Telecinco Countdown für die Dresdner Bank

Er gilt als einer der profitabelsten TV-Sender Europas: der spanische Kanal Telecinco. Mehrheitseigner ist Silvio Berlusconi. Demnächst soll das Unternehmen an die Börse. Für die Dresdner Bank könnte das einen warmen Geldregen bedeuten.

Rom - Berlusconi will expandieren. Sein Medienkonzern Mediaset  schaut sich derzeit in Europa nach lukrativen Investments um. In Frage kommen Länder mit mindestens 20 Millionen Einwohnern. Das sind beispielsweise Polen, die Türkei und Russland. Doch Berlusconi hat noch etwas anderes vor. In Spanien soll einer der profitabelsten TV-Sender Europas an die Börse gebracht werden: Telecinico.

Laut Analysten des spanischen Brokerhauses Ibersecurities liegt die Ebitda-Marge des Senders bei 50 Prozent. 2002 erwirtschaftete Telecinco einen Überschuss von etwa 86 Millionen Euro bei einem Umsatz von 633 Millionen Euro.

Die Mehrheit an dem Sender besitzt der italienische Ministerpräsident über seinen Konzern Mediaset. 52 Prozent hält er an dem spanischen Marktführer. Berlusconi hatte seinen Anteil im Zuge des Niedergangs des Kirch-Imperiums aufgestockt. Alleine diese Beteiligung soll dem italienischen Konzern zuletzt 642 Millionen Euro in die Kasse gespült haben. Kein Wunder also, dass Mediaset derzeit überlegt, den Anteil zu erhöhen. Wahrscheinlich wird demnächst eine Kaufoption über 10 Prozent ausgeübt, die derzeit noch beim Investmentfonds Ice Finance liegt. Für dieses Paket wurde ein Preis von 225 Millionen Euro vereinbart.

Vorerst legte Mediaset nun den Zeitplan für den IPO von Telecincos fest. Bis Ende Juni soll der TV-Sender an die Madrider Börse gehen. 24 bis 35 Prozent des Kapitals soll an der Börse notiert werden, hieß es. Selber will Mediaset allerdings keine Anteile verkaufen, hieß es. Stattdessen werden sich die Mitgesellschafter des TV-Senders, die Dresdner Bank  (25 Prozent) und der Investmentfonds ICE Finance, von Anteilen trennen. Ob auch die spanische Verlagsgruppe Vocento (13 Prozent) Anteile abgibt, ist nicht bekannt.

ICE Finance werde seinen zehnprozentigen Anteil aufgeben, sagte Mediaset-Präsident Fedele Confalonieri auf der Hauptversammlung des italienischen Mediasets. Auch die Dresdner Bank, die ein Viertel der Telecinco-Anteile besitzt, werde 14 bis 25 Prozent verkaufen. Ein Sprecher des Bankhauses sagte, alle Anteilseigner strebten einen Börsengang von Telecinco an. Es wird davon ausgegangen, dass die Dresdner etwa 14 bis 25 Prozent verkauft. "Es ist denkbar, dass wir unseren Anteil vollständig verkaufen", so der Sprecher.

Die Bank gelangte im Zuge der Kirch-Insolvenz in den Besitz der Anteile. Weil eine Kreditlinie von 500 Millionen Euro nicht zurückgezahlt werden konnte, sicherte sich die Dresdner die Telecinco-Beteiligung als Pfand. Analysten schätzen den Börsenwert des spanischen Senders auf mindestens 2,25 Milliarden Euro. Bislang wurde der Preis, mit dem die Aktie platziert werden soll, allerdings noch nicht bekannt. Doch eines scheint sicher: Die Dresdner Bank könnte mit einem ordentlichen Gewinn aus dem Investment herausgehen. Analysten beziffern das mögliche Plus auf rund 250 Millionen Euro.

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