Google So funktioniert G-Mail

Das Internetunternehmen Google sorgt mit seinem neuen E-Mail-Dienst für Aufruhr. Wird der Service gegen Datenschutzgesetze verstoßen? Der Streit ist noch nicht ausgefochten. manager-magazin.de hat G-Mail bereits getestet. Lesen Sie hier den Bericht.
Von Claus G. Schmalholz

Hamburg/Mountain View - Der Suchmaschinen-Marktführer Google sorgt seit einigen Tagen für Schlagzeilen durch Berichte über einen neuen kostenlosen E-Mail-Dienst namens G-Mail. Obwohl das Programm bislang nur in einem geschlossenen Testbetrieb in den USA lief, rief es bereits Datenschützer in aller Welt auf den Plan, die Google eine Verletzung der Privatsphäre der Nutzer vorwerfen. manager magazin bekam nun die Möglichkeit, per Testzugang die Funktionen von G-Mail auszuprobieren.

Google ließ Internetnutzer in aller Welt mit der Ankündigung aufhorchen, dass jeder Nutzer ein kostenloses E-Mail-Postfach mit der riesigen Speicherkapazität von einem Gigabyte (1000 Megabyte) bekäme.

Der Haken an der Sache: Als Gegenleistung muss der Kunde Google erlauben, die Inhalte seiner Mails nach Schlüsselworten zu durchsuchen, um ihm parallel passende Werbung auf dem Bildschirm zu präsentieren. Nach diesem Modell funktioniert auch die Suchmaschine selbst, mit der Google dank dieser passgenau abgestimmten Werbeeinblendungen seit geraumer Zeit sehr viel Geld verdient.

G-Mail für Kinder verboten

Zur Überraschung der Google-Gründer sorgte die gute Tat für reichlich Aufruhr. Nachdem die US-Senatorin Liz Figuera aus Datenschutzgründen einen Gesetzentwurf gegen G-Mail ankündigte, sah sich Google-Präsident und Mitgründer Sergey Brin genötigt, die Aufregung zu lindern. Gegenüber dem "Wall Street Journal" (WSJ) kündigte er an, dass es denkbar sei, den Nutzern die Entscheidung zu überlassen, ob inhaltsbezogene Werbeanzeigen eingeblendet werden. Eine solche Wahlmöglichkeit würde jedoch die Umsatzchancen von G-Mail erheblich verringern.

Laut den aktuellen Nutzungsbedingungen von G-Mail verpflichtet sich der Benutzer ausdrücklich dazu, inhaltsbezogene Werbung oder andere Informationen zu akzeptieren. Kinder dürfen G-Mail aus diesem Grund gar nicht benutzen. Die Statuten schreiben ein Mindestalter der G-Mail-Benutzer von 13 Jahren vor. Allerdings dürfte das in der Praxis kaum zu prüfen sein.

Ausdrücklich betont wird in den Nutzungsbestimmungen ebenso wie in den Erklärungen der G-Mail-Hilfefunktion, dass die Einblendung von Werbung automatisch auf Basis ausgewählter Schlüsselwörter erfolge. Menschen, so Google, würden niemals die Inhalte der Mails lesen.

Ruck, zuck zur G-Mail-Adresse

Ruck, zuck zur G-Mail-Adresse

Außerdem, so heißt es, werde Google keine Informationen über die Nutzer zu Marketingzwecken vermieten, verkaufen oder mit Drittanbietern teilen, bei denen die Nutzer persönlich zu identifizieren seien. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Google die Informationen über den Nutzer und die Inhalte seiner Mails sehr wohl vermieten, verkaufen und mit Drittanbietern teilen wird. Und dass der Nutzer dem Unternehmen Google so viel Vertrauen entgegenbringen muss, dass seine Identität dabei nicht mitverkauft wird.

Bedenklich aus Sicht des G-Mail-Kunden erscheint vor allem Punkt 8 (Privacy) der Nutzungsrichtlinien. Hierin holt Google die Zustimmung des Nutzers ein, dass die Informationen über seine Person und die Inhalte sämtlicher Mails überwacht und auf Anfrage an öffentliche Stellen weitergeleitet werden, etwa wenn ein G-Mail-Nutzer vor ein Gericht geladen wird oder ein Durchsuchungsbefehl gegen ihn vorliegt.

Die Einrichtung des E-Mail-Zugangs geht so zügig vonstatten, wie bei anderen Anbietern auch. Zunächst wählt man den gewünschten Namen aus, das Programm prüft, ob er verfügbar ist, und schon hat man eine neue E-Mail-Adresse, die auf "gmail.com" endet.

