Siemens Tausende Jobs gefährdet

Bei Siemens Mobile steht offenbar ein massiver Stellenabbau an. Rund 2000 Arbeitsplätze der Standorte in Bocholt und Kamp-Lintfort sollen angeblich ins Ausland verlagert werden.

Bocholt/Kamp-Lintfort - An den Siemens-Standorten in Bocholt und Kamp-Lintfort sind Tausende von Arbeitsplätzen bedroht. Die Firmenleitung habe die Belegschaftsvertretung darüber informiert, dass "unter den gegebenen Bedingungen der Kostenstrukturen eigentlich 2000 Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden müssten", sagte Siemens-Sprecher Peter Gottal am Donnerstag.

Er bestätigte damit Informationen der Gewerkschaft IG Metall. An beiden Standorten sind derzeit rund 5000 Menschen beschäftigt. In Kamp-Lintfort lässt Siemens  Handys produzieren, in Bocholt schnurlose Festnetz-Telefone.

Nach Angaben der Gewerkschaft sollen die Stellen wie beispielsweise für die Produktion der Mobiltelefone nach Ungarn verlagert werden. Es sei Ziel des Unternehmens, möglichst viele Arbeitsplätze nachhaltig wettbewerbsfähig zu machen, sagte Siemens-Sprecher Gottal. "Es geht um die langfristige Sicherung der Standorte", sagte er weiter.

Die Kostenstrukturen seien derzeit international nicht wettbewerbsfähig. Erste Gespräche zwischen Firmenleitung und Arbeitnehmervertretern seien aufgenommen worden. "Es ist das erklärte Ziel, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu sichern."

Unterdessen haben der Gesamtbetriebsrat und die IG Metall den Autozulieferer Siemens VDO Automotive zu Verhandlungen über die Sicherung der Standorte in Deutschland aufgefordert. Siemens VDO Automotive ist nach eigenen Angaben der weltweit führende Automobilzulieferer für Elektronik, Elektrik und Mechatronik. In Deutschland gibt es 40 Standorte mit rund 20.000 Beschäftigten.

Wegen der vom Unternehmen angepeilten Ergebnisverbesserung von 150 bis 200 Millionen Euro im laufenden Geschäftsjahr sei zu befürchten, dass die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland beschleunigt werde, sagte der Gesamtbetriebsratsbetreuer und Darmstädter IG-Metall-Bevollmächtigte Günter Lorenz am Donnerstag in Frankfurt. Eine Gewinnsteigerung zu Lasten der Beschäftigten würden Betriebsrat und IG Metall nicht mitmachen.

Dass Siemens Arbeitsplätze abbauen will, war bereits vor einigen Wochen bekannt geworden. Konzernchef Heinrich von Pierer hatte dabei nie einen Zweifel daran gelassen, dass er starre Arbeitszeiten und kostentreibende Tarifrunden in Deutschland für wenig zuträglich hält. Angeblich stehen 40.000 Arbeitsplätze des Gesamtkonzerns vor einem Umzug stehen, spekulieren Medien.

Mitte Februar hieß es bereits, dass Siemens die meisten seiner 15.000 Stellen für die Programmierung von Software in Westeuropa und den USA nach Indien, China und Osteuropa verlagern wolle. Vor rund einer Woche teilte Siemens Mobile mit, in Brasilien in eine Handy-Produktionsstätte zu investieren. Die "WAZ" schreibt unterdessen, der Siemens-Konzern wolle sein gesamtes Tarifgefüge in Deutschland auf den Prüfstand stellen. Sogar der Austritt aus dem Arbeitgeberverband sei möglich, heißt es in dem Bericht.

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