussland auf dem Markt und hat innerhalb der vergangenen zwölf Monate etwa zehn Millionen Kunden dazu gewonnen. Im ersten Quartal 2003 wies MTS 9,42 Millionen Kunden aus, ein Jahr später waren es 19,12 Millionen. Zum Vergleich: In den USA gewann die Telekom-Tochter T-Mobile im vergangenen Jahr insgesamt 3,2 Millionen Kunden.

Dass die Telekom ihre Beteiligung an MTS vor rund einem Jahr von etwa 40 Prozent auf 25,15 Prozent reduzierte, ärgert inzwischen auch Konzernchef Ricke. Damals erlöste die Telekom nur rund 500 Millionen Euro, heutzutage könnten es rund zwei Milliarden Euro sein.