IDS Scheer Übernahmekandidat gesucht

Der IT-Dienstleister setzt auf Wachstum. Während Gründer August-Wilhelm Scheer sich von einem Teil seiner Aktien trennt, hält Vorstandssprecher Helmut Kruppke nach neuen Übernahmekandidaten Ausschau. Eine Kapitalerhöhung ist nicht ausgeschlossen.

Saarbrücken - Der Einstieg in den chinesischen Markt ist geschafft, neue Geschäfte in den USA und in Russland stehen bevor - die Wachstumsmärkte des IT-Dienstleisters IDS Scheer  liegen im Ausland. Am Dienstag legte das Unternehmen seine endgültigen Zahlen für 2003 vor und bestätigte dabei die Prognose für das laufende Jahr: IDS Scheer peilt 2004 ein Umsatzwachstum auf 290 Millionen Euro an, 2003 setzte das Unternehmen 221,3 Millionen Euro um. Die Ebita-Marge soll bei mindestens 12 Prozent liegen. Gleichzeitig hoben die Saarbrücker die Dividende auf 0,14 Euro an.

"Das Ergebnis repräsentiert aber nicht den deutschen Markt", sagte Vorstandssprecher Helmut Kruppke im Gespräch mit manager-magazin.de. Der operative Gewinn stieg 2003 um 21 Prozent auf 28,7 Millionen Euro. "Leider verspüren wir hier zu Lande noch keinen Aufschwung." Die Investitionszurückhaltung dauere weiterhin an. So erreiche das Unternehmen das Wachstum auch vielmehr im Ausland.

Der Einstieg in den chinesischen Markt werde sich 2004 aber noch nicht signifikant auswirken. In den USA stehe IDS Scheer kurz vor einem Beratungsauftrag im mittleren zweistelligen Rahmen. Auch will Kruppke von der Osteuropa-Erweiterung der EU profitieren. "Wenn man Geschäftsprozesse langfristig betreuen will, muss man auch sehen, dass die Kosten langfristig auf einem verträglichen Niveau bleiben", so der Vorstand. Arbeitsplätze will er aber nicht von Deutschland nach Osteuropa verlagern.

Nachdenken über eine Kapitalerhöhung

IDS Scheer ist vor allem auf den Bereich Business Process Management spezialisiert. Großes Potenzial rechnet sich Kruppke bei mittelständischen Unternehmen aus. Als großer Outsourcer wie EDS , CSC oder IBM  sieht sich IDS Scheer allerdings nicht. Zwar will Kruppke den Outsourcing-Bereich ausdehnen, aber "wir werden jedes Engagement genau prüfen, damit wir unsere Flexibilität aufrechterhalten".

Zukäufe schließt der Vorstandssprecher dennoch nicht aus. "Kleinere Übernahmen kommen beispielsweise in Russland in Frage." Das Unternehmen denke aber nicht nur über Cash-Akquisitionen, sondern auch über Übernahmen im Zuge einer Kapitalerhöhung nach. "Dann seien auch größere Transaktionen möglich." Welche Kandidaten der Manager im Blick hat, oder in welchen Bereichen sich IDS Scheer größere Übernahmen vorstellen kann, lässt Kruppke offen.

Eine Hand voll Anbieter

Eine Hand voll Anbieter

Im Rahmen von Outsourcing-Projekten arbeitet IDS Scheer auch mit dem US-Konzern Hewlett-Packard (HP)  zusammen. Dass der Computerkonzern gerade die ehemalige ThyssenKrupp-Tochter Triaton übernommen hat, störe die strategische Partnerschaft mit HP nicht, sagt Kruppke. "Wir hatten bisher kaum Berührungspunkte mit Triaton."

Der Manager erwartet aber, dass sich der Markt für IT-Dienstleistungen weiter konsolidieren wird. So rechnet Kruppke damit, dass sich andere Konzerne ebenfalls von ihren IT-Töchtern trennen wollen. Der RAG-Konzern hat dies vor einigen Tagen bereits angekündigt, als mögliche Kandidaten werden auch Itellium von KarstadtQuelle  oder angesichts des massiven Sparprogramms die VW-Tochter Gedas gehandelt.

"Ich glaube, es wird am Ende eine Hand voll großer Dienstleister geben, die den Konzernen das komplette Outsourcing-Angebot bieten." Daneben werde es viele mittelständische Anbieter geben. Jedoch sei der Markt momentan noch von Überkapazitäten und einer großen Zersplitterung geprägt.

"Für uns Mittelständler wird es in Zukunft noch mehr auf unseren USP (Alleinstellungsmerkmale) ankommen", meint Kruppke. Für IDS Scheer liege der im Business Process Management. Potenzial erwartet der Manager auch von der Kooperation mit SAP  bei Netweaver, die allerdings erst im kommenden Jahr zum Tragen kommen werde.

Gründer trennt sich von Anteilen

Die Analysten der HypoVereinsbank  haben IDS Scheer gerade aufgewertet. Das Kurziel setzte das Geldhaus auf 23 Euro. Die Analysten betonten, dass es sich eher um eine konservative Schätzung handele. Mache Branchenkenner sehen dagegen schon eine Überbewertung der Aktie.

Dass Gründer August-Wilhelm Scheer sich im Februar gerade von etwa 750.000 Millionen Aktien (etwa 2,5 Prozent) getrennt hat, hänge aber nicht von einer von anderen befürchteten Überbewertung ab, sagt Kruppke. "Die Aktie hat ein großes Potenzial." Vielmehr seien mehrere britische Investoren an die Hausbank herangetreten, welche dann die Alteigentümer angesprochen habe.

Wer die neuen Gesellschafter sind, sagt Kruppke nicht. "Es sind sechs bis zehn Investoren." Der Aufsichtsratsvorsitzende Scheer besitzt nun noch 42,75 Prozent der Aktien. Ob der "Entrepreneur des Jahres 2003" sich von weiteren Anteilen trennen will, ist nicht bekannt. Kruppke wollte dies nicht kommentieren.

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