Lycos Europe Angeordneter Rückzug

Der spanische Konzern Telefonica will offenbar seine Anteile an Lycos USA verkaufen. Nun scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann sich der Telekomkonzern auch von seiner Beteiligung an Lycos Europe trennt.

Madrid/Gütersloh - Der spanische Telefonkonzern Telefonica  will sich angeblich von dem Internetportal Lycos USA trennen. Der Konzern habe die Investmentgesellschaft Lehman Brothers mit der Suche nach einem Käufer beauftragt, schreibt die "Financial Times Deutschland" (FTD).

Telefonica hatte das Internetunternehmen noch zu Boomzeiten gekauft. Vor rund vier Jahren legte der Konzern mehr als zwölf Milliarden Dollar für Lycos hin. Heute könnte der Konzern bei dem Verkauf wahrscheinlich nur noch mit 200 Millionen Euro rechnen. Dabei hätte Telefonica den Zeitpunkt angesichts der Marktlage noch gut gewählt. Denn die positiven Zahlen von Ebay , Yahoo  und Amazon  sowie der voraussichtliche Börsengang der Suchmaschine Google verleihen der Internetbranche derzeit wieder etwas Glanz.

Ob der spanische Konzern sich auch von seinem Anteil an Lycos Europe  trennen will, ist bislang noch nicht bekannt. Telefonica hatte aber vor einigen Monaten mitgeteilt, sich auf seine Kerngeschäfte konzentrieren zu wollen. Im Zuge dessen kaufte das Unternehmen auch die an der Börse notierten Aktien der Internettochter Terra Networks beziehungsweise Terra Lycos zurück. Der Konzern will sich auf das spanische, portugiesische und lateinamerikanische Geschäft konzentrieren. Spekulationen, dass sich Telefonica deshalb von seinem US-Internetportal Lycos und der Beteiligung an Lycos Europe trennen könnte, machten schnell die Runde.

Die Spanier halten über Terra Lycos 32,1 Prozent an Lycos Europe. Die restlichen Anteile teilen sich die Bertelsmann Internet Holding GmbH, Fireball Internet GmbH und die Jahr Vermögensverwaltung (zusammen 20 Prozent), die Christoph Mohn Internet Holding (12,1 Prozent) und Lycos Europe (0,2 Prozent). Im Streubesitz befinden sich 35,6 Prozent, davon hält der niederländische "Big-Brother"-Profi John de Mol unter 5 Prozent.

"Es ist klar, dass wir nicht zum strategischen Geschäft von Telefonica gehören", zitiert die "FTD" den Lycos-Europe-Vorstandsvorsitzenden und Bertelsmann-Sprössling Christoph Mohn. Ihm sei allerdings kein Zeitplan bekannt, aber es sei absehbar, dass Telefonica diese Beteiligung nicht behalten werde. Was mit dem frei werdenden Aktienpaket passieren könnte, ist unklar.

"Das sind reine Spekulationen", sagt Kay Oberbeck, Pressesprecher von Lycos Europe, im Gespräch mit manager-magazin.de. Es gebe derzeit keine konkreten Hinweise für einen Rückzug von Telefonica. Erst wenn es soweit sei, werde man sich darüber Gedanken machen, was mit den Aktien passiert.

Lycos Europe hatte am Dienstag dieser Woche die Zahlen für das erste Quartal vorgelegt. Das Web-Unternehmen wies einen Umsatz von 23,8 Millionen Euro und einen Verlust von 9,6 Millionen Euro aus. Bisher gelang es der Firma ein einziges Mal, ein Quartal mit operativ schwarzen Zahlen abzuschließen. Für 2004 rechnet Mohn mit einem hohen Verlust.

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