ARD Schatzsuche bei Kirch

Eigentlich sollten die Kirch-Filmrechte schon längst verkauft sein. Doch die Verhandlungspartner konnten sich in Finanzierungsfragen nicht einig werden. Nun beteiligt sich auch die ARD am Bieterstreit um die riesige Filmbibliothek.

Hamburg - Die ARD will offenbar für die Filmbibliothek des gescheiterten Medienmanagers Leo Kirch mitbieten. Wie der SPIEGEL berichtet, soll die Finanzierung des rund 500 Millionen Euro teuren Pakets jedoch nicht direkt aus der ARD-Gebührenkasse erfolgen, sondern über den Kapitalmarkt. Unter anderem sollen die Gläubigerbanken der KirchMedia für die Bezahlung eingespannt werden. Damit wolle die öffentlich-rechtliche Senderfamilie verhindern, dass die politische Debatte um die Rundfunkgebühren wieder aufflammt, so das Magazin.

Die ARD-Einkaufstochter Telepool soll das Geschäft abwickeln, an der auch der Bayerische, der Mitteldeutsche und der Südwest-Rundfunk beteiligt sind. Das Münchener Unternehmen interessiert sich dem Bericht zufolge neben nationalen und internationalen Filmrechten für den so genannten Volume-Deal, bei dem sich ProSiebenSat.1  mit KirchMedia über eine langfristige Lieferung von Top-Filmen geeinigt hatte.

Schon früher hatte der öffentlich-rechtliche Sender Filmrechte vom Rechtepionier Kirch gekauft. Dieser hatte erstmals im Jahr 1958 Filmrechte bei der ARD vermarktet und war damals wichtigster Kunde von Kirch.

Mit dem jetzigen Deal steht nun der größte Filmrechtestock Europas zum Verkauf. Die Filmbibliothek soll Medienberichten zufolge mehr als 18.000 Filme und Serien beherbergen. Ursprünglich hatten die Insolvenzverwalter des einstigen Kirch-Imperiums das Rechtegeschäft zusammen mit ProSiebenSat.1 verkaufen wollen. Schließlich hatte US-Investor Haim Saban aber nur die Mehrheit an der Privatsenderfamilie übernommen - und nicht die Filmrechte.

Insolvenzverwalter Michael Jaffé hatte Medienberichten zufolge im vergangenen Jahr beschlossen, das Filmrechtegeschäft in Einzelteilen zu verkaufen. Die Auslandsrechte der Filmbibliothek sollten an die KirchMedia-Tochter Beta Film gehen. Finanziert werden sollte der Deal den Berichten zufolge über die Kapitalbeteiligungsgesellschaft Bridgepoint. Um das Verkaufsverfahren zu erleichtern, hatte die Insolvenzverwaltung zuvor die Rechtsform der Beta Film in eine GmbH umgewandelt. Ursprünglich hatten die Verhandlungspartner daraufhin angekündigt, den Verkauf bis Ende 2003 abschließen zu wollen.

Das jetzige Angebot von Telepool setzt dem SPIEGEL-Bericht zufolge Saban, zu dessen Imperium ProSiebenSat.1 gehört, unter Druck. Denn die ARD-Tochter bekäme im Rahmen der Verhandlungen automatisch Einblick in die Programmplanung der Privatsender. Übernimmt Telepool nun tatsächlich das gesamte Kirch-Filmlager, wäre der Konzern plötzlich größter Filmlieferant der Senderfamilie. Neben der ARD-Tochter sollen sich auch der Rechtehändler Herbert Kloiber, der Ex-Kirch-Manager Jens Richter und das Unternehmen Constantin Film für Teile der Kirch-Filmsammlung interessieren.

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