Dienstag, 28. Januar 2020

Infosys Vom Diener zum Herren

Der indische Software-Konzern Infosys ist zum Symbol für den Aufstieg Indiens geworden. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen erstmals mehr als eine Milliarde Dollar umgesetzt. Jetzt wollen die Inder weg vom Billig-Image - und fordern die großen IT-Berater IBM, EDS, CSC und Accenture heraus.

Bangalore - Nandan Nilekani ist einer der begehrtesten Gesprächspartner für die Manager-Eliten der westlichen Welt. Nach dem Sieg der Opposition bei den indischen Parlamentswahlen in der vergangenen Woche wollen alle von ihm wissen: Wie geht es weiter mit der indischen Software-Industrie, die so viel schneller wächst als die der USA.

Infosys: Firmenzentrale in Indien
Der Chef von Infosys Börsen-Chart zeigen gilt als einer der besten Kenner der Situation - schließlich schaffte sein Unternehmen im Geschäftsjahr 2003/2004 270 Millionen Dollar Profit - 38 Prozent mehr als im Jahr davor. Nilekanis Einschätzung: Die IT-Branche Indiens ist inzwischen so stark, dass sie selbstständig wachsen kann - selbst wenn die neue Regierung Subventionen und Steuervergünstigungen streicht und sich auf die Förderung der Landwirtschaft konzentriert.

Als sich Nilekani und Narayana Murthy 1981 in einer kleinen Stadt unweit von Bombay trafen, gab es in Indien noch keine Software-Industrie. Die beiden wollten das ändern - und gründeten die Firma Infosys. Startkapital: knapp 1000 Dollar. Mit vier weiteren Freunden begannen sie, Programme zu schreiben, ihre Dienste US-Firmen anzubieten. Die Aufträge kamen schnell, 1984 konnte Infosys die ersten Software-Ingenieure einstellen. Ihre Hauptaufgabe: zeitaufwändige Software-Anpassungen, Dateneingabe. Ihr Wettbewerbsvorteil: Sie waren billig. Viel billiger als Entwickler in den USA.

Perfektes Englisch: Indische Studenten in Bangalore
Während der Kontakt zum Kunden direkt gepflegt werden muss, kann Software an jedem beliebigen Ort der Erde entstehen - dieses Prinzip hat Infosys groß gemacht und zeitgleich die indische Software- und IT-Industrie insgesamt. Wie die Konkurrenten Tata Consultancy und Wipro profitiert der Konzern vom Trend, der sich Offshoring nennt. Seitdem die indische Regierung 1991 den Markt liberalisierte, strömen westliche Investitionen ins Land. Konzerne wie General Electric, Texas Instruments und IBM lagern arbeitsintensive Aufgaben gen Indien aus. Infosys erwarb sich den Ruf, zuverlässig zu arbeiten. Die Software-Entwickler sind gut ausgebildet und sprechen perfekt Englisch.

Die neue Info-Elite des Subkontinents sammelt sich im südindischen Bangalore. Auch Infosys zog Anfang der neunziger Jahre in die Millionenstadt. Sie trägt den Beinamen "Silicon Valley", in Anlehnung an das kalifornische Hightech-Zentrum. Der kleine Unterschied: Bangalores IT-Firmen sind heute profitabler denn je. Infosys kommt auf Margen von 32 Prozent - bei Konkurrenten wie EDS sind es 10, bei Accenture 4 Prozent.

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