BMG Deutschland Deutliche Töne

Eine schlanke Struktur will sich die Bertelsmann-Tochter verpassen. Einem Pressebericht zufolge baut das Musikunternehmen hier zu Lande 20 Prozent seiner Stellen ab. Kein Kommentar, heißt es aus der BMG-Zentrale in München.

Hamburg - Der Musikkonzern Bertelsmann Music Group (BMG) streicht einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge bei seiner deutschen Tochter fast 20 Prozent der Stellen.

In den vergangenen Tagen seien knapp 60 der etwas mehr als 300 Mitarbeiter gekündigt worden, schreibt die Zeitung in ihrer Donnerstagausgabe unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise. Die Stellenkürzungen seien Folge der umfangreichen Umstrukturierung der deutschen Ländergesellschaft unter dem neuen Chef Maarten Steinkamp.

BMG Deutschland wollte den Bericht gegenüber manager-magazin.de nicht kommentieren. Die Umstrukturierung sei erst Ende Juni abgeschlossen, erst danach wolle das Unternehmen an die Öffentlichkeit treten, sagte eine Sprecherin.

Die Entlassungen könnten bereits der Auftakt der umfangreichen Umstrukturierungen sein, die auf BMG im Zuge der Fusion mit Sony Music zukommen. Wie manager magazin berichtete, werden die Integrationskosten von Sony BMG bis Ende 2005 auf 392 Millionen Euro beziffert. Die Einsparungen sollen dagegen jährlich zwischen 280 bis 310 Millionen Euro liegen. Das Ebita soll laut einem internen Finanzplan 2006 bereits 269, in den Folgejahren 283 und 294 Millionen Euro betragen. Damit der Plan aufgeht, müssten allerdings 2000 Stellen gestrichen werden.

Steinkamp kündigte zudem im März an, dem Deutschland-Geschäft eine neue Struktur zu geben. Künftig solle das Musikgeschäft nicht mehr nach Labels, sondern nach nationalen und internationalen Künstlern aufgegliedert werden. Der Umbau bringe Stellenstreichungen mit sich, hieß es auf einer Betriebsversammlung. Schon in den USA hatte BMG sich zum Teil von Labels getrennt beziehungsweise sie geschlossen. Das Ziel: Eine schlanke Struktur.

Zuletzt hieß es, das erste Quartal 2004 sei das beste in der Geschichte von BMG gewesen. Das Musikgeschäft sei wieder auf eine "solide Basis gestellt und damit berechenbarer" geworden, teilte BMG-Chef Rolf Schmidt-Holtz auf der Bilanzpressekonferenz mit. 2003 setzte BMG mit Hilfe der Akquisition von Zomba Records 2,71 Milliarden Euro um. Der Gewinn lag bei 110 Millionen Euro.

Derweil wird das Fusionsvorhaben derzeit von der EU-Kartellbehörde geprüft. BMG und Sony Music stiegen zum größten Musikkonzern weltweit auf. Anfang dieser Woche teilten die Wettbewerbswächter den beiden Konzernen ihre Bedenken mit. In Gütersloh wie auch in Japan gibt man sich zuversichtlich, die Bedenken aus dem Weg räumen zu können.