Mittwoch, 20. November 2019

EU-Kommission Missbrauchen ARD und ZDF Gebühren?

Wettbewerbskommissar Mario Monti knöpft sich die beiden öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF vor. Der Verdacht: Die Sender könnten Tochterunternehmen wie Studio Hamburg und Bavaria Film bei der Vergabe von Aufträgen bevorzugen. Auch die Kooperation der Nachrichtensendung "heute" und T-Online wird kritisiert.

München - ARD und ZDF sind offenbar wegen ihrer kommerziellen Tochterfirmen ins Visier der EU-Kommission geraten. Die Generaldirektion Wettbewerb unter EU-Kommissar Mario Monti vermute unzulässige Verquickungen zwischen den aus Gebühren finanzierten Sendern und ihren mehr als 120 Tochterunternehmen, berichtet das Magazin "Focus". Die ARD betreibe beispielweise über ihre Sub-Unternehmen Hotels, veranstalte Opernfestspiele, verlege Hörbücher und verdiene am Betrieb des Stuttgarter Fernsehturms.

 Im Visier der EU-Wettbewerbshüter: ARD und ZDF
[M] DPA
Im Visier der EU-Wettbewerbshüter: ARD und ZDF
Die EU wolle dem "wettbewerbsverzerrenden Missbrauch von Rundfunkgebühren einen Riegel vorschieben", schreibt das Blatt unter Berufung auf Informationen aus dem Umfeld von Monti. Deswegen habe die EU-Kommission Anfang April zwei Auskunftsersuchen mit detaillierten Fragen zum Geschäftsgebaren von ARD und ZDF nach Deutschland geschickt.

Besonders kritisiert würden mögliche Vorzugsbehandlungen der Produktionstochtergesellschaften wie Studio Hamburg oder Bavaria Film, Schleichwerbung bei der Internet-Kooperation Heute.T-Online zwischen ZDF und Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen sowie wettbewerbswidriges Verhalten im Sportrechtehandel, insbesondere beim Erwerb der Fußball-Bundesligarechte. Dem Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT) zufolge zahlt T-Online Börsen-Chart zeigen dem ZDF für dessen Nachrichteninhalte 3,3 Millionen Euro. Dafür wirbt das ZDF während seiner Nachrichtensendungen für das gemeinsame Internetportal.

Den Vorstoß von Monti habe Jürgen Doetz, Vorsitzender des VPRT mit einer Beschwerde im Namen von RTL, Sat.1 und Co. initiiert, schrieb das Magazin weiter. Die für Medien zuständige Staatssekretärin des Landes Nordrhein-Westfalen, Miriam Meckel (SPD), habe die EU-Initiative für mehr Transparenz bei ARD/ZDF-Geschäften dem Magazin gegenüber als richtig bezeichnet.

ARD-Sprecher Martin Gartzke sagte dazu auf Anfrage, die Angelegenheit sei "nichts Neues" und vom VPRT ins Rollen gebracht worden. Man werde sich das Ganze nun in Ruhe ansehen müssen.

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