Otto Rettung aus der New Economy

Der Hamburger Versandhändler kann sich der Konsumflaute nicht länger entziehen und verbucht für das abgelaufene Geschäftsjahr 2003 einen Umsatzrückgang. Einzig der Onlinehandel floriert. Er soll in fünf Jahren bereits ein Fünftel der Geschäfte ausmachen.

Hamburg - Der Konzernumsatz ging nach vorläufigen Zahlen im abgelaufenen Geschäftsjahr (29. Februar) um 4,6 Prozent auf 14,3 Milliarden Euro (ohne Mehrwertsteuer) zurück, teilte Otto am Mittwoch in Hamburg mit.

Kursbereinigt sank der Umsatz um 2,3 Prozent. Die Bilanz ist jedoch aufgrund einer Umstellung der Rechnungsweise nicht mit dem Vorjahr zu vergleichen. In der Stammgesellschaft des Versandhändlers, die ein gutes Fünftel zum Umsatz beisteuert, betrug der Rückgang 5,5 Prozent.

Hingegen habe sich der Internethandel mit einem Wachstum von 24 Prozent auf zwei Milliarden Euro positiv entwickelt, heißt es in der Mitteilung. Otto sei damit nach Amazon  der zweitgrößte Internethändler der Welt. Die zukunftsträchtige und mittlerweile hochrentable Geschäftssparte E-Commerce habe bereits einen Anteil von zehn Prozent am Gesamtgeschäft und soll in den kommenden fünf Jahren 20 Prozent erreichen.

"Die hohen Wachstumsraten im E-Business konnten die Umsatzeinbußen im klassischen Kataloggeschäft jedoch nicht ausgleichen", heißt es von Unternehmensseite. Da sich Otto auf rentable Umsätze konzentriert habe, liege das Ergebnis nur leicht unter dem Vorjahr. Damit habe sich die Gruppe von der Branche abgekoppelt. Für die Entwicklung im laufenden Geschäftsjahr sei man zuversichtlich.

Den Start ins neue Geschäftsjahr bezeichnete der Konzern als "gelungen". Der Umsatz liege im März mit einem zweistelligen Plus klar über Vorjahr, erklärte der Vorstandsvorsitzende Michael Otto.

Zum Konzern zählen neben dem Otto-Versandhandel unter anderem die Baur-Gruppe, die Heine-Gruppe, die Schwab-Gruppe, Bon Prix, die italienische Gesellschaft Euronova sowie die Joint Ventures OBI@OTTO, Zara und Mexx.

Die Probleme mit der US-amerikanischen Spiegel-Gruppe wurden zur Vorlage der vorläufigen Zahlen für 2003/2004 nicht erwähnt, da die Gruppe zum Privatvermögen der Familie Otto gehört. Spiegel steht in einem Insolvenzverfahren, an das sich verschiedene juristische Streitigkeiten anschließen. Das maximale finanzielle Risiko für die Familie Otto aus diesem Engagement soll nach Informationen aus dem Umfeld bei rund 200 Millionen Dollar (165 Millionen Euro) liegen. Davon wäre die Handels- und Dienstleistungsgruppe jedoch nicht betroffen, sondern lediglich das Privatvermögen.