Donnerstag, 14. November 2019

Google So funktioniert G-Mail

Das Internetunternehmen Google sorgt mit seinem neuen E-Mail-Dienst für Aufruhr. Wird der Service gegen Datenschutzgesetze verstoßen? Der Streit ist noch nicht ausgefochten. manager-magazin.de hat G-Mail bereits getestet. Lesen Sie hier den Bericht.

Hamburg/Mountain View - Der Suchmaschinen-Marktführer Google sorgt seit einigen Tagen für Schlagzeilen durch Berichte über einen neuen kostenlosen E-Mail-Dienst namens G-Mail. Obwohl das Programm bislang nur in einem geschlossenen Testbetrieb in den USA lief, rief es bereits Datenschützer in aller Welt auf den Plan, die Google eine Verletzung der Privatsphäre der Nutzer vorwerfen. manager magazin bekam nun die Möglichkeit, per Testzugang die Funktionen von G-Mail auszuprobieren.

 G-Mail-Startseite: Mit Googles Service lassen sich E-Mails einfach und komfortabel archivieren. Bei herkömmlichen Mail-Diensten werden die Mails ganz klassisch in Ordnern archiviert. G-Mail geht einen anderen Weg. Hier kann der Benutzer seinen Mails Aufkleber (Labels) verpassen, um etwa eine Mail unter verschiedenen Stichworten abzulegen und per Mausklick auch wieder anzuzeigen. Das ist praktisch bei Verabredungen oder der Projektorganisation. Google ließ Internetnutzer in aller Welt mit der Ankündigung aufhorchen, dass jeder Nutzer ein kostenloses E-Mail-Postfach mit der riesigen Speicherkapazität von einem Gigabyte (1000 Megabyte) bekäme.

Der Haken an der Sache: Als Gegenleistung muss der Kunde Google erlauben, die Inhalte seiner Mails nach Schlüsselworten zu durchsuchen, um ihm parallel passende Werbung auf dem Bildschirm zu präsentieren. Nach diesem Modell funktioniert auch die Suchmaschine selbst, mit der Google dank dieser passgenau abgestimmten Werbeeinblendungen seit geraumer Zeit sehr viel Geld verdient.

G-Mail für Kinder verboten

Zur Überraschung der Google-Gründer sorgte die gute Tat für reichlich Aufruhr. Nachdem die US-Senatorin Liz Figuera aus Datenschutzgründen einen Gesetzentwurf gegen G-Mail ankündigte, sah sich Google-Präsident und Mitgründer Sergey Brin genötigt, die Aufregung zu lindern. Gegenüber dem "Wall Street Journal" (WSJ) kündigte er an, dass es denkbar sei, den Nutzern die Entscheidung zu überlassen, ob inhaltsbezogene Werbeanzeigen eingeblendet werden. Eine solche Wahlmöglichkeit würde jedoch die Umsatzchancen von G-Mail erheblich verringern.

Laut den aktuellen Nutzungsbedingungen von G-Mail verpflichtet sich der Benutzer ausdrücklich dazu, inhaltsbezogene Werbung oder andere Informationen zu akzeptieren. Kinder dürfen G-Mail aus diesem Grund gar nicht benutzen. Die Statuten schreiben ein Mindestalter der G-Mail-Benutzer von 13 Jahren vor. Allerdings dürfte das in der Praxis kaum zu prüfen sein.

Ausdrücklich betont wird in den Nutzungsbestimmungen ebenso wie in den Erklärungen der G-Mail-Hilfefunktion, dass die Einblendung von Werbung automatisch auf Basis ausgewählter Schlüsselwörter erfolge. Menschen, so Google, würden niemals die Inhalte der Mails lesen.

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