Donnerstag, 22. August 2019

Googles G-Mail Teufelszeug und größere Pläne

Alle Welt entrüstet sich über G-Mail. Dabei steckt Googles geplanter E-Mail-Dienst erst in den Kinderschuhen. Für das Aufsteigerunternehmen aus Kalifornien allerdings scheint der neue Service äußerst wichtig zu sein - und zudem Teil eines weitaus größeren Plans.

Hamburg - So viel Wind war selten bei Google, vor allem so viel Gegenwind. Als das verhätschelte Sympathie-Unternehmen am 1. April seinen neuen E-Mail-Dienst in einem geschlossenen Testbetrieb in den USA startete, teilte es dies am gleichen Tag der Öffentlichkeit mit.

 G-Mail: Teil eines weitaus größeren Plans?
G-Mail: Teil eines weitaus größeren Plans?
Doch statt mit tosendem Applaus reagierte die Webgemeinde mit einem Sturm der Entrüstung. Ob in Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien oder den USA - G-Mail rief in einer Geschwindigkeit und Menge Datenschützer, Politiker und Bedenkenträger auf den Plan, in der Google sonst das Netz nach Britney Spears durchforstet.

In Niedersachsen etwa stellte Andreas Hermann, Sprecher des Landesdatenschutzbeauftragten, klar: "Das Fernmeldegeheimnis wäre bei einem solchen Internetangebot verletzt." Die kalifornische Senatorin Liz Figueroa bezeichnete G-Mail gar als "abscheuliches Teufelszeug" und wollte den neuen Service gleich per Gesetz verbieten lassen. Auf der britischen Insel meldeten bis dato völlig unbekannte Kleinstfirmen prompt Rechte an der Bezeichnung G-Mail an.

"Als würden Briefträger alle Postkarten lesen"

Was war geschehen? Was soll so schlimm sein an dem neuen E-Mail-Angebot? Für Empörung sorgt vor allem die so genannte kontextbezogene Werbung, mit dem der Freemail-Service finanziert werden soll. Was sich dahinter verbirgt, beschreibt ein Mitglied des IT-Forums von Heise launig so: "Das wäre so, als würde der Briefträger alle Postkarten lesen und entsprechend zum Inhalt der Karte einen Werbeprospekt in den Briefkasten werfen."

Der digitale Postbote Google plant für G-Mail nämlich nichts anderes als er jetzt schon für Internetseiten offeriert: Er scannt den Inhalt nach Stichwörtern und zeigt dem Leser dazu passende Werbung. Versüßt werden soll die textbezogene Mail-Reklame mit Spamschutz, Pop-up-Blockern und nicht zuletzt Speicherplatz von einem Gigabyte - ausreichend um über viele, viele Jahre hinweg seine E-Mails zu sammeln. Für den G-Mail-Nutzer soll das alles kostenlos sein, Gewinn machen will Google mit den Anzeigenkunden.

Ein schöner Plan. Doch leider handelt es sich bei E-Mails um persönliche Schreiben, deren Inhalte Dritte nichts angehen. Für Datenschützer und Politiker ist deshalb, wie gesagt, jetzt schon klar: G-Mail verstößt klar gegen das Brief- und Fernmeldegeheimnis und ist damit nicht legal. Ein nachvollziehbarer Standpunkt - doch die Probleme liegen wie immer im Detail.

Seite 1 von 3

© manager magazin 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung