EU-Osterweiterung Europa im Spot

Der "Tanz in den Mai" hat in diesem Jahr eine besondere Bedeutung. Zehn Mittel-, Ost- und Südosteuropa-Länder treten der EU bei. Um dem Kater danach entgegenzuwirken, wirbt die Bundesregierung nun mit einem Filmspot für die Erweiterung.
Von Anne Klesse

Berlin - Der neue Spot der Bundesregierung  soll "Lust auf Europa" machen. Zur dramatischen Melodie von Bedrich Smetanas "Moldau" werben ARD-Wetterfrosch Jörg Kachelmann, die Schauspieler Heinz Hoenig und Ottfried Fischer sowie Eisschnellläuferin Claudia Pechstein in einem 46-Sekunden-Filmchen für die neuen Oststaaten. Sahnehäubchen der prominenten Besetzung: Regisseur Sönke Wortmann. Zudem übernahm der durch die Harald Schmidt-Show bekannt gewordene Helmut Zerlett die Musikbearbeitung für den Spot.

Erste Sequenz des Wortmann-Werkes: Der Nicht-EU-ler Kachelmann steht wie aus dem täglichen Wetterbericht gewohnt vor einer großen Europa-Karte. Der Ausblick auf die europäische Gesamtwetterlage: "Jede Menge gute Aussichten für Europa."

Ein Blick durchs Fernglas führt die Zuschauer auf einen Parkplatz in Budapest. Ein Bochumer Fernfahrer, alias Heinz Hoenig, erzählt rotzig, dass er fünf neue Fahrten im Monat fahre. "Für meinen Boss ein Wirtschaftshoch, für mich Butter auf die Stulle". Dann folgt der Zoom auf eine Eisbahn in Warschau: Pechstein stößt dort mit einem anderen Eisläufer zusammen, lächelt ihn und die Kinozuschauer trotz Sturz an: "Kalten Krieg gibt's doch nicht einmal mehr auf dem Eis."

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"Fünf neue Fahrten Bochum-Budapest im Monat": Schauspieler Heinz Hoenig sieht in der Osterweiterung eine gewaltige Chance für die deutsche Wirtschaft

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Eisschnellläuferin Claudia Pechstein: Die Zeit der Kriege und des Kalten Krieges sind endgültig überwunden - im wahren Leben geht das Duell mit Anni Friesinger weiter

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Der EU-Erweiterungsspot:
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Die Produktion aus der Feder der Berliner Werbeagentur "Zum goldenen Hirschen" kostete rund 300.000 Euro. Inklusive Schaltkosten zahlte die Bundesregierung für die gesamte Kampagne 2,9 Millionen Euro. Plakate und Anzeigen werden bereits seit dem Wochenende geschaltet, der Kinospot soll dann am Donnerstag in 135 Städten auf 1851 Leinwänden in ganz Deutschland "on Air" gehen.

Kampagne gegen Ängste in der Bevölkerung

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In Budapest und München drehte die Crew vier Tage lang an dem Spot. Die Kulissen von Warschau und der tschechischen Grenze wurden im beschaulichen Bayern nachgebaut, "aus Kostengründen", heißt es von Agenturseite. Die Schauspieler, Kameraleute und Sets in den Osten zu verfrachten, wäre teurer gewesen. Für Ottfried und Co. zahlte die Bundesregierung jedoch nichts. Alle vier Promis verzichteten "für die gute Sache" auf ihr Honorar.

Sie zeigten sich dann auch hinter den Kulissen überzeugt, dass das Europa der 25 Staaten und 450 Millionen Menschen alle Mitglieder bereichern werde - wirtschaftlich, politisch und kulturell. "Die Erweiterung bringt auch was für die Birne", so Hoenig. Wortmann erhofft sich vor allem einen "großen Kulturaustausch". Sonst ganz der Tölzer Bulle, glaubt Fischer an die erweiterte EU als "wichtiges, friedensstiftendes Element in Europa".

Die Kampagne, für die sie mit ihrem Namen stehen, soll in der Bevölkerung Ängste vor mehr Kriminalität, Überfremdung und Standortkonkurrenz ausräumen. Einer Allensbach-Studie zufolge empfinden 59 Prozent der Bundesbürger den Beitritt als zu früh. Knapp 85 Prozent befürchten bei deutschen Unternehmen wirtschaftliche Probleme durch die im Osten billiger produzierende Konkurrenz. 74 Prozent haben Angst vor steigender Arbeitslosigkeit.

Alle am Spot Beteiligten hoffen, dass Kachelmann mit seinen "guten Aussichten" Recht behält: "Mehr Frieden, mehr Sicherheit, mehr Exporte".

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