Daily Telegraph "Miserables Stück Scheiße"

Der Boulevardblatt-Verleger Richard Desmond zog im Bieterstreit um den "Daily Telegraph" den Kürzeren. Seinem Ärger machte er nun Luft und beschimpfte alle Deutschen und den Springer-Verlag als "Nazis".

London - Die Bestrebungen des Axel Springer Verlags  um eine mögliche Übernahme der britischen Tageszeitung "Daily Telegraph" haben zu einem peinlichen anti-deutschen Zwischenfall geführt. Bei einem Treffen mit "Telegraph"-Direktoren soll der Herausgeber des Boulevardblatts "Daily Express", Richard Desmond, alle Deutschen als "Nazis" bezeichnet haben. Wie der "Daily Telegraph" und der liberale "Guardian" am Freitag übereinstimmend berichteten, seien die Ausfälle Desmonds bei der Sitzung von den Managern mit "Entsetzen" aufgenommen worden.

Desmond habe den "Telegraph"-Chefredakteur Jeremy Deedes als "miserables Stück Scheiße" bezeichnet und ihn gefragt, wie es ihm gefalle, von Nazis übernommen zu werden. Das Treffen sei abgebrochen worden. Er sei dann im Stechschritt durch den Raum marschiert und habe seine Begleiter aufgefordert, "Deutschland über alles" zu singen, berichtete der "Telegraph".

Desmond, der neben dem "Express" auch mehrere Klatsch- und Sexmagazine besitzt, hatte sich vor einigen Monaten aus dem Rennen um die auflagenstärkste seriöse Tageszeitung Großbritanniens zurückgezogen. Insidern zufolge sei sein Angebot von bis zu 600 Millionen Pfund als zu niedrig bewertet worden. Desmonds Verlag hat jedoch Anteile an der "Telegraph"-Druckerei.

Die anti-deutschen Tiraden des exzentrischen, konservativen Zeitungschefs könnten nach Ansicht des "Telegraph" für Desmond unangenehme Folgen haben. Seine Übernahme des "Express" war unter anderem mit einem Commerzbank-Kredit von 140 Millionen Euro finanziert worden. Ein Sprecher der Bank nannte den Zwischenfall gegenüber dem Blatt "unglaublich bizarr".

Daneben könnten die Beschimpfungen des britischen Medienunternehmers den Einstieg des Springer-Verlages erschweren. Die Springer-Spitze habe entsetzt auf den Vorfall reagiert, schreibt die "Financial Times Deutschland". Der Verlag ist einer der Bieter für das konservative britische Blatt mit täglich rund 900.000 verkauften Exemplaren. Offiziell will der Medienkonzern dies jedoch nicht bestätigen. Spekulationen zufolge liegt die Springer-Offerte zwischen 900 Millionen für den "Daily Telegraph" und 1,5 Milliarden Euro für die gesamte zum Verkauf stehende Hollinger-Gruppe, zu der auch die "Chicago Sun Times", "Jerusalem Post" und das Magazin "Spectator" gehören. Springer äußerte sich zu möglichen Geboten jedoch nicht.

Mitbieter für den "Daily Telegraph" sollen neben Springer die britischen Verleger-Brüder Barclay und der Londoner Zeitungsverlag Daily Mail & General Trust sein. Die Unternehmen interessieren sich jedoch nur für den einen Titel. Die Kapitalbeteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts (KKR) soll hingegen an der gesamten Verlagsgruppe interessiert sein.