Kabel Deutschland Zur Kasse, bitte!

Während der größte regionale TV-Kabelnetzbetreiber in Deutschland gerade über Expansionsplänen brütet, wurden nun Details seiner digitalen Zukunftsvision bekannt: Angeblich müssen Zuschauer für den digitalen Empfang von RTL, Sat.1 und Co. extra zahlen.

München - Der größte deutsche Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland GmbH (KDG) hat angekündigt, extra Gebühren für den Empfang digitaler Fernsehprogramme zu erheben. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf ein internes Papier der KDG.

Dem "SZ"-Bericht zufolge sollen RTL, Tele 5 und Co. dann entweder einmalig bis zu 60 Euro oder sieben Euro pro Monat kosten, wenn es um den digitalen Empfang geht. Nach Ansicht der KDG gehören die Privaten - im Gegensatz zu den öffentlich-rechtlichen Sendern - nicht zur Grundversorgung der TV-Zuschauer, so die Zeitung.

KDG-Sprecherin Kathrin Kleinjung bestätigte den Bericht gegenüber manager-magazin.de nicht. "Es war zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt, die privaten Free-TV-Sender in ein endgeldpflichtiges digitales Zugangspaket zu integrieren", sagte Kleinjung. Kunden müssten allerdings eine "Set-Top-Box" kaufen sowie eine einmalige Freischaltgebühr zahlen. "Wir unterstützen einen offenen Kaufmarkt für Endgeräte und eine offene diskriminierungsfreie Plattform für alle TV-Programmanbieter", so Kleinjung.

Programmpakete für über fünf Millionen Kunden

Der Quasi-Monopolist KDG betreibt die regionalen TV-Kabelnetze in allen Bundesländern außer in Nordrhein-Westfalen (Ish), Baden-Württemberg (Kabel BW) und Hessen (Iesy). Seit einigen Monaten sprechen die Kabelbetreiber über eine Fusion. Presseberichten zufolge soll Ish schon bald für 1,3 Milliarden Euro den Besitzer wechseln. Kabel BW und Iesy könnten folgen.

Geplant ist, Digital-TV als Massenmedium zu etablieren. Bis Ende des Jahrzehnts rechnet die Kabelfirma mit mindestens 4,4 bis 5,2 Millionen eigenen Digital-Kunden, heißt es in dem Bericht. Bislang hätten erst 80.000 Kunden das digitale Fernsehen und orderten ausländische Kanäle. Zum Vergleich: Der Pay-TV-Sender Premiere zählt 2,9 Millionen Konsumenten. Erst kürzlich gaben KDG und Premiere eine Kooperation bekannt, die die gemeinsame Vermarktung des Bezahlsenders umfasst.

Die KDG will dem Artikel zufolge Anfang April mit ersten Angeboten fürs Digitale TV starten, im Spätsommer soll es dann richtig losgehen. Für bis zu hundert Euro müsste der Kabelkunde dann das notwendige Empfangsgerät, den Decoder, erwerben, heißt es. ARD und ZDF würden dann als "must carry"-Angebote gezeigt werden, für die Privatsender bereite das Unternehmen jedoch spezielle Programm-Pakete vor.

Eines der Pakete, das "Privat-Digital" mit 24 Kanälen, soll dem Bericht zufolge einmalig 50 bis 60 Euro "Freischaltgebühr" kosten. Dazu müssten die Privatkanäle wie RTL und Sat.1 erst verschlüsselt und dann per Karte entschlüsselt werden.

RTL: "Nicht akzeptabel"

Die zweite Variante, schreibt das Blatt, beinhalte RTL, Sat.1 und andere Private wie Vox und Viva und zusätzlich den Abokanal Premiere Start, weitere Spartenangebote (Sport, Musik, Kinder) und 47 Radio-Programme. Dieses Paket soll sieben Euro im Monat kosten. "Für uns schlicht nicht akzeptabel", zitiert die "SZ" RTL-Chef Gerhard Zeiler. RTL müsse ein frei empfangbarer Sender bleiben.

In dem Bericht heißt es, die KDG verhandele momentan mit mehr als 60 TV-Sendern, die zum Teil in Deutschland noch gar nicht zu sehen seien. ARD und ZDF zweifeln dem Bericht zufolge an der proklamierten "offenen Plattform". Laut "SZ" haben die öffentlich-rechtlichen Sender der KDG konkrete Forderungen übermittelt. Dazu gehöre ein "freier und offener Kaufmarkt" für Decoder.

Und noch einen Einwand bringen sie hervor: Der KDG-Vorgänger Telekom hätte mit dem früheren Premiere-Inhaber Leo Kirch eine Verschmelzung von Kabel- und Abofernsehen zu Lasten der übrigen Sender geplant. Das Kartellamt stoppte diesen Versuch jedoch.

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