Spam Unter falscher Flagge

Spammer nutzen E–Mail-Adressen ahnungsloser Internetanwender für das Versenden lästiger Werbemails. Es gibt Ansätze, mit dem Problem fertig zu werden, aber es fehlt eine gemeinsame Initiative der Internetprovider.
Von René Lindner

Hamburg - Im Wettrüsten zwischen Software-Entwicklern und den Versendern von unerwünschten Massen-E-Mails haben bis jetzt die Spammer eindeutig die Nase vorn. Zwar schützen alle großen Internetprovider ihre Kunden mit Spam-Filtern, aber bis jetzt haben die bösen Buben der Werbeindustrie immer einen Weg gefunden, diese Blockaden zu durchbrechen.

Die meisten Anti-Spam-Filter suchen nach Schlagworten in der elektronischen Post. Klassische Spam-Marker sind Sätze wie "Reich werden über Nacht." Ist eine Nachricht als Spam identifiziert, können weitere Mails dieses Absenders geblockt werden. Spammer umgehen diese Blockade mit dem so genannten "spoofing".

Sie beschaffen sich E-Mail-Adressen von Firmen und Privatpersonen und setzen diese als Absender der Werbemails ein. Damit ersparen sich die Spammer auch zornige Antworten der Empfänger - die landen stattdessen auf den Konten der vorgeblichen Absender. "Es ist kinderleicht, eine E-Mail-Adresse zu fälschen, " sagt Sascha Hanke, Datenschutzbeauftragter bei Microsoft Deutschland gegenüber manager-magazin.de

Standards aus den Gründertagen des Internets

Spoofing ist möglich, weil für das Versenden und Empfangen Standards aus den vertrauensseligen Gründertagen des Internets genutzt werden. Und das wird sich auch in absehbarer Zeit nicht ändern. Dieser Überzeugung ist zu mindest Lars Weiler, Sprecher des Chaos Computer Clubs in Berlin. "Eine grundlegende Änderung des Standards ist nicht zu erwarten", sagt er im Gespräch mit manager-magazin.de. Das könne "nur schrittweise" passieren.

Die großen Internet Provider arbeiten an Konzepten, um das Problem wenigstens einigermaßen in den Griff zu bekommen. Die Verfahren basieren zu meist auf der Erkennung der Mail über die IP-Adresse, einer wesentlich schwieriger zu fälschenden Signatur. Hier enden allerdings die Gemeinsamkeiten: AOL setzt auf eine Lösung, die ein Sprecher als einen offenen Standard bezeichnet. Die Installation erfordere einen Arbeitstag, darüber hinaus sollen keine Kosten anfallen.

"Ein proprietärer Mist"

Microsoft dagegen treibt im Rahmen seiner Anti-Spam-Initiative die Arbeit am Caller-ID-Verfahren voran. Das Unternehmen setzt große Hoffnungen auf dieses System. Bill Gates träumte in einem Rundschreiben schon öffentlich von "einer Zukunft ohne Spam."

Der Microsoft-Standard wird voraussichtlich auf die eigenen Dienste beschränkt sein, andere Anwender werden für eine Zertifizierung an Microsoft zahlen dürfen. Laut Chaos Computer Club Sprecher Weiler ein "proprietärer Mist".

Wie auch immer das Gekabbel zwischen den Verfechtern des freien Internets und der kühl rechnenden Geschäftswelt ausgeht, es wird wohl noch eine Weile dauern, bis Gates schöner Traum von einer Zukunft ohne Spam Wirklichkeit wird.