SAP Das Orakel von Walldorf

SAP-Chef Kagermann zeigt sich optimistisch für die Zukunft des größten deutschen Software-Entwicklers. Er will Konkurrent Oracle den zweiten Rang auf dem Weltmarkt ablaufen und zeigt sich zufrieden mit dem Abschneiden seines Unternehmens in den USA.

New Orleans - Nach Jahren starker Investitionszurückhaltung steigt nach Einschätzung von SAP-Chef Henning Kagermann bei Unternehmen wieder spürbar die Bereitschaft, mehr Geld für ihre Computersysteme auszugeben. Das sagte Kagermann am Rande der Anwendermesse "Sapphire" in New Orleans der Tageszeitung "Die Welt".

Die prognostizierte Wende beschert dem Weltmarktführer bei Firmen-Software bisher aber keine größeren Aufträge. Im Gegenteil sinke die durchschnittliche Größe der Aufträge seit mittlerweile sechs Quartalen in Folge, sagte Kagermann der "Welt". "Wir haben eine sehr harte Zeit hinter uns."

Bisher halte der Abwärtstrend auch noch an. Erstmals sei der Rückgang bei der so genannten Deal-Größe aber geringer ausgefallen als der Volumenzuwachs, also das Plus bei den Neuaufträgen, sagte der Konzernchef. Und auch bei der Auftragsgröße sei hoffentlich bald die Talsohle erreicht, sagte Kagermann. Er sei deshalb zuversichtlich, den Umsatz mit Softwarelizenzen in diesem Jahr wie geplant um zehn Prozent steigern zu können.

Außerdem fühle sich SAP  gerüstet, Oracle  als Nummer zwei unter den weltgrößten Softwareherstellern den Rang streitig zu machen. "Natürlich wollen wir Oracle überholen, und ich denke, dass wir das schaffen können", sagte Kagermann.

Einen Zeitpunkt dafür nannte er aber nicht. Oracle hatte im vergangenen Geschäftsjahr, das Ende Mai endete, 9,9 Milliarden Dollar umgesetzt, SAP kam 2003 auf umgerechnet 8,4 Milliarden Dollar. Der Lizenzerlös gilt als zentrale Größe bei Softwareunternehmen, weil Lizenznehmer in der Regel auch Training, Service und Produktweiterentwicklungen ordern.

Der Anstieg sei in erster Linie dem prosperierenden Geschäft in der Region Amerika zu verdanken: In den USA sei das Lizenzgeschäft in den ersten drei Monaten um 45 Prozent, ohne Berücksichtigung der Wechselkurse gar um 65 Prozent nach oben geschossen; im Vergleich mit den wichtigsten Wettbewerbern Oracle, Peoplesoft , Siebel Systems  und Microsoft  wuchs der Marktanteil der Deutschen, die in den USA lange glücklos agiert hatten, von 25 auf 34 Prozent.

In Europa und in Asien tue sich SAP dagegen zurzeit schwer. Im Heimatmarkt Deutschland und in Europa waren die Lizenzumsätze leicht, in Asien sogar stark rückläufig. Kagermann räumte ein, dass dafür nicht ausschließlich die schwache Konjunktur verantwortlich war. Auch interne Probleme hätten dabei eine Rolle gespielt, vor allem in Frankreich. Aber diese Probleme seien nun gelöst, sagte Kagermann, ohne Näheres zu erläutern.

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