Lycos Rettungsanker Telefon?

Der Internet-Dienstleister Lycos ist kein Unternehmnen, dass auf der Welle des Erfolges reitet. Die letzte Jahresbilanz wies eine Verlust von 11,9 Millionen Euro aus. Jetzt prüft Lycos-Chef Christoph Mohn den Einstieg in den Web-Telefonmarkt.

Hamburg - Der Internet-Dienstleister Lycos prüft nach einem erfolgreichen Start des Geschäfts mit breitbandigen Internetzugängen den Einstieg in den Telefonmarkt.

"Unser Angebot der schnellen DSL-Anschlüsse mit einer Preisgarantie läuft ausgezeichnet", sagte der Vorstandsvorsitzende der Lycos Europe GmbH, Christoph Mohn. Lycos nehme auf dem Markt der Internet-Dienste die Rolle der Billigflieger in der Touristik-Branche ein. "Wenn Ryanair  durch Europa fliegt, gibt es immer noch eine Lufthansa  und eine Air France. Sie werden aber Marktanteile abgeben. Genau das sehen wir jetzt in der Telekommunikationsbranche."

Lycos hatte Ende April sein Angebot von DSL-Zugängen vorgestellt und dabei eine Preisgarantie für die Verbraucher abgegeben. Wenn jemand ein preiswerteres Angebot zu vergleichbaren Bedingungen bei einem der Haupt-Wettbewerber sehe, werde Lycos diesen Preis unterbieten. Gleichzeitig startete Lycos eine aggressive Werbekampagne gegen Marktführer T-Online  sowie gegen AOL , Freenet und 1&1, die nach gerichtlichen Verfügungen der Wettbewerber in Teilen verändert werden musste.

"E-Commerce wächst aber um 30 Prozent pro Jahr"

"Im nächsten Schritt planen wir, Telefonie-Produkte auf den Markt zu bringen", sagte Mohn. Lycos habe aber noch nicht entschieden, ob dies Internet-Telefonie ("Voice over IP") oder ein herkömmliches Telefon-Produkt ("Call by Call") sei. "Die Preise für diese beiden Angebote liegen aber ohnehin dicht beieinander."

Der Erfolg des Internzugang-Geschäftes trage dazu bei, die Abhängigkeit von Lycos vom Online-Werbemarkt weiter zu reduzieren, sagte Mohn. "Wir machen jetzt noch rund 40 Prozent unseres Umsatzes mit Online-Werbung, davon ist die Hälfte durch langfristige Verträge abgesichert." Das stärkste Wachstum erlebe Lycos jedoch beim elektronischen Handel und den bezahlpflichtigen Zusatzdiensten. "Der Einzelhandel in Deutschland freut sich über ein Prozent Wachstum, der E-Commerce wächst aber um 30 Prozent pro Jahr." Bei Lycos sei der Bereich "Paid Services & E-Commerce" im ersten Quartal 2004 sogar um 44 Prozent auf 6,8 Millionen Euro gewachsen.

Lycos plane, den Umsatz in diesem Bereich in den kommenden zwei bis vier Jahren auf 100 Millionen Euro auszubauen, betonte Mohn. Damit dürfte sein Unternehmen auch spätestens im Jahr 2008 die Gewinnschwelle überschreiten. Lycos hatte im ersten Quartal 2004 seinen Umsatz um 14 Prozent auf 23,8 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahresquartal gesteigert. Der Verlust sank um 19 Prozent auf 11,9 Millionen Euro.

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