Lycos Europe Der Traum von Ryanair

Das Internetunternehmen kommt nicht aus den roten Zahlen. DSL-Zugänge und Bezahldienste sollen Lycos eigentlich Gewinn bescheren. Doch der Break-even ist bislang nicht in Sicht.

Gütersloh - Das Internetportal Lycos Europe  sitzt weiter tief in den roten Zahlen. Zwar hat das Unternehmen, an dem auch Bertelsmann beteiligt ist, den Fehlbetrag im ersten Quartal 2004 um rund ein Fünftel reduziert. Mit schwarzen Zahlen ist in diesem Jahr jedoch nicht zu rechnen.

Der Verlust habe im ersten Quartal 2004 bei knapp zwölf Millionen Euro gelegen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Der Umsatz sei im Vergleich zum Vorjahresquartal um 14 Prozent auf 23,8 Millionen Euro gestiegen.

Haupteinnahmequelle des Internetportals bleibt dabei nach wie vor die Werbung. 43 Prozent der Erlöse stammten aus diesem Geschäft, sagte Lycos-Europe-Chef Christoph Mohn bei der Präsentation der Quartalsergebnisse. 29 Prozent der Umsätze steuerte der Bereich Bezahldienste und Shopping bei, 26 Prozent des Umsatzes kamen aus dem Bereich Interconnect, zu dem die Internetzugangsdienste gehören.

Werbeeinnahmen wachsen nur leicht

"Wir sind froh, dass wir die Abhängigkeit von der Werbung reduzieren konnten", sagte Mohn. Die Hälfte der Werbeeinnahmen stamme zudem aus langfristigen Verträgen mit den Vermarktern Overture, Google und Espotting. Damit sei das Unternehmen den ansonsten üblichen Schwankungen nicht so stark unterlegen. Dennoch stiegen die Werbeeinnahmen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur um 3 Prozent und lagen damit deutlich unter dem Markt mit einem Plus von rund 15 Prozent.

Zum Umsatzwachstum trugen neben der Werbung auch die beiden zugekauften Unternehmen United Domains und Buycentral bei. Sie sollen den Bereich Bezahldienste und Shopping stärken, hieß es. Mohn hatte vor etwa einem Jahr die Zielmarke vorgegeben: 100 Millionen Euro sollten die Premiumdienste in drei bis fünf Jahren umsetzen, erklärte der Chef damals im Interview mit manager-magazin.de. Auch in diesem Jahr ist die Rede von 100 Millionen Euro Umsatz in zwei bis vier Jahren - allerdings aus dem vergrößerten Geschäftsbereich Bezahldienste und Shopping. Wie groß der Anteil der jeweiligen Segmente ist, ließ Mohn offen. Kritiker hatten die Zielmarke von Anfang an als sehr ehrgeizig bezeichnet.

Ambitionierte Breitband-Ziele

Als großen Wachstumsmarkt macht Lycos so auch mittlerweile das Geschäft mit Breitbandzugängen aus. Längst drängeln sich dutzende Anbieter im deutschen Markt. Lycos mischt seit sechs Wochen mit. Im Mai soll ein weiteres DSL-Angebot starten. "Wir wollen die Ryanair des DSL-Marktes werden", sagte Mohn. Ein ambitioniertes Ziel, denn bisher dominiert die Telekom-Tochter T-Online  den DSL-Zugangsmarkt mit rund 90 Prozent. Zweitgrößter Anbieter ist 1&1 Internet mit über 700.000 Breitbandkunden. Wie viele DSL-Kunden Lycos bis Ende des Jahres zählen will, lässt der Vorstandsvorsitzende offen.

So hält sich Mohn auch beim Ausblick auf die kommenden Monate eher zurück. Für das zweite Quartal rechnet der Unternehmer mit einem Umsatz von rund 25 Millionen Euro insgesamt. Der Verlust werde jedoch in einer ähnlichen Höhe wie im ersten Quartal ausfallen, sagte der Manager.

Eine Prognose für das Gesamtjahr 2004 will der Lycos-Chef nicht abgeben. Mohn ist sich aber sicher: "Am Ende des Jahres werden wir deutlich gewachsen sein." Wer auf schwarze Zahlen hofft, muss allerdings weiter warten. Im Geschäftsbericht heißt es: "Wegen der anhaltenden niedrigen Werbeumsätze und seiner verstärkten Investitionen vor allem bei den kostenpflichtigen Diensten rechnet Lycos Europe dennoch im Jahr 2004 mit beträchtlichen Verlusten." Der Break-even ist in weiter Ferne.

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