Mittwoch, 19. Juni 2019

KirchMedia Filmverkauf gescheitert

Nach langem Hin und Her scheint der Millionendeal um die Auslandsfilmrechte vorerst geplatzt. Der Finanzinvestor Bridgepoint zog sein Gebot zurück. Nun geht die Suche nach Investoren für die Filmbibliothek von neuem los.

Hamburg - Der Verkauf der ausländischen Filmrechte aus der insolventen KirchMedia ist offenbar vorerst gescheitert. Das erfuhr manager-magazin.de aus informierten Kreisen. Zuvor hatte die "Financial Times Deutschland" (FTD) berichtet, die Kapitalbeteiligungsfirma Bridgepoint habe ihr Angebot für das 50-Millionen-Euro-Geschäft zurückgezogen.

 Filmrechte der KirchMedia: Das gesamte Paket wird auf 500 Millionen Euro geschätzt
[M] DPA; mm.de
Filmrechte der KirchMedia: Das gesamte Paket wird auf 500 Millionen Euro geschätzt
"Irgendwann muss einmal Schluss sein", sagte Bridgepoint-Direktor Anthony Bunker der Zeitung zufolge nach monatelangen Verhandlungen. Ursprünglich sollte der Verkauf bis Ende 2003 abgeschlossen sein. Bunker begründete den Abbruch der Gespräche mit neuen Forderungen der Kirch-Insolvenzverwalter.

Das nun geplatzte Geschäft über die Auslandsrechte habe bereits kurz vor einem Abschluss gestanden, schrieb die "FTD" weiter. In letzter Minute hätten sich beide Parteien jedoch über die Frage gestritten, wer bestimmte Geschäftsrisiken tragen solle. Der Gläubigerausschuss der insolventen KirchMedia habe nun die Übernahme von Gewährleistungspflichten verweigert.

Obwohl die Verhandlungen mit Bridgepoint gescheitert sind, betrachtet man im Hause KirchMedia den generellen Verkauf des gesamten Paketes in Höhe von 500 Millionen Euro jedoch nicht als geplatzt. Das Bridgepoint-Angebot sei nur eines von mehreren. Es gebe Interessenten, die den gesamten Bestand kaufen wollten, andere seien nur an inländischen oder ausländischen Filmrechten interessiert. Wiederum andere wollten Teilbereiche wie DVD- oder Videorechte kaufen. Wie weit diese Verhandlungen fortgeschritten sind, wollte niemand kommentieren.

Der Filmrechteschatz war einst das Stammgeschäft des Medienimperiums von Leo Kirch und ist der letzte große Teil der KirchMedia, der zum Verkauf steht. Darin befinden sich Weltrechte an Film- und TV-Klassikern wie Werke von Federico Fellini und Filme mit Stan Laurel und Oliver Hardy (Dick und Doof) sowie Vertriebsrechte aktueller Fernsehproduktionen.

KirchMedia muss nun den Verkauf von neuem beginnen. Interesse am Filmschatz hat offenbar auch die ARD-Einkaufstochter Telepool. Angeblich will das Unternehmen das gesamte Paket kaufen.

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