Notebooks Duell der Giganten

Die beiden großen Prozessorhersteller ringen miteinander um die beste Produktstrategie für den boomenden Laptop-Markt. AMD setzt schon heute auf 64-Bit-Verarbeitung. Intel zögert noch und bleibt vorerst bei 32 Bit.

Der Kampf um Kunden tobt auf dem PC-Markt vor allem im Notebook-Segment. Ständig sinkende Einstiegspreise bei zugleich weiter verbesserter Technik motivieren immer mehr Privatanwender, ihren klobigen Desktop-PC gegen einen handlichen Laptop auszutauschen. Die Leistung der Mobil-Rechner genügt inzwischen fast allen Ansprüchen. Für die gängigen Office- und Internetanwendungen sind sie fast schon überdimensioniert. Selbst zum Spielen eignen sich einige Modelle.

Nicht verwunderlich ist es daher, dass Marktforscher regelmäßig von deutlichen Wachstumsraten im Notebook-Markt berichten - im Gegensatz zum Desktop-Markt, der sich in der Vergangenheit eher schwach entwickelt hat. Im ersten Quartal ist der Desktop-Bereich im Privatkundensegment in Deutschland nach einer Studie des Marktforschungsunternehmens Gartner gar um zwölf Prozent geschrumpft. Der Notebook-Absatz hat dagegen um satte 42 Prozent zugelegt.

Die Hersteller locken Anwender allerdings nicht mehr nur mit mehr Prozessorleistung, sondern auch mit Zusatzfunktionen. In der leistungsfähigeren und daher auch schweren Klasse bieten Laptops eine vollwertige Alternative zum Desktop-Rechner: mit schnellem Prozessor und leistungsfähiger Grafik, großer Festplatte sowie DVD- und CD-Brenner.

Darüber hinaus sind auch besonders leichte Mobil-Rechner inzwischen erschwinglich geworden. Statt maximaler Rechengeschwindigkeit glänzen sie mit langen Akku-Laufzeigen, integriertem Wireless LAN und einem Gewicht, das zum Teil deutlich unter zwei Kilogramm liegt.

Die beiden relevanten Prozessorhersteller, Weltmarktführer Intel und der ewige Zweite AMD, kämpfen dabei mit sehr unterschiedlichen Konzepten um Kunden. Intel entwickelt zunächst mit seiner Centrino Mobiltechnologie die herkömmlichen 32-Bit-Prozessoren weiter. Bestandteile sind der Pentium M, den das Unternehmen gerade in einer neuen, leistungsfähigeren Version mit bis zu zwei Gigahertz Taktfrequenz vorgestellt hat, sowie ein spezielles Chipset und ein WLAN-Modul. Mit Centrino will Intel besonders leichte und zugleich leistungsfähige Notebooks ermöglichen, die sich mittels Funktechnik auch unterwegs mit einem Breitband-Internetzugang verbinden lassen.

AMD setzt auf 64 Bit

AMD setzt dagegen bereits auf eine neue Generation von 64-Bit-Prozessoren. Der Halbleiterhersteller - wie Intel auch im kalifornischen Silicon-Valley südlich von San Francisco beheimatet - hat gerade mit den Modellen 2800+ und 2700+ zwei neue Varianten seiner Notebook-Chips vorgestellt. Auch sie bieten Stromspareigenschaften für längere Akkulaufzeiten und kompaktere Mobil-Rechner.

Im Gegensatz zu den Intel-Chips können 64-Bit-Prozessoren im Zusammenspiel mit entsprechender Software mehr Daten auf einmal und daher schneller verarbeiten. Entsprechende Linux-Varianten gibt es bereits, etwa von Suse. Eine 64-Bit-Version des Betriebssystems Windows wird nach Auskunft des Software-Konzerns allerdings erst in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt kommen. Erst dann werden Nutzer - entsprechende 64-Bit-Anwendungen vorausgesetzt - die volle Leistung der Prozessoren ausnutzen können.

AMD-Sprecher Jan Gütter begründet den frühen Marktstart gerade im Notebook-Segment mit der Zukunftssicherheit der Prozessoren. Ein Notebook kaufe sich ein Privatanwender nicht nur für ein Jahr, sagt Gütter. Die Geräte würden in der Regel drei Jahre oder sogar länger genutzt. Deshalb sei der 64-Bit-Chip die sichere Investition.

Konkurrent Intel lässt dieses Argument nicht gelten. Nach den Worten von Unternehmenssprecher Christian Anderka will der Weltmarktführer seinen Kunden erst dann 64-Bit-Prozessoren anbieten, wenn die entsprechende Software zur Verfügung steht.

Abgesehen von den fehlenden Anwendungen für 64-Bit-Prozessoren nutzen Privatanwender auch die Möglichkeiten von 32-Bit-Chips noch nicht aus. Ein solcher Prozessor kann pro Anwendung immerhin zwei Gigabyte Hauptspeicher zuweisen und maximal vier GB verwalten. Selbst gut ausgestattete Notebooks verfügen heute nur über einen Arbeitsspeicher von 512 Megabyte.

Über den Kauf eines Notebooks sollte daher nicht allein der Prozessor entscheiden, sondern das Preis-Leistungs-Verhältnis des gesamten Rechners. Die Stromspartechniken der Halbleiterhersteller nützen kaum etwas, wenn der Hersteller eine Energie fressende Festplatte oder ein DVD-Laufwerk mit hoher Leistungsaufnahme einbaut. Die Leistung aktueller Prozessoren - egal ob aus der 32- oder 64-Bit-Familie - reicht für gewöhnliche Ansprüche bei weitem aus. Und wer wirklich auf die jeweils maximal verfügbare Leistung angewiesen ist, muss sowieso einmal im Jahr einen neuen Rechner kaufen.

Björn Sievers, ddp

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