Lycos Europe Tief in den roten Zahlen

Das Internetportal bleibt weiter in der Verlustzone. 2004 wird es kaum anders aussehen. Doch Chef Christoph Mohn übt sich in Optimismus und will die Premium- und Breitbanddienste ausbauen.

Frankfurt/Main - Hoffnung auf baldige Gewinne konnte Christoph Mohn, Vorstandsvorsitzender von Lycos Europe , nicht machen. Auch 2004 wird das Internetunternehmen in der Verlustzone bleiben. Er rechne allerdings mit einer deutlichen Verbesserung von Umsatz und Ergebnis, sagte der Vorstandschef am Donnerstag während einer Telefonkonferenz. Zahlen wollte er jedoch nicht nennen. Die Entwicklung des Werbemarktes und der Premiumdienste sei für das Gesamtjahr nicht genau einzuschätzen.

Im vergangenen Jahr setzte Lycos Europe insgesamt 85 Millionen Euro um. 2002 waren es noch 118 Millionen Euro. Der Einbrauch, erklärte Finanzchef Ralf Struthoff, hänge unter anderem mit dem Verlust eines Werbevertrages des Gesellschafters Bertelsmann zusammen.

Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) lag 2003 bei minus 40,5 Millionen Euro, ein Jahr zuvor waren es noch minus 53,9 Millionen Euro. Beim Ebit wies Lycos ein Minus von 62,3 Millionen Euro aus, 2002 waren es noch minus 90,3 Millionen Euro. Struthoff betonte, dass sich das Unternehmen beim Fehlbetrag deutlich verbessert habe. Der Verlust sei von 179 Millionen Euro in 2002 auf 56,1 Millionen Euro zurückgegangen.

Premiumdienste im Kommen

Große Hoffnungen setzt Mohn auf Premiumdienste und das Zugangsgeschäft mit Breitbandanschlüssen. Bereits im ersten Quartal soll der Umsatz der Premiumangebote bei sechs Millionen Euro liegen, insgesamt rechnet Lycos für die ersten drei Monate mit einem Umsatz von 22 Millionen Euro.

In zwei bis vier Jahren soll der Erlös der Premiumdienste bei 100 Millionen Euro liegen, lautet Mohns Prognose. 2003 hätten diese Services bereits einen Anteil von 19 Prozent am Gesamtumsatz gehabt, hieß es. Auch das Lizenzgeschäft mache Fortschritte. T-Online , AOL und seit kurzem auch Yahoo Deutschland nutzten beispielsweise den Lycos-Shop. Auch der Chat-Bereich, dessen Nutzerzahl Lycos noch deutlich steigern will, soll künftig zur Lizenzierung freigegeben werden.

Schwarze Zahlen nicht in Sicht

Für das laufende Jahr hat sich Mohn vorgenommen, der kritischen Masse von Usern bei den Premiumdiensten nahe zu kommen. Das Unternehmen plane deshalb ab dem zweiten Quartal verstärkt Marketingaktionen. So soll für neue E-Mail-Servicedienste und DSL-Zugänge geworben werden.

Zulegen soll auch das Hosting-Geschäft. Für einen Großteil des Wachstums wird sicherlich der kürzlich erworbene Domainhändler United Domais beitragen. Zuletzt soll der Jahresumsatz des angeblich profitablen Händlers im einstelligen Millionenbereich gelegen haben.

Weitere Umstrukturierungen plane Lycos Europe für dieses Jahr nicht, sagte Mohn. Die Mitarbeiterzahl solle etwa auf dem jetzigen Niveau bleiben, jedoch schloss der Vorstandsvorsitzende "kleinere Schwankungen" nicht aus. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen deutlich Stellen abgebaut. Zuletzt wurden im Rahmen einer Neuordnung in vier Geschäftsbereiche noch einmal 100 Stellen abgebaut. Ziel war es, die Zahl auf 825 Arbeitsplätze zu reduzieren.

Wann Lycos Europe den Break-even für ein Gesamtjahr schaffen könnte, ließ Mohn weiter offen. Das Unternehmen sei aber bis Ende 2008 durchfinanziert, selbst wenn weitere Verluste anfallen sollten.

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