Gruner+Jahr "Wir können nicht nur ernten, sondern müssen auch säen"

Bernd Kundrun freut sich über das Jahr 2003. Das operative Ergebnis fiel deutlich höher aus als im Vorjahr. Für das laufende Jahr kündigte der Chef des Hamburger Großverlages neue Zeitschriften an.

Hamburg - Das Verlagshaus Gruner+Jahr (G+J) hat im vergangenen Jahr rund 50 Millionen Euro in neue Zeitschriften investiert und will diesen Kurs auch in Zukunft fortsetzen. "Wir können nicht nur ernten, sondern müssen auch säen", sagte Vorstandsvorsitzender Bernd Kundrun am Donnerstag in Hamburg. Dazu gehöre, Neues zu wagen, Trends im In- und Ausland aufzuspüren und innovative Titel auf den Markt zu bringen. "Wir haben dafür das Geld und die Ideen", sagte Kundrun.

Als Beispiel für eine erfolgreiche Innovation nannte der Chef der Bertelsmann-Tochter die französische Fernsehzeitschrift "Télé 2 Semaines", die binnen kurzer Zeit eine verkaufte Auflage von zwei Millionen Exemplaren erreichte und damit zur erfolgreichsten Zeitschriften-Einführung in Frankreich überhaupt wurde. "Damit haben wir ein neues Segment der 14-tägigen Fernsehzeitschriften eröffnet", sagte Kundrun. Eine weitere Programmzeitschrift soll in der kommenden Woche auf dem französischen Markt folgen, um das neue Marktsegment möglichst breit zu besetzen.

Anzeigenmarkt im Tiefpunkt

Mit einem Auslandsanteil von 63 Prozent am Umsatz sieht sich G+J als internationalster Zeitschriftenverlag der Welt. Der Großverlag verdient sein Geld überwiegend durch Anzeigenerlöse (39 Prozent des Umsatzes), den Verkauf der Zeitschriften (32 Prozent) und Druckereigeschäfte (19 Prozent). Durch Währungseinflüsse und den Verkauf von Objekten ging der Umsatz des Unternehmens im vergangenen Jahr von 2,8 auf 2,5 Milliarden Euro zurück. Die Umsatzrendite erhöhte sich jedoch von 8,3 auf 9,6 Prozent. "Ohne verlegerische Investitionen in neue Titel hätten wir 12,1 Prozent Rendite, aber eben auch nicht das Wachstum der Zukunft", sagte Kundrun. Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf Firmenwerte stieg von 234 Millionen Euro auf von 238 Millionen Euro. Das sei sehr zufrieden stellend, so der Verlagschef.

Der Anzeigenmarkt in Deutschland hat nach Einschätzung des G+J-Chefs zwar seit längerem seinen Tiefpunkt erreicht, Anzeichen für einen kraftvollen Aufschwung seien noch nicht auszumachen. G+J habe seinen Anzeigenumsatz im abgelaufenen Jahr vor allem durch neue Objekte steigern können und seine Marktführerschaft auf dem deutschen Anzeigenmarkt ausgebaut. "Der Marktanteil entwickelt sich erfreulich", sagte Kundrun. Besonders ermutigend sei die Entwicklung bei der Wirtschaftszeitung "Financial Times Deutschland", die allein im viertem Quartal 2003 bei den Anzeigen um 30 Prozent zulegte und sich innerhalb ihres Budgets entwickle. Am Mittwoch hatte der G+J-Mutterkonzern Bertelsmann seine Zahlen für das Jahr 2003 vorgestellt.