Mobilfunk Wenn Zidane das Tor trifft ...

Hand in Hand mit der Musikindustrie bauen die Mobilfunker ihre Musikangebote aus. Das Ziel: Den Datenumsatz pro Kunde zu erhöhen. Die Inhalte sollen Geschmack auf UMTS machen. Impulse erhoffen sich die Unternehmen nun von der Fußball-EM.

Hamburg - Möglichst viele Tore, wünschen sich die Mobilfunker für die Fußball-Europameisterschaft. Nur nicht solche wie in Rumänien, als die deutsche Mannschaft mit 1:5 ein Debakel erlebte. Stattdessen soll die Fußball-Europameisterschaft möglichst gute Bilder und kurze Videoszenen liefern, die die Mobilfunkunternehmen ihren Kunden gegen Gebühr aufs Handy schicken.

Auf eine Live-Übertragung der Fußballspiele müssen die Mobilfunk-Kunden allerdings noch warten. Derzeit sind nur SMS-Ticker, Standbilder und kurze Videosequenzen zu haben. E-Plus, T-Mobile und Co. hoffen damit aber dennoch, das Kundenwachstum antreiben und vor allem den Umsatz pro Kunde erhöhen zu können. Auch könnten mehr Kunden ihre Geräte erneuern.

"Von der EM könnten entscheidende Impulse ausgehen", heißt es bei T-Mobile. Die Telekom-Tochter hat sich deshalb entschlossen, einer der Hauptsponsoren der Meisterschaft in Portugal zu werden. E-Plus ist offizieller Partner des deutschen Fußballbundes und der Nationalmannschaft.

Fußball aufs Handy

Gelingt der Coup und die Kunden nehmen die Info-Dienste an, dann können sich die Unternehmen ernsthaft Hoffnung machen, auch für den schnelleren Übertragungsstandard UMTS eine Nachfrage zu finden. Bei T-Mobile machen der "FAZ" zufolge die Fußballnachrichten bereits 40 Prozent des Umsatzes mit mobilen Datendiensten aus.

Die Gesellschaft für Konsumforschung GfK berichtet derweil, dass die Nachfrage nach UMTS-Handys in Europa anziehe: Der Verkauf von Mobiltelefonen der dritten Generation komme langsam in Fahrt. Im April seien insgesamt 225.000 Handys abgesetzt worden. Das entspricht zwar immer noch nur einem Anteil von zwei Prozent am Gesamtmarkt, dennoch wird es als ein ermutigendes Signal gewertet. Sind die ersten UMTS-Angebote in Deutschland ja erst seit kurzem auf dem Markt. Mit dem ersten großen Ansturm rechnen die Anbieter trotz EM jedoch erst zum Weihnachtsgeschäft.

Derweil bauen die Mobilfunker neben Fußball weitere mobile Angebote auf. Vodafone will zum Beispiel demnächst Videotelefonie offerieren. Andere Themen sind Spiele, Erotik und Musik. Aufgrund der guten Erfahrungen mit dem Verkauf von Klingeltönen bauen die Unternehmen ihre Musik- und Klingeton-Angebote immer weiter aus. Video-Klingeltöne sind der Trend, heißt es derzeit beim Handyportal Jamba.

Auf dem Handy spielt die Musik

Auf dem Handy spielt die Musik

O2 startete zudem im März eine eigene Musikplattform. Die deutsche Tochter von MMO2  ist der erste Mobilfunkbetreiber hier zu Lande, der komplette Musiktitel zum Herunterladen anbietet. T-Mobile offeriert bislang nur "Soundschnipsel", will aber in diesem Jahr ein Angebot mit kompletten Musiksongs aufbauen. Ähnliches gilt für Vodafone D2 und E-Plus.

Noch wird das O2-Angebot jedoch nur schleppend angenommen. Laut "Handelsblatt" haben sich gerade mal 6000 Kunden für das Herunterladen von Musikstücken begeistern können. Allerdings dauert ein Download derzeit auch bis zu fünf Minuten, zudem müssen sich die Kunden ein Zusatzgerät anschaffen. Erst im Juni will O2 ein Handy mit eingebauter Jukebox auf den Markt bringen.

Einen Schub erhofft sich das Unternehmen nun von der just vereinbarten Partnerschaft mit Sony Music. O2-Kunden sollen künftig schon zwei Wochen früher Zugang zu aktuellen Musikstücken haben, bevor die Titel in den Läden verkauft werden. Zudem steht eine Datenbank mit 100.000 Songs zur Verfügung.

Kostenintensive Vorleistungen

"Für UMTS müssen wir hochattraktive Angebote für verschiedene Kundengruppen haben", heißt es bei O2. Noch liege der Anteil der Datendienste am Kundenumsatz bei nur 20 Prozent, gab O2-Chef Rudi Gröger zu. Da das zu wenig sei, habe sich der Konzern entschlossen, in den Musikmarkt einzusteigen. Wählten die Kunden dann ein UMTS-Handy, so Gröger, halbiere sich auch die Zeit pro Download.

Von einer Killerapplikation für UMTS will indes weiterhin niemand sprechen. Ein SMS-Äquivalent ist nicht in Sicht, bei dem sich die Kunden eine Technik aneignen, die die Mobilfunkanbieter kaum etwas kostet. Stattdessen müssen die Unternehmen für die neuen mobilen Dienste in kostenintensive Vorleistungen gehen.

Kritiker bemängeln zudem die Phantasielosigkeit. Die meisten Angebote seien schon im Internet zu finden. Doch die Mobilfunkunternehmen sind sich sicher: UMTS wird angenommen. Noch machen die Kurznachrichten rund 90 Prozent der Datendienste insgesamt aus, doch das soll sich bald ändern.