Post gibt's nur per G-Mail-Homepage

Der Vorteil gegenüber anderen Anbietern kostenloser Mail-Zugänge ist die enorme Speicherkapazität, die Google seinen Nutzern einrichtet. Ein Gigabyte (1000 MB) steht pro Postfach zur Verfügung, das ist bis zu 500 Mal so viel wie bei anderen bekannten Gratis-Mail-Diensten wie Hotmail (2 MB), Yahoo (6 MB) und GMX (20 MB).

Eifrige Gratis-E-Mail-Nutzer müssen ihr Postfach regelmäßig von altem Mail-Müll befreien. Sonst laufen sie Gefahr, dass neue Mails sie nicht mehr erreichen, weil die zulässige Speicherkapazität überschritten ist. Hier bietet Googles Angebot einen echten Mehrwert mit der Möglichkeit, hunderttausende von Mails in einem einzigen Postfach abzulegen.

Auch bei der Größe der Dateianhänge bietet G-Mail mehr als gewohnt. Bis zu 10 MB an Dokumenten oder Musikdateien können via Mail an Freunde oder Geschäftspartner verschickt oder empfangen werden. Das Versenden ausführbarer Dateien (mit der Endung ".exe") ist allerdings nicht erlaubt. Außerdem gibt es keine Möglichkeit, die Mails via POP3-Zugang abzurufen. G-Mail-Nutzer müssen ihre Post also immer direkt über die G-Mail-Homepage abholen.

Der G-Mail-Dienst im Praxistest

Der G-Mail-Dienst im Praxistest

Der Startbildschirm von G-Mail ist ähnlich sparsam gestaltet wie bei der Suchmaschine. Am oberen Rand befindet sich ein Suchfenster, das optisch wie technisch den wesentlichen Unterschied zu anderen Mail-Diensten markiert. Denn G-Mail-Nutzer müssen keine mehr oder weniger sinnfälligen Ordner mit Bezeichnungen wie "Privat" oder "Ebay" anlegen, in denen sie ihre Mails archivieren. Stattdessen geben sie im erwähnten Suchfeld bestimmte Begriffe ein, und sogleich listet das Programm alle dazu passenden Mails auf, übersichtlich untereinander angeordnet.

Diese Funktion namens "Conversation View" wird auch automatisch aktiviert, wenn eine neue Nachricht ankommt. Klickt man die Mail an, erscheint sogleich alle bislang dazu eingegangene Post und die Antworten dazu. Das erleichtert zum Beispiel Verabredungen mit Freunden, aber auch die Projektabwicklung unter Kollegen.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Mail-Programmen müssen sich G-Mail-Nutzer auch nicht für die Archivierung einer Nachricht in einem einzigen Ordner entscheiden. Stattdessen lässt sich jede Mail mit verschiedenen Markierungen (Labels) versehen, was wiederum die Suche nach gleichartigen Inhalten oder bestimmten Gruppen von E-Mail-Kontakten erleichtert. Zusätzlich zu den Labels können wichtige Mails mit kleinen Sternsymbolen versehen werden, die als optische Erinnerungsmarken dienen. Diese Mails lassen sich mit einem Klick auf die Schaltfläche "Starred" auflisten.

Keine Werbung im Testbetrieb

Zur Abwehr lästiger Spam-Mails hat Google die so genannte "Snippet"-Funktion entwickelt. Ist diese Option aktiviert, erscheinen auch die ersten Worte einer Mail, ohne dass man sie zuvor öffnen muss. So lassen sich gefährliche Spam-Mails, besser als gemeinhin üblich, von wichtiger Elektropost trennen.

Welche Art von Werbung zu den Mails angezeigt wird, ließ sich im Testbetrieb nicht prüfen. Die rechte Spalte des G-Mail-Bildschirms blieb weiß und leer, obwohl die Test-Korrespondenz mit einer Kollegin die schönsten Schlüsselbegriffe enthielt, die sich die werbetreibende Industrie wünschen kann.

Doch weder mit Coca-Cola , noch McDonald's  und Pepsi  ließen sich Werbebanner provozieren. Selbst ein Schriftwechsel über die Pläne für den nächsten Urlaub, die Suche nach einem passenden Hotel und - logische Folge - die Erinnerung an das Einpacken von Kondomen im Reisegepäck veranlassten G-Mail nicht zur Einblendung schlüpfriger Werbeanzeigen. Wo wir uns doch so viel Mühe gegeben hatten, unsere Lust aufs Einkaufen zu dokumentieren.