SCO Hiobsbotschaft vom Investor

Die Software-Firma verliert offenbar die Unterstützung eines wichtigen Gesellschafters. Der Kapitalgeber Baystar Capital, der sich erst im Herbst mit 50 Millionen Dollar beteiligte, fordert 20 Millionen Dollar zurück.

San Francisco - "Für uns kam das völlig überraschend", sagt Gregory Blepp, Vice President von SCO International, im Gespräch mit manager-magazin.de. Am vergangenen Freitag hatte das Software-Unternehmen, das sich in der Open-Source-Branche mit einer Klage gegen IBM  unbeliebt gemacht hat, einen Brief von seinem Gesellschafter Baystar Capital erhalten. Darin fordert die Investmentgesellschaft wegen Vertragsverletzungen 20 Millionen Dollar zurück. Für SCO eine Hiobsbotschaft, denn das Unternehmen ist von Krediten abhängig.

Das Geld braucht SCO nicht nur, um sein eigenes Geschäft in Gang zu halten, sondern vor allem, um sich einen kostspieligen Rechtsstreit leisten zu können. Das Unternehmen klagt gegen den Software- und Computerriesen IBM, weil der Konzern angeblich Unix-Programmcodes weiterentwickelt hat, ohne die Rechte daran zu besitzen. Diese beansprucht nämlich die vielfach kleinere Software-Firma SCO für sich.

Mit der Klage gegen IBM brach das Unternehmen gleichzeitig zu einem Feldzug gegen die Linux-Community auf. Denn die Open-Source-Software - so behauptet SCO - enthalte unerlaubtermaßen Unix-Codes. Ein Aufschrei ging durch die Branche. SCO forderte indes nach eigenen Angaben über 1000 Unternehmen zu Lizenzzahlungen auf.

Gegenklagen von IBM und Red Hat

Der Finanzier Baystar beteiligte sich erst im vergangenen Herbst an SCO. Insgesamt erhielt das Unternehmen stolze 50 Millionen Dollar, Geld steuerte unter anderem auch die Royal Bank of Canada bei. Im Gegenzug erhielten die Kapitalgeber Aktien, der Anteil von Baystar liegt bei 17,5 Prozent. Die Kapitalspritze tat Not, denn der Rechtsstreit ist kostspielig. Auch zogen IBM und der Software-Konzern Red Hat  mittlerweile ihrerseits gegen SCO vor den Kadi.

IBM reichte Ende März eine Feststellungsklage ein. Nahezu gleichzeitig lehnte ein Gericht einen Antrag von SCO ab, eine Klage des Software-Herstellers Red Hat abzuweisen. Selber war SCO zudem gerade gegen den eigenen Kunden DaimlerChrysler  vor Gericht gezogen. Doch bei all der Juristerei, den Beweis für die Behauptungen blieb SCO bisher schuldig.

Schon vor Monaten hieß es in Presseberichten, selbst die Rechtsanwälte von SCO seien inzwischen an dem Unternehmen beteiligt. Sie alle hoffen offenbar auf einen Sieg vor Gericht und damit auf satte Renditen. Möglicherweise ist es jetzt Baystar zu heiß geworden. Der Investor wirft SCO vor, dass das Unternehmen den Vertrag gebrochen habe. Blepp weiß jedoch nicht, auf was sich der Vorwurf bezieht. "Wir haben den Brief am Freitag erhalten, aber uns ist kein Punkt aufgefallen, bei dem wir gegen die Vereinbarung verstoßen haben sollen", sagt der Manager. Derzeit versuche SCO, mit dem Investor Kontakt aufzunehmen.

Umsatz schrumpft

Sollte der Gesellschafter seine Forderungen durchsetzen, sind die Konsequenzen für SCO noch nicht abzusehen. Das Unternehmen kämpft mit schrumpfenden Umsätzen, auch wird es sich durch seine Geschäftspraktiken nicht gerade beliebt gemacht haben.

Zuletzt wies SCO für das erste Quartal (Ende Januar) einen Verlust von 2,25 Millionen Dollar aus, im Vorjahreszeitraum waren es nur minus 724.000 Dollar. Der Umsatz ging um 15,6 Prozent auf 11,4 Millionen Dollar zurück. Die Luft könnte also dünn werden. Die Frage ist, ob der zweite große Investor, die Royal Bank of Canada, in die Bresche springt, um eine entstehende Lücke zu füllen.

Möglicherweise findet SCO aber auch Unterstützung bei dem Software-Riesen Microsoft . Dem Konzern wird nachgesagt, den Rechtsstreit von SCO mit der Linux-Gemeinde im Hintergrund mitzufinanzieren. Offiziell wurde das dementiert, aber just Baystar bestätigte vor wenigen Wochen, dass erst eine Empfehlung von Microsoft die Beteiligung erlaubt habe.