Siemens Repariert wird in Bocholt

Der Konzern denkt über die Standorte Bocholt und Kamp-Lintfort nach. Nun ist zumindest die Verlagerung der Service-Reparatur-Werkstatt vorerst gestoppt. 220 Stellen sind gerettet.

Bocholt - Die Verlagerung von Arbeitsplätzen bedrohen den Arbeitsmarkt in Deutschland. Immer mehr Unternehmen überlegen, Stellen ins Ausland zu verlagern. Die Diskussion um die Arbeitplätze erhitzt dabei die Gemüter. Zuletzt entfachten die Äußerungen des Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, den Streit. Dieser hatte gesagt, er empfehle den Unternehmen, "nicht auf eine bessere Politik zu warten, sondern jetzt selbst zu handeln und die Chancen zu nutzen, die zum Beispiel in der Osterweiterung liegen." Ein "unpatriotischer Akt", schmetterte die Politik entgegen.

Auch der Siemens-Konzern erwägt, mehrere Tausend Arbeitsplätze aus Deutschland ins Ausland zu verlagern. Chef von Pierer kündigte aber an, um die Arbeitsplätze zu kämpfen. In Bocholt hat das auch die IG Metall getan. Siemens wollte unter anderem die Service-Reparaturwerkstatt nach Ungarn verlagern. Heinz Cholewa, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Bocholt, sagte am Montag, die drohende Verlagerung von rund 220 Arbeitsplätzen der Siemens Service-Reparaturwerkstatt Bocholt nach Ungarn sei gestoppt. Die Handy- und Telefon-Produktionswerke in Bocholt und Kamp-Lintfort sind damit aber nicht gemeint. Hier beschäftigt Siemens insgesamt etwa 5000 Mitarbeiter. Rund 2000 Stellen seien gefährdet, hieß es in früheren Presseberichten.

Eine Ausnahmeregelung

Zur Rettung der Service-Werkstatt sei ein Ergänzungsvertrag vereinbart worden. Es handele sich um eine Ausnahmeregelung des Tarifvertrages, die eine Festlegung der Jahresarbeitszeit ohne Urlaub und Feiertage auf 1760 Stunden festlege, sagte Cholewa. Für den Wegfall des Weihnachts- und Urlaubsgeldes sei eine leistungs- und ergebnisabhängige Komponente von 45 Prozent eines Monatsgehaltes bei vollständiger Zielerreichung geplant. Im laufenden Jahr sei zudem eine Einmalzahlung von 70 Prozent eines Monatsgehaltes vorgesehen. Der Vertrag habe eine Laufzeit vom 1. Mai 2004 bis zum 30. April 2006.

Nach Einschätzung von Siemens bringe eine Verlagerung der Einheit Kostenvorteile von rund vier Millionen Euro, erklärte Cholewa. Berechnungen einer Unternehmensberatung ergaben ein Potenzial von immerhin 3,6 Millionen Euro. Dies werde mit der tarifvertraglichen Einigung abgefangen. "Wir haben die Reißleine gezogen", sagte er. Bereits Mitte November 2003 war der Gesamtbetriebsrat über die Pläne informiert worden.

Zuvor hatte die IG Metall Siemens zu Verhandlungen über die Zukunftssicherung beider Standorte aufgefordert. Derzeit sind dort knapp 5000 Mitarbeiter mit der Herstellung von Handys und schnurlosen Festnetz-Telefonen beschäftigt. Das Siemens-Unternehmenssegment ICM will Ende März zu Plänen über die mögliche Verlagerung der Arbeitsplätze ins Ausland Stellung nehmen. Nach Angaben von Siemens müssten in beiden Werken Stellen abgebaut werden, wenn sich die Kosten für die Fertigung nicht nachhaltig änderten.