IDS Scheer Auf der Zielgeraden

Der IT-Berater IDS Scheer wächst - vor allem das Auslandsgeschäft legt ordentlich zu. In diesem Jahr will das Unternehmen nun in Russland zukaufen. Aber auch in Deutschland sei die eine oder andere Transaktion nicht ausgeschlossen, sagen die beiden Vorstandssprecher im Gespräch mit manager-magazin.de.

Saarbrücken - "Wir sind voll im Plan." IDS-Scheer-Vorstandschef Helmut Kruppke zeigt sich zufrieden. Der Umsatz ist im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 41 Prozent auf 64,6 Millionen Euro gestiegen. Der operative Gewinn (Ebita) legte um 26 Prozent auf 7,3 Millionen Euro zu.

Vor allem Aufträge im Ausland haben für das Wachstum gesorgt. In Deutschland sank der Umsatz und das Ergebnis dagegen auf 31,7 Millionen beziehungsweise 4,6 Millionen Euro. Kruppke betont aber, dass das Unternehmen hier zu Lande organisch gewachsen sei. "Das liegt aber nicht an der Konjunktur", sagt er. Vielmehr sei das Thema Business Process Management (BPM) sehr gut im Markt angekommen. "Wir sehen unsere Strategie damit bestätigt."

Die Ebita-Marge soll in diesem Jahr bei mindestens 12 Prozent liegen, sagt Co-Vorstandsvorsitzender Ferri Abolhassan. Möglicherweise sei sogar eine Marge bis zu 12,7 Prozent möglich. Der Umsatz soll sich für das Gesamtjahr auf rund 290 Millionen Euro belaufen. "Es ist zwar noch ein Weg zu gehen, aber ich bin sicher, dass wir die Zielgrößen schaffen", so Abolhassan.

Auch in den kommenden Monaten werden die Hauptwachstumsmärkte für IDS Scheer  im Ausland zu finden sein. "In Deutschland spüren wir zwar ein wachsendes Interesse an unseren Produkten", so Kruppke, aber erst im kommenden Jahr sei wieder mit einer steigenden Nachfrage zu rechnen. Die IDS-Gesellschaften außerhalb Deutschlands setzten im ersten Quartal 37,8 Millionen Euro um. Das sind 60 Prozent des Gesamtumsatzes. Mit eingerechnet sind dabei die Erlöse der im vergangenen Sommer übernommenen Groupe Expert sowie des Osteuropa- und Nordamerikageschäfts der Salzburger Plaut AG.

Russland ruft

Für dieses Jahr steht ein Zukauf in Russland an. An welches Unternehmen Kruppke und Abolhassan denken, ist nicht bekannt. "Wir haben uns vorgenommen, in diesem Jahr eine Transaktion in Russland zu schaffen", sagt Abolhassan. Weitere Akquisitionen seien möglich, jedoch eher im kleineren Stil.

Wichtigste Märkte sind neben dem Inland, die USA, Osteuropa und Russland. In China ist IDS Scheer mittlerweile ebenfalls tätig geworden. Ein Auftrag sei bereits vereinbart, ein zweiter stehe kurz vor Abschluss. Das China-Geschäft werde sich aber in diesem Jahr noch nicht weiter auswirken. "Dieser Bereich muss erst profitabel werden", sagt Kruppke.

Grundsteine für Osteuropa gelegt

Grundsteine für Osteuropa gelegt

Auch in Osteuropa hätte IDS Scheer mal "klein" angefangen. "Den Grundstein haben wir vor drei oder vier Jahren gelegt", erzählt Kruppke. Damals hätten sie Partner gewonnen, die IDS-Scheer-Produkte vertrieben. Dann folgte eine Transaktion. "Für Osteuropa können wir jetzt gute Zahlen vorlegen", so Kruppke. "Uns überrascht die EU-Erweiterung nicht."

Mittlerweile ist IDS Scheer in sechs Ländern Osteuropas wie Polen, Ungarn, Tschechien und Rumänien vertreten. Nun soll Russland dazukommen, danach Lettland, Litauen und Estland. Gesteuert werden die Osteuropa-Geschäfte aus Österreich.

Der Markt sei vorrangig von der Umstellung auf die Privatwirtschaft und der Deregulierung geprägt, sagt Kruppke. Entsprechend sei die Nachfrage nach betriebswirtschaftlichen Programmen groß. Derzeit arbeiteten 500 Mitarbeiter in Osteuropa, Ende des Jahres könnten es vielleicht 550 sein.

Arbeitsplätze von Deutschland nach Osteuropa verlagern, will das Unternehmen nicht. "Wir haben hier zu Lande keine Nearshore-Strukturen aufgebaut wie andere." So habe das Unternehmen in Deutschland nie individuelle Software-Entwicklung betrieben, allerdings habe das Unternehmen mittlerweile die dafür notwendigen Grundlagen in Osteuropa aufgebaut. "Wir haben in Ungarn auch deutschsprachige Entwickler", so Kruppke. Generell sei es aber notwendig, als Dienstleister in der Nähe der Kunden zu sein.

Dass IDS Scheer möglicherweise auch in Deutschland ein IT-Unternehmen übernehmen könnte, will Kruppke nicht ausschließen. So schaue sich der Berater beispielsweise auch die zum Verkauf stehenden IT-Töchter großer deutscher Konzerne an. "In Frage kommt etwas, was uns inhaltlich stärkt", sagt der Vorstand. An welche Branche oder Dienste er dabei denkt, lässt er offen. Der Co-Vorstandssprecher weist aber darauf hin, dass IDS Scheer bei Transaktionen auch in der Liga bis 300 Millionen Euro mitspielen könnte. Bezahlt werde dann per Kapitalerhöhung mit Aktien. "Das Spielfeld ist groß", so Kruppke.

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