SAP Keine Angst vor Bill Gates

Microsoft hat bei betrieblicher Unternehmenssoftware offenbar Boden gut gemacht. Im Kampf um den Mittelstand droht nun SAP-Vorstandschef Henning Kagermann mit einem Preiskampf.

Düsseldorf/Walldorf - Die SAP AG  will ihre Weltmarktführerschaft bei Unternehmenssoftware mit allen Mitteln gegen Microsoft  verteidigen. Um mehr mittelständische Kunden zu gewinnen, würde er sich mit dem US-Konkurrenten auch einen Preiskampf liefern, sagte SAP-Chef Henning Kagermann dem "Handelsblatt": "Sollte es notwendig werden, würden wir unsere Preise entsprechend anpassen und alle Möglichkeiten einer intelligenten Preispolitik ausschöpfen."

Sollte es notwendig werden? Erst in der vergangenen Woche berichtete das Fachblatt "VDI Nachrichten", dass Oracle  den Mittelstand in Deutschland aufgegeben habe. SAP halte in Deutschland im Bereich betriebliche Software eine monopolartige Stellung, zitiert die Zeitung Sergio Giacoletto, Executive Vice President von Oracle Europe. Man werde sich deshalb beim Mittelstandsgeschäft im Kern auf andere Länder konzentrieren.

Der Mittelstand ist hart umkämpft. Die Hoffnung auf lukratives Wachstum ruft neben zahlreichen kleineren Unternehmen auch die großen Softwareentwickler wie SAP, Microsoft, Oracle und Peoplesoft  auf den Plan. Allerdings gilt der Aufwand für Vertrieb und Marketing als hoch, da sich die Unternehmen schwer tun, in ihre IT zu investieren.

Doch Branchenkenner kritisieren auch, dass den großen Softwarehäusern häufig das Branchenwissen fehle. Auch agierten sie nicht zielgruppengerecht. Darüber hinaus hätte der Mittelstand nach drei schwachen Jahren nur wenig Geld übrig. So erwarten die Marktforscher Meta Group beispielsweise auch, dass der Mittelstand vermehrt IT-gestützte Bereiche auslagern wird.

Für Microsoft ist der Markt für Unternehmenssoftware noch relativ neu. Erst Mitte 2002 übernahm der Redmonder Konzern den dänischen Softwarespezialisten Navision, um mit ihm den europäischen Markt zu erobern. Kagermann sagte dem "Handelsblatt", derzeit sei SAP beim Preis zwar noch gegenüber Microsoft konkurrenzfähig. Der US-Wettbewerber, der sich lange Zeit vor allem auf Betriebssysteme und Büroanwendungen konzentriert hat, sei mittlerweile aber beim Kampf um den Mittelstand ein sehr ernst zu nehmender Wettbewerber.

Der SAP-Vorstand bekräftigte, dass das Unternehmen rund 1500 neue Arbeitsplätze schaffen wolle. Die meisten der Stellen entstünden aber in den USA, Indien und Asien im Bereich der Forschung und Entwicklung. Im Geschäftsjahr 2003 erzielte der Walldorfer Softwarekonzern SAP sieben Milliarden Euro Umsatz. In mehr als 50 Ländern hat er etwa 30.000 Mitarbeiter.

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