AT&T Wireless 30 Milliarden Dollar - wer bietet mehr?

AT&T Wireless steht zum Verkauf. Vodafone erwägt den Einstieg, US-Konkurrent Cingular hat schon ein informelles Angebot abgegeben. Wer hat die besseren Chancen?

New York - Nur noch wenige Tage, dann läuft die Angebotsfrist für den drittgrößten Mobilfunkanbieter in den USA ab. AT&T Wireless steht zum Verkauf. Wer bietet mit?

Da ist zum einen der zweitgrößte Mobilfunkanbieter Cingular, der bereits ein informelles Angebot von etwa 30 Milliarden Dollar abgegeben haben soll. Und da ist der japanische Mobilfunkspezialist NTT Docomo , der bereits eine Beteiligung an AT&T Wireless hält.

Heißester und viel diskutierter Kandidat ist der weltgrößte Mobilfunkanbieter Vodafone , der am Montag bestätigte, den Kauf von AT&T Wireless zu erwägen. Mit Spannung beobachtet die Branche, ob der britische Konzern eine Offerte für das US-Unternehmen tatsächlich abgeben wird. Denn Vodafone ist bereits bei dem US-Marktführer Verizon Wireless mit 45 Prozent beteiligt. Im Sommer können die Briten nach Informationen von manager-magazin.de jedoch eine Put-Option ziehen. Das wäre ein passender Moment, um einen anderen Player aufzukaufen.

Cingular kann im Preis hoch gehen

Analyst Andreas Heinold von der Landesbank Baden-Württemberg will nicht ausschließen, dass Vodafone eine Offerte für AT&T Wireless machen wird. Doch rechnet er im Gespräch mit manager-magazin.de dem Konkurrenten Cingular größere Chancen zu. "Alle reden von der Konsolidierung des US-Marktes, steigt Vodafone ein, wird es aber weiterhin sechs große Player geben", so Heinold. Gleiches gelte für NTT Docomo. "Von einer Konsolidierung kann dann keine Rede sein."

Bei einer Fusion von Cingular und AT&T Wireless ergäben sich viel mehr Einsparmöglichkeiten, sagt der LBBW-Analyst. Das Unternehmen selber rechnet mit Spareffekten von bis zu drei Milliarden Dollar. "Cingular kann deshalb wahrscheinlich auch im Preis sehr hoch gehen", so Heinold. Zudem müsse das US-Unternehmen sich nicht mit Aktionären auseinandersetzen, da der Mobilfunkkonzern nicht börsennotiert ist wie Vodafone. Cingular ist ein Gemeinschaftsunternehmen von SBC Communications und der Bellsouth Group. Das informelle Gebot der Gruppe liegt bei 30 Milliarden Dollar.

Komplexe Übernahme

Eine Übernahme durch Vodafone bezeichnet Heinold zudem als komplex. Denn der Konzern müsse sich für ein Engagement bei AT&T Wireless aus kartellrechtlichen Gründen von seiner Beteiligung bei Verizon Wireless trennen. Dabei seien auch steuerliche Aspekte mit zu berücksichtigen. Investoren und Analysten zeigten sich von diesem möglichen Plan wenig begeistert. Sichert Verizon Wireless den Briten doch alljährlich eine gute Dividende.

Dass Vodafone möglicherweise den Telefonkonzern Verizon ganz übernehmen könnte, wie das "Wall Street Journal" schreibt, hält der LBBW-Analyst nicht für realistisch. "Vodafone ist nur am Mobilfunkgeschäft interessiert." Bei einer Übernahme des gesamten Konzerns müssten die Briten das Unternehmen filetieren - ähnlich wie bei Mannesmann. Das "Wall Street Journal" spekulierte, dass die Briten Verizon möglicherweise für 150 Milliarden Dollar übernehmen könnten.

Wie aus Branchenkreisen zu hören ist, spricht Vodafone derzeit auch mit Verizon, wie die Partnerschaft künftig gestaltet werden könnte, wenn der britische Konzern bei AT&T Wireless nicht zum Zuge kommt. Auch Cingular soll sich vorbereiten, für den Fall, dass der Konzern bei AT&T Wireless nicht punktet. Die Deutsche Telekom  will zumindest nicht mitbieten. Konzernchef Kai-Uwe Ricke machte schon Ende Januar deutlich, sich an dem Poker nicht beteiligen zu wollen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.