Microsoft Teurer Anwalt

Eugene Crew, Anwalt in der Sammelklage gegen Microsoft in Kalifornien, will dem unterlegenen Gates-Imperium jede seiner über 6000 Arbeitsstunden mit 3019 Dollar in Rechnung stellen. Insgesamt sollen sich die Anwaltskosten in dem Verfahren auf 258 Millionen Dollar belaufen.

Hamburg - Die Forderung von 258 Millionen Dollar Honorar ist die bisher höchste in einer derartigen Kartellklage. Sollte das Gericht ihr stattgeben, müsste Microsoft  die astronomische Summe zusätzlich zu den vereinbarten 1,1 Milliarden US-Dollar Entschädigung zahlen. In der von Crew als Kopf der Anwälte vorgetragenen Klage wurde Microsoft beschuldigt, seine Monopolstellung auf dem Software-Markt ausgenutzt zu haben, um die Preise künstlich in die Höhe zu treiben.

Über die Einigung im eigentlichen Streitfall selbst zeigte man sich auf Microsoft-Seite erfreut. Zwei Drittel des Geldes sollen finanziell benachteiligten Schulen in Kalifornien zugute kommen. Da lacht Microsoft-Anwalt Brad Smith das Herz: "Wir sind besonders darüber erfreut, Schulen mit der Software und den Computern auszustatten, die sie brauchen", gab er zu Protokoll.

Weniger erfreut ist man bei Microsoft hingegen über die Honorarforderung der Gegenseite. Außer Crew waren noch 34 weitere Anwälte in dem Fall tätig, jeder von ihnen berechnet für eine Arbeitsstunde 2000 Dollar. Für Verwaltungsarbeiten soll der Software-Gigant weitere 1000 Dollar pro Stunde berappen. "Irgendjemand wird dafür bezahlen müssen, und zwar letzen Endes der Konsument", so Microsoft-Anwalt Robert Rosenfeld. In einer Pressemitteilung von Microsoft heißt es, dass die Prozesskosten im ersten Quartal 2004 mit 17 Cent pro Aktie zu Buche schlugen.

Der gerechte Preis

Crew bleibt bei seiner Forderung. "Ich würde das Geld nicht fordern, wenn ich es nicht verdient hätte" ,sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Normalerweise ergibt sich das Anwaltshonorar aus der Höhe des erlangten Schadenersatzes, aber bei Sammelklagen verhandeln die Anwälte ihre Forderungen mit der Verliererpartei und dem Richter aus.

Die Forderung sei gerechtfertig, so Crew weiter. Es sei der gerechte Preis dafür gegen einen Giganten wie Microsoft anzutreten, der bekannt sei für seine Strategie "keine Gefangenen" zu machen, weder auf dem Markt noch im Gerichtssaal. Microsoft hat Einspruch gegen die Forderungen der Anwälte erhoben. Eine Entscheidung des zuständigen Richters Paul Alvarado steht noch aus.

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