Vodafone 34 Milliarden Dollar für AT&T Wireless?

Vodafone wird einem Zeitungsbericht zufolge ein Gebot für das amerikanische Unternehmen AT&T Wireless abgeben. Für knapp 34 Milliarden Dollar will der größte Mobilfunkprovider der Welt den US-Konkurrenten übernehmen. Analysten sind jedoch skeptisch.

London/New York - "Das wäre ein riesiger Fehler von Vodafone ", sagt DZ-Bank-Analyst Robert Vinall im Gespräch mit manager-magazin.de. AT&T Wireless sei seiner Meinung nach einer der schlechtesten Player auf dem US-Markt. So habe das Unternehmen allein im Januar 3 Prozent seiner Kunden verloren. Derzeit zählt das Unternehmen 22 Millionen Kunden.

Dennoch, die Gerüchte, dass Vodafone ein Angebot für den zum Verkauf stehenden US-Mobilfunkprovider abgeben wird, verdichten sich. Das "Wall Street Journal" berichtet am Freitag, Vodafone wolle 34 Milliarden Dollar bieten, das entspreche etwa 12,50 Dollar pro Aktie. Das Blatt beruft sich dabei auf informierte Kreise. Offiziell heißt es nach wie vor, der Konzern prüfe derzeit ein Gebot. Doch an diesem Freitag läuft die Frist ab, und die Briten müssen in den nächsten Stunden Farbe bekennen. AT&T Wireless will sich dann bis zum 29. Februar für einen Käufer entscheiden.

Vodafone denkt strategisch langfristig, kommentiert ein Branchenkenner. Dahinter steckt die Annahme, dass der britische Konzern sich vorgenommen hat, überall mit seinem Markennamen zu agieren. In den USA ist das bislang nicht der Fall, dort ist der weltgrößte Mobilfunkbetreiber mit 45 Prozent an dem US-Marktführer Verizon Wireless beteiligt. Die restlichen Anteile hält der Telefonkonzern Verizon.

Vodafone sehe die Beteiligung als Finanzinvestment an, betont der Konzern. Das US-Unternehmen sichert den Briten jedes Jahr eine gute Dividende. Der Wunsch, in den USA mit der eigenen Marke aufzutreten, sei groß, kommentieren Experten. Ärgerlich für Vodafone sei zudem, dass Verizon Wireless einen anderen Mobilfunkstandard einsetzt als der britische Minderheitsgesellschafter. Synergieeffekte könnten deshalb nicht entstehen.

Kopf an Kopf mit Cingular?

Für AT&T Wireless interessiert sich indes nicht nur Vodafone. Der zweitgrößte US-Mobilfunkbetreiber Cingular Wireless, ein Joint Venture der Telefonkonzerne Bellsouth und SBC Communication hat 30 Milliarden Dollar in bar geboten. Analysten gehen davon aus, dass das Unternehmen seine Offerte noch erhöhen wird.

Offen ist noch, ob der US-Mobilfunker Nextel Communications  ein Gebot abgeben wird. Auch Japans NTT Docomo  könnte noch seinen Hut in den Ring werfen. Das Unternehmen ist bereits mit einer Minderheitsbeteiligung an AT&T Wireless beteiligt, ein Gebot gilt unter Experten dennoch als unwahrscheinlich. Als Bieter wurde zeitweise auch die Deutsche Telekom  gehandelt. Doch Konzernchef Kai-Uwe Ricke machte bereits vor einigen Wochen deutlich, sich an dieser Runde nicht zu beteiligen.

Sollte Vodafone-Chef Arun Sarin in den Ring steigen, müsste der Konzern seine Beteiligung an Verizon Wireless aus kartellrechtlichen Gründen abgeben. Presseberichten zufolge verhandeln die Briten derzeit mit dem Mehrheitsgesellschafter Verizon über das weitere Vorgehen. Nach Informationen von manager-magazin.de können die Briten im Sommer eine Put-Option ziehen, ein geeigneter Zeitpunkt, die Situation zu ändern.

Auch wenn das schuldenfreie Vodafone keine Probleme hätte, eine Übernahme von AT&T Wireless zu finanzieren, so Vinall. Seine Skepsis gegenüber einem solchen Plan ist groß. Vinall: "Die vorrangige Aufgabe eines Unternehmens ist es, Wert zu schöpfen und nicht, eine bestimmte Marke aufzubauen." Dabei sei eine Gewinn bringende Minderheitsbeteiligung besser als eine Mehrheitsbeteiligung an einem schwachen Unternehmen.

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