Telefonica Nummer eins in Lateinamerika

Telefonica kauft für rund 5,9 Milliarden Dollar das lateinamerikanische Mobilfunkgeschäft des US-Konzerns BellSouth. Das Unternehmen steigt damit in dieser Region zur Nummer eins auf. Weltweit zählt Telefonica nun 62 Millionen Mobilfunkkunden.

Madrid - Die spanische Telefonica  übernimmt einschließlich Schulden für 5,85 Milliarden Dollar (rund 4,73 Milliarden Euro) das Mobilfunkgeschäft des US-Telekomkonzerns BellSouth in Lateinamerika und steigt damit zur Nummer eins unter den Anbietern der Region und zur Nummer vier weltweit auf.

Wie Telefonica am Montag mitteilte, wird der Konzern durch den Zukauf die Zahl seiner Mobilfunkkunden in Lateinamerika auf 40,5 Millionen steigern. Damit würden die Spanier Marktführer America Movil von der Spitze verdrängen, der sich im Besitz des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim befindet. Weltweit zählt Telefonica nun rund 62 Millionen Mobilfunkkunden.

Zugleich verspricht sich Telefonica von der Übernahme Kosteneinsparungen im Wert von rund einer Milliarde Dollar, wie der Chef der Mobilfunksparte Telefonica Moviles, Antonio Viana-Baptista, in Madrid erklärte.

BellSouth will sich auf US-Markt konzentrieren

BellSouth erhält nach eigenen Angaben in bar 4,2 Milliarden Dollar für den Verkauf der lateinamerikanischen Tochtergesellschaften in zehn Ländern und baut gleichzeitig seine Schulden um rund 1,5 Milliarden Dollar ab. Das US-Unternehmen kann sich damit stärker auf den US-Markt konzentrieren. Cingular Wireless, eine gemeinsame Tochter von BellSouth und SBC Communications, hatte im Februar für 41 Milliarden Dollar den Zuschlag für die Übernahme des US-Konkurrenten AT&T Wireless bekommen.

Nur noch zwei dominante Anbieter

Mit den Übernahmen und dem Rückzug weiterer US-Wettbewerber dominieren Telefonica und America Movil den Mobilfunkmarkt in Lateinamerika. Zunehmend unter Druck gerät der Branchendritte der Region, Italia Mobile. "Man kann nicht mit Betreibern konkurrieren, die 40 Millionen Telefone im Jahr kaufen", sagte Analyst Rogelio Urrutia vom Bankhaus Santander. "Es werden nur zwei große Akteure übrig bleiben."

Der Kaufpreis für die BellSouth-Geschäfte entspreche dem Firmenwert der übernommenen Unternehmen, teilte Telefonica mit. Nach Einschätzung von Analysten stellt die Finanzierung Telefonica nicht vor größere Probleme. Der Marktführer in Spanien hatte im vergangenen Jahr einen Free Cash-Flow von rund 8,9 Milliarden Euro generiert und hat derzeit nur wenige Verbindlichkeiten. Wann die Übernahmen abgeschlossen sein werden, ist noch offen.

Telefonic hatte vor zwei Wochen die Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr vorgelegt und dabei die Erwartungen der Analysten übertroffen. Demnach stieg in 2003 das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 7,5 Prozent auf 12,602 Milliarden Euro.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.