Sonntag, 19. Januar 2020

Boomland Indien "In Harvard ist jeder Zehnte ein Inder"

Die indische Wirtschaft entwickelt sich prächtig, und kein anderes Unternehmen profitiert davon so stark wie der Megakonzern Tata Sons. Topmanager Ramabadran Gopalakrishnan spricht über Outsourcing und die Chancen Indiens, an die Weltspitze zu gelangen.

Frage:

Herr Gopalakrishnan, sind die Mitarbeiter von indischen Firmen mit mehr Begeisterung bei der Sache als Arbeitnehmer in Deutschland?

Gopalakrishnan: "Inder haben die Chance, an die Spitze zu kommen"
Gopalakrishnan: So hart würde ich das nicht formulieren. Aber es liegt wohl in der Natur des Menschen, sich nicht mehr so sehr anzustrengen, sobald das Leben komfortabler geworden ist. Die erste Generation von Unternehmern ist immer sehr hungrig, ihre Söhne schon nicht mehr so sehr und die dritte Generation ist dann wirklich in Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten. In Deutschland ist die erste Nachkriegsgeneration aus dem aktiven Arbeitsleben ausgeschieden, die Flower-Power-Generation ist schon recht alt, und der wirtschaftliche Erfolg der jungen Generation ist keinesfalls gesichert.

Frage: Eine Sorge in Deutschland und den USA ist das so genannte Offshoring, die Verlagerung von Arbeitsplätzen in das Ausland. Denken Sie, diese Sorge ist berechtigt?

Gopalakrishnan: Es wäre verrückt, diese Sorge für nicht berechtigt zu halten, sie ist vollkommen verständlich. Aber Offshoring ist eine sehr alte Sache. Adidas beispielsweise lässt seit Jahren den größten Teil ihrer Schuhe außerhalb Deutschlands fertigen. Die Verlagerung von IT-Services mag etwas neuer sein, und wie immer gibt es am Anfang eines solchen Prozesses Ängste und Sorgen. Doch auf lange Sicht zeigt sich, dass Länder wie die USA oder Deutschland mehr Güter und Dienstleistungen nach Indien exportieren als andersherum.

Frage: Wie finden Sie die Wahlkampagne von John Kerry, der Unternehmenschefs als Verräter bezeichnet, wenn sie Jobs ins Ausland verlagern?

Gopalakrishnan: Herr Kerry möchte eine Wahl gewinnen und dafür muss man einiges tun. Sollte er Präsident werden, dann wird er sich sicherlich verantwortungsvoller äußern, als er das jetzt tut. In jedem Wahlkampf nehmen Leute extreme Positionen ein, um auf sich aufmerksam zu machen. Danach ändert sich manches von selbst.

Frage: Ihre Software-Tochter TCS baut ein Unternehmen in Ungarn auf, Ihr schärfster Konkurrent Infosys Börsen-Chart zeigen fasst in Deutschland Fuß. Sind das Ausnahmen oder erste Anzeichen für eine Schubumkehr?

Gopalakrishnan: Ich denke, es geht hier nicht um Trends. Offshoring ist nichts anderes als eine Form von Handel. Vasco da Gama betrieb "Offshoring" wenn Sie so wollen, als er mit einem Schiff nach Indien fuhr, es mit Gütern füllte und diese dann in Spanien verkaufte. Offshoring ist wie Atmen. Nur dann, wenn es mir wehtut, mache ich viel Lärm. Und das passiert von Zeit zu Zeit.

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