Cebit-Ticker Wenn der Funke überspringt

T-Mobile will seinen UMTS-Dienst im Mai starten - nicht nur mit einer Datenkarte, sondern auch mit passenden Handys. Unterdessen suchen Nokia, Sony und Philips gegenseitige Nähe. Auch T-Online hat in Microsoft einen neuen Partner gefunden. Beide wollen sich um TV-Angebote kümmern.

Hannover - Die Cebit hat begonnen und die Unternehmen präsentieren jede Menge Neuheiten. Am Donnerstagmorgen ließ Europas größter PC-Hersteller, Fujitsu Siemens , schon mal einen Blick auf die Bilanz zu.

Der Vorsteuergewinn soll noch in dem ablaufenden Geschäftsjahr (Ende März) auf 57 Millionen Euro steigen, auch wenn der Umsatz mit rund 5,32 Milliarden Euro leicht unter dem des Vorjahres (5,38 Milliarden Euro) geblieben ist. Wesentlicher Grund für die höheren Profite seien Kostensenkungen, sagte Unternehmenschef Chef Adrian von Hammerstein.

Für das kommende Jahr stimmt der Deutschland-Chef ebenfalls optimistische Töne an. Die Nachfrage ziehe wieder an, allerdings sei der Preisdruck in der Branche weiterhin deutlich zu spüren. "Es wird ein gesundes, zweistelliges Ergebniswachstum im nächsten Geschäftsjahr erwartet", sagte Hammerstein. Die Profitabilität könne noch erheblich gesteigert werden. Für das kommende Jahr strebt der Konzern ein Umsatzwachstum von 5 Prozent an.

T-Mobile startet mit UMTS-Handys

Wachsen will auch die Telekom-Tochter T-Mobile. Das Unternehmen gab am Donnerstag bekannt, im Mai seine UMTS-Vermarktung zu starten. "Wir werden ab Mai eine UMTS-Datenkarte und ein UMTS-Handy anbieten", sagte der Vorstandsvorsitzende von T-Mobile, Rene Obermann.

Auch Vodafone , O2 und E-Plus beginnen mit einer Datenkarte für das Notebook. Zielgruppe: Geschäftskunden. Mit den UMTS-Angeboten für das Handy sind die T-Mobile-Konkurrenten jedoch zögerlicher. Einzig Debitel hat die Vermarktung eines UMTS-Handys schon gestartet, die anderen Netzbetreiber lassen sich Zeit.

Friedrich Joussen, Vize-Geschäftsführer der deutschen Tochter Vodafone D2, machte noch einmal klar, dass erst Qualitätsansprüche erfüllt seien müssten, damit mit dem Verkauf von UMTS-Handys begonnen werden könne.

Die Briten testen derzeit Geräte von Nokia , Samsung  und Ericsson . Ziel sei es, die Sprachtelefonie in der ersten Jahreshälfte zu starten, sagte Joussen. Der Absatz der UMTS-Mobiltelefone werde 2004 im "Hunderttausender-Bereich" liegen.

T-Mobile will die dritte Mobilfunkgeneration zeitgleich in Deutschland, Österreich und Großbritannien starten, sagte Obermann. In England bietet T-Mobile vorerst jedoch ebenfalls nur eine Datenkarte für mobile Computer an. Für die erste Jahreshälfte rechnet Obermann mit einem Absatz von UMTS-Mobiltelefonen im "fünfstelligen" Bereich.

Drei Riesen für die kurze Verbindung

Drei Riesen für die kurze Verbindung

Um Funk-Verbindungen kümmern sich auch die drei Elektronikgrößen Nokia , Sony  und Philips  demnächst verstärkt. Sie wollen gemeinsam die Entwicklung einer neuen drahtlosen Übertragungstechnologie vorantreiben - die so genannten Near Field Communication (NFC), teilten die Unternehmen auf der Cebit mit.

Die NFC-Technik diene zur Verbindung von Geräten wie Digitalkameras, Mobiltelefonen und Notebooks auf kurze Entfernungen. Ende 2004 wollen sie das Ergebnis präsentieren. NFC basiert zum Teil auf der kontaktlosen Identifikations-Technik RFID.

Auf der Suche nach attraktiven UMTS-Diensten ist Telefonica fündig geworden. Natürlich liegen noch keine Erfahrungswerte vor, wie die einzelnen Offerten tatsächlich angenommen werden. Aber zusammen mit dem Internetportal Jamba aus Berlin sollen die Kunden sich Filmtrailer und Musikvideos unterwegs anschauen können.

T-Online bandelt mit Microsoft an

Um Inhalte geht es auch bei T-Online  und Microsoft . Die Telekom-Tochter soll für Microsofts Media-Center-Betriebssystem künftig passende Inhalte liefern. Dabei handelt es sich um eine Software, die den Computer um die Funktion eines Fernsehers erweitert, der sich dann mit einer Fernbedienung steuern lässt. T-Online hatte schon im vergangenen Jahr ein spezielles Angebot für Fernseher entwickelt - allerdings für eine Set-Top-Box von Siemens.

SAP verabschiedet sich von R/3

Bei dem Walldorfer Konzern SAP  steht die Software im Vordergrund. "Die Ära R/3 geht zu Ende", hieß es am ersten Tag der Cebit. Zwölf Jahre nach der Einführung der betriebswirtschaftlichen Standardsoftware zeigte SAP den Nachfolger. Das Programm mit der Bezeichnung My SAP ERP (Enterprise Resource Planning) soll die Geschäftsabläufe im Unternehmen breiter unterstützen als bisher, sagte Vorstandschef Henning Kagermann.

Neue Referenzkunden hat SAP für seine Portaltechnologie Netweaver gefunden. Wie das Unternehmen mitteilte, hat sich der Industriekonzern Linde  für das Programm entschieden, weite Teile des Unternehmens damit auszustatten. Auch der Computerhändler Dell kündigte an, dass der Konzern die Software-Entwicklungs-Umgebung auf seinen Servern und Storage-Systemen unterstützen will.

Generell rechnet Kagermann aber damit, dass Kunden Software künftig nur in kleinen Portionen kaufen werden. Trotzdem gehe es mit der Softwarebranche wieder aufwärts.

Chip-Ausweis an der Passkontrolle

Eine Nachricht noch von der Bundesregierung. Bundesinnenminister Otto Schily kündigte am Donnerstag bei einem Besuch auf der Cebit an, dass die nächste Generation des Personalausweises digital lesbar werden soll. Dazu soll ein Chip auf dem Ausweis integriert werden. So könnten mit den Informationen auf dem Chip beispielsweise auch Online-Dienstleistungen des Bundes genutzt oder Geschäfte im Internet abgeschlossen werden. Der Zeitpunkt der Einführung hänge aber noch von der EU-Entscheidung zu Biometrie in Pässen ab.

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