CSC "Wir suchen eine Landmark"

Während die klassische IT-Beratung in Deutschland kaum wächst, verspricht das Outsourcing-Geschäft lohnende Verträge. Frank Wilden, Europa-Beauftragter bei CSC, erzählt im Gespräch mit manager-magazin.de, was sich der US-Dienstleister CSC für Deutschland vorgenommen hat.

Hamburg - "Wir wollen weiter offensiv in den Markt gehen", sagt Frank Wilden. Der Manager ist gerade zum Generalbevollmächtigten für Europa des IT-Beraters CSC benannt worden. Wilden soll sich vor allem um das Outsourcing-Geschäft kümmern.

Während CSC als Outsourcer unter anderem in Großbritannien und Skandinavien etabliert sei, bestehe in Deutschland noch Nachholbedarf, sagt Wilden. Der IT-Berater hatte bereits im vergangenen Jahr damit begonnen, sein Outsourcing-Geschäft umzuorganisieren. Weg von regionalen Einheiten hin zur europäischen Sicht, heißt das Motto. Ziel ist es, sich mit der Neustrukturierung für große Konzerne attraktiv zu machen.

"Wir suchen derzeit in Deutschland nach einer 'Landmark' als Plattform für weiteres Wachstum in Zentraleuropa", sagt Wilden. Ein passender Übernahmekandidat für das passende Geld, das steigere die Visibilität von CSC, gleichzeitig rücke man im Ranking der Outsourcer in Deutschland nach vorne. "Der IT-Dienstleistermarkt ist hier zu Lande sehr diversifiziert", sagt Wilden. Regionale Player spielten eine große Rolle. Platzhirsche sind neben IBM  T-Systems, SBS von Siemens  und neuerdings Hewlett-Packard .

Triaton lockte

Die ThyssenKrupp-Tochter Triaton wäre ein gutes Objekt für CSC gewesen, sagt Wilden. Doch das Unternehmen ging an Hewlett-Packard. "Wir waren interessiert, aber der Preis war letztendlich zu hoch."

CSC ist weltweit tätig. 2003 zählte der IT-Spezialist mehr als 90.000 Mitarbeiter. Für das dritte Geschäftsquartal (Anfang Januar) wies das Unternehmen einen Umsatz von 3,62 Milliarden Dollar aus, für die ersten neun Monate waren es insgesamt 10,77 Milliarden Dollar. Die Zahlen für das Gesamtjahr werden im 17. Mai veröffentlicht. Neben Aufträgen von Regierungen und der öffentlichen Verwaltung hat CSC einen starken Fokus im Bereich Fertigungsindustrie und Geschäftsprozess-Outsourcing (BPO). 66 Prozent des Geschäftes macht der Konzern in den USA, Europa trägt 25 Prozent zum Gesamtumsatz bei.

Chancen, in Deutschland einen Übernahmekandidaten zu finden, wird CSC in den kommenden Monaten genug haben. Studien von Gartner, Meta Group und Forrester Research sagen eine weitere Konsolidierung des IT-Marktes voraus. Den Verkauf von Triaton sehen die Branchenanalysten als Auftakt einer Verkaufswelle an. Es sei allerdings schwierig, das Triaton-Geschäft einfach zu kopieren. Die Branchenexperten sind sich sicher, dass ein ähnlich hoher Preis wie er für Triaton gezahlt wurde, künftig nicht mehr unbedingt erreicht wird. "In den nächsten zwölf bis 14 Monaten wird der deutsche Markt für Outsourcing reifer", sagt Wilden. Dann habe sich das Thema auch entemotionalisiert.

Konzerntöchter im Blick

Konzerntöchter im Blick

"Die IT-GmbHs sind auf Dauer in ihrer jetzigen Form nicht überlebensfähig", ist Wilden überzeugt. Auch Georg Hänsel, Unternehmensberater, Business Angel und Ex-IBM-Manager, ist davon überzeugt, dass sich der IT-Markt verändern wird. "An dem allgemeinen Outsourcing-Trend kommen die großen Konzerne nicht vorbei", sagt Hänsel im Gespräch mit manager-magazin.de. "Entweder die Konzerne reintegrieren ihre IT-Geschäfte wieder oder sie verkaufen sie." Eine aktuelle Studie von Lünendonk und Techconsult besagt, dass sich das Auslagern der IT an einen externen Dienstleister in Deutschland sowohl bei großen Konzernen als auch im Mittelstand mittlerweile fest etabliert hat. 36 Prozent der befragten Unternehmen hätten wesentliche Teile der IT ausgelagert.

