Otto Versand "Schnäppchen-Ticker" und "Preis-Alarm"

Der Versandhändler will den elektronischen Vertrieb kräftig ausbauen. Dabei setzen die Hamburger nicht nur auf das Internet. Künftig werden Kleidung, Möbel und Waschmaschinen auch via Handy und TV verkauft. Dafür ließ sich Otto extra einen eigenen Fernsehkanal genehmigen.
Von Anne Klesse

Hamburg - Diesen TV-Sender stellt der Otto-Konzern pünktlich zur Cebit in Kooperation mit Philips  vor, um die eigenen Produkte künftig auch via Fernsehen zu vermarkten.

Derzeit soll der "Otto MHP Shop" Unternehmenskreisen zufolge eher noch eine Art "erweiterter Videotext" sein, bei dem Kunden sich Angebote auf dem Bildschirm ansehen und per Fernbedienung nach Hause ordern können.

Die Warenbestellung wird über einen Rückkanal und die Telefonleitung direkt an den Otto-Server übertragen. Voraussetzung dafür ist ein Fernseher, der mit einer Set-Top-Box auf Basis der Software Multimedia Home Plattform (MHP) für Satellitenempfang ausgerüstet ist. Auch der digitale Sat-Receiver DSR 5600 von Philips ermöglicht das interaktive, digitale Fernsehen.

Die Kontrollbehörde Hamburgische Anstalt für Neue Medien (HAM) hatte Otto im Januar grünes Licht für den Dienst gegeben. Derzeit kann dieser nur über Satellit empfangen werden. "Wir hoffen, dass auch die Kabelnetze möglichst bald für interaktives, digitales Fernsehen bereit sind", sagte Otto-Sprecherin Nicola Schleicher gegenüber manager-magazin.de. Die Infrastruktur dafür sei jedoch nur im "langsamen Aufbau".

2010 soll MHP Standard sein

Auch die HAM sieht im Otto-Shop erst den Beginn eines rasch wachsenden Marktes. "Die digitalen Nutzungsformen entwickeln sich sukzessive", sagte HAM-Direktor Lothar Jene gegenüber manager-magazin.de. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis interaktives, digitales Fernsehen in alle Wohnzimmer einkehrt."

Mit MHP soll es künftig auch möglich sein, interaktiv beispielsweise bei Quiz-Sendungen mitzumachen. Philips will weitere Möglichkeiten für Homebanking, Internet, E-Mail oder SMS-Services via TV vorbereiten. "Da es jetzt sowohl die Endgeräte als auch immer mehr Anwendungen gibt, sind wir sicher, dass sich Fernsehen auf MHP-Basis zügig und auf breiter Linie durchsetzen wird", sagte Philips-Geschäftsführer Hans-Joachim Kamp.

Ab 2010 soll MHP nach dem Willen der Rundfunkanstalten bundesweit Standard sein. Derzeit spielt der technische Standard für digitale TV- und Multimedia-Übertragung jedoch keine große Rolle. Noch ist aber nicht klar, ob sich auch Premiere und einige kritisch eingestellte Kabelbetreiber auf MHP einlassen werden.

Vertrieb via Internet, TV und Handy

Vertrieb via Internet, TV und Handy

Ein zweiter Baustein für Ottos Fernsehpläne, dem so genannten T-Commerce, ist eine Kooperation mit dem Teleshopping-Sender RTL Shop. Seit dem 4. Februar präsentiert Otto dort einmal in der Woche eine Stunde lang Damenmode. Man wolle am wachsenden Teleshopping-Markt teilhaben, heißt es von Otto. Schon heute würden in der Branche rund 750 Millionen Euro umgesetzt, so Unternehmenssprecherin Schleicher. Das Unternehmen erwartet, dass dieser Markt bis zum Jahr 2007 ein Volumen von rund 1,5 Milliarden Euro erreichen wird.

Otto sieht seinen neuen MHP Shop als strategische Ergänzung der Einkaufskanäle und will die Marke Otto im Fernsehen "fest verankern". Bisher hatte sich das Unternehmen neben dem Kataloggeschäft vor allem auf das Internet als Absatzkanal konzentriert und setzte dort im vergangenen Geschäftsjahr rund zwei Milliarden Euro um. E-Commerce mache laut Otto rund 10 Prozent des Konzernumsatzes aus. In fünf bis sieben Jahren rechne man sogar mit einem Anteil von 20 Prozent.

Und das ist offenbar erst der Anfang: Der Hamburger Konzern will seinen gesamten Internet- und TV-Bereich sowie den Vertrieb über das Handy weiter ausbauen. "Die Chancen für den Online-Handel steigen", sagte Michael Otto der "Süddeutschen Zeitung" (SZ). Er zähle auf die wachsende Zahl der Internetanschlüsse. Auch wolle man außerhalb Deutschlands expandieren, so Otto weiter. In Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Frankreich und Großbritannien sei ein "deutlicher Ausbau" des Internetvertriebs geplant. Wichtigste Warengruppen im E-Commerce seien derzeit technische Produkte aus der Unterhaltungselektronik und Telekommunikation, Mode und Wäsche.

Einkaufen auch per SMS

Daneben setzt das Unternehmen hohe Erwartungen in den Verkauf per Handy. Ebenfalls zur Cebit wird der "Otto Mobil Shop" erweitert. Gemeinsam mit T-Mobile werden die neuen Dienste "Schnäppchen-Ticker" und "Preis-Alarm" per SMS angeboten. Auch die Bestellung soll per Textnachricht aufgegeben werden können.

In Japan habe der Konzern gute Erfahrungen mit solchem M-Commerce gemacht, sagte Michael Otto der "SZ". Dort wird dem Konzernchef zufolge bereits jede vierte elektronische Bestellung via Handy aufgegeben. In Deutschland betrage der Umsatz in diesem Segment jährlich etwa eine Million Euro. Im T-Commerce sieht sich das Unternehmen nun als Vorreiter. "Das ist noch einfacher als Internet", so Otto in dem Gespräch.

Dass der Konzern nach neuen Absatzwegen sucht, habe jedoch nichts mit der schwierigen Situation in den USA zu tun, hieß es auf Anfrage von manager-magazin.de. Michael Otto wird vorgeworfen, die Geschäftszahlen seiner US-Tochter Spiegel Inc. nicht fristgerecht veröffentlicht zu haben. Im vergangenen Jahr hatte das Handelshaus mit Schulden von 1,6 Milliarden Euro Insolvenz angemeldet.

Das Geschäft des Otto-Konzerns sei in keiner Weise von den Entwicklungen bei Spiegel betroffen, so eine Unternehmenssprecherin gegenüber manager-magazin.de. "Die Firma Spiegel ist ein privates Engagement der Familie Otto und gehört nicht zum Otto-Konzern."

Wie aus Unternehmenskreisen unterdessen zu hören ist, sei Konzernchef Otto mittlerweile durchaus bereit, mit einer erneuten Finanzspritze für Spiegel die möglichen Klagen von US-Aktionären abzuwenden.

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