Verkauft wurden neben Triaton bereits die IT-Töchter der Drägerwerke , Vorwerk und Rheinmetall . Die RAG hat ebenfalls Desinvestmentpläne für ihre IT-Tochter bekannt gegeben. Auch hier gehen Branchenexperten davon aus, dass alle großen Dienstleister mitbieten werden. Ob CSC zu den Bietern gehört, will Wilden nicht sagen.

KarstadtQuelle  will auch seine IT-Tochter Itellium veräußern. Insider berichten gegenüber manager-magazin.de jedoch, dass sich der Verkauf als äußert schwierig gestalte. Die Bedingungen, die der Mutterkonzern stelle, gelten als wenig attraktiv. Vielleicht bleibe KarstadtQuelle auf seiner IT-Tochter sitzen, spekulieren Branchenbeobachter. Die Erwartungen der Mutterkonzerne an das Sparpotenzial bei einem Verkauf der IT-Tochter sind teilweise zu hoch, berichtet Hänsel aus seiner Erfahrung bei IBM.

Osteuropa spiel nur kleine Rolle

Entsprechend konservativ ist auch die Strategie von CSC. "Wir schauen uns um, aber wir lassen uns nicht unter Druck setzen", sagt der Manager mit Blick auf den Gesamtmarkt. Für CSC müsse sich die Transaktion wirklich lohnen. Dabei spiele unter anderem die Zahl der Mitarbeiter eine Rolle, die übernommen werden sollen. Wichtig seien ebenso mögliche Synergieneffekte, und in welchem Umfang Aufträge des Mutterkonzerns bestünden. Denn das so genannte Drittgeschäft hätten nur wenige IT-Töchtern tatsächlich geschafft.

Osteuropa spielt für den Manager vorerst nur eine geringere Rolle. Zwar sei CSC schon in Polen und Ungarn. Die Landesgesellschaften seien aber durch Outsourcing-Aufträge entstanden. "Wir folgen den Kunden", sagt Wilden. In drei bis fünf Jahren rechne er damit, dass auch der Osten Europas für den IT-Berater eine wichtigere Rolle spiele.

Hoher Preisdruck

Hier zu Lande wird der jedoch zunehmend enger. Allein die Tagessätze für die klassische IT-Beratung entwickelten sich nur schleppend, berichten Marktteilnehmer. So sei der Preisdruck entsprechend groß. Wilden sagt, dass einige der Mitbewerber mittlerweile große Kapazitäten aufgebaut hätten, die sie nun veranlassten, auch um kleine Aufträge zu kämpfen.

Für Dienstleister komme es künftig darauf an, wie sie ihre Kunden ansprächen, sagt Jochen W. Schmidt, Managing Director und Technology-Head bei der Investmentbank Sal. Oppenheim gegenüber manager-magazin.de. Die IT-Berater müssten sich noch mehr als Serviceunternehmen definieren. Dabei werde für die IT-Dienstleister in Zukunft das Alleinstellungsmerkmal immer wichtiger, Konsolidierung bedeute nicht einfach nur, dass einige Spieler rausfallen beziehungsweise übernommen werden und einige andere dadurch größer werden.

"Konsolidierung bedeutet immer auch eine qualitative Veränderung im Markt", so Schmidt. Hier biete sich allen Unternehmen die Chance, durch Zukäufe und/oder Desinvestments kritische Unterscheidungsmerkmale im Wettbewerb, wie Know-how-Schwerpunkt oder Markenprofil neu zu definieren oder komplett neu aufzubauen."

Ein zentrales Unterscheidungsmerkmal könnte hierbei auch die Referenzliste sein. Die ist bei CSC "naturgemäß" lang: Royal Mail, Bombardier, Motorola , US Army, Boeing , um nur einige zu nennen. Nur in Deutschland fehlt noch ein ganz großer Auftrag.