Vodafone Erst Mannesmann, nun AT&T Wireless?

Die Gerüchte kursierten schon lange, nun bestätigt der weltgrößte Mobilfunkanbieter offiziell, einen Einstieg bei dem US-Mobilfunkspezialisten AT&T Wireless zu prüfen. Noch bis Ende der Woche hat der Konzern Zeit, ein Gebot abzugeben.

London - Die britische Vodafone Group Plc.  erwägt eine Übernahme von AT&T Wireless . In einer Stellungnahme des weltgrößten Mobilfunkkonzerns vom Montag heißt es, das Unternehmen verfolge die Entwicklungen auf dem US-Markt weiter. Auch werde untersucht, ob eine Transaktion des zum Verkauf stehenden US-Mobilfunkkonzerns AT&T Wireless im Interesse der eigenen Aktionäre sei.

Vodafone reagiert damit auf Presseberichte, die besagten, der Konzern wolle am Montag ein Gebot für AT&T Wireless abgeben. "Vodafone hatte nur zwei Möglichkeiten darauf zu reagieren", kommentiert ein Branchenkenner gegenüber manager-magazin.de. "Entweder sie sagen, es ist alles falsch oder sie bestätigen, dass sie die Übernahme prüfen."

Zum Hintergrund: Vodafone ist derzeit mit einer 45-prozentigen Beteiligung an Verizon Wireless auf dem US-Markt vertreten. Das Gemeinschaftsunternehmen mit dem Telefonkonzern Verizon ist US-Marktführer und gilt als lukratives Finanzinvestment von Vodafone.

Unzufrieden mit Verizon Wireless

Trotz guter Dividenden, die Verzion Wireless alljählich beschert, wird den Briten nachgesagt, mit ihrem US-Engagement unzufrieden zu sein. Zum einen da Vodafone nicht mit dem eigenen Markennamen in den USA auftritt, und zum anderen, da Verizon Wireless einen anderen Mobilfunkstandard nutzt als der weltgrößte Mobilfunkanbieter. So können Vodafone-Kunden beispielsweise aus Deutschland bei einem Besuch in den USA nicht auf das Netz von Verizon Wireless gelenkt werden, sondern müssen auf die Angebote von T-Mobile oder AT&T Wireless zurückgreifen. Grund ist, dass in Europa der Mobilfunkstandard GSM genutzt wird, Verizon Wireless aber die Technik CDMA einsetzt.

Vodafone kann nun im Sommer eine vertraglich vereinbarte Ausstiegsoption bei Verizon Wireless ziehen. Verhandlungen mit dem Mehrheitsgesellschafter Verizon stünden damit sowieso an, sagt ein Experte. Dass auch über mögliche Ausstiegsmodalitäten verhandelt wird, gilt als wahrscheinlich. Ein Ausstieg könnte rund 20 Milliarden Dollar in Vodafones Kasse spülen, schätzen Kenner. Beide Partner sollen aber auch darüber sprechen, wie es weiter gehen könnte, sollten die Briten bei AT&T Wireless nicht zum Zuge kommen.

Gebote bis zu 35 Milliarden Pfund?

Gebote bis zu 35 Milliarden Pfund?

Noch habe sich Vodafone nicht endgültig entschieden, welchen Weg der Konzern einschlagen wird, heißt es. Experten von Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW) halten ein Angebot der Briten für AT&T Wireless indes für unwahrscheinlich und räumen den Mitbewerbern größere Chancen ein. Doch herrscht in der Branche Uneinigkeit. Am Sonntag zitierte die britische Zeitung "Sunday Telegraph" einen Vodafone-Manager mit der Aussage, die Chancen für eine Übernahmeofferte an AT&T Wireless stünden bei 55 Prozent.

Vor rund einer Woche hatte Vodafone noch Berichte als Spekulation zurückgewiesen, der Konzern habe Finanzberater damit beauftragt, ein Schriftstück aufzusetzen, um Investoren von einer Offerte für AT&T Wireless zu überzeugen. Diese zeigten sich bislang allerdings eher skeptisch.

Kampf mit Cingular und NTT Docomo

Über die Höhe einer möglichen Offerte für AT&T Wireless kann nur spekuliert werden. So schreibt "The Sunday Times" von 20 Milliarden britischen Pfund (GBP), die Vodafone bieten wolle. Vom "Wall Street Journal" befragte Analysten rechnen sogar mit rund 35 Milliarden Pfund, womit der britische Mobilfunkkonzern ein informelles Gebot des US-Konkurrenten Cingular Wireless deutlich übertreffen würde. Das US-Unternehmen soll etwa 30 Milliarden Dollar geboten haben.

Neben Cingular, ein Gemeinschaftsunternehmen von SBC Communications (San Antonio) und Bell South (Atlanta), und Vodafone interessiert sich Presseberichten zufolge auch der japanische Mobilfunkspezialist NTT Docomo für AT&T Wireless. NTT ist bereits an dem US-Unternehmen beteiligt. Experten vermuten jedoch, dass die Japaner nur den Preis in die Höhe treiben wollen. Auch der Deutschen Telekom  wurde kurzzeitig Interesse nachgesagt. Doch machte Konzernchef Kai-Uwe Ricke vor ein paar Tagen deutlich, dass er kein Gebot abgeben werde.

Noch steht die Reihe der Bieter also nicht fest. Das Management und die Belegschaft von AT&T Wireless haben dem "Wall Street Journal" zufolge schon mal eine Vorauswahl getroffen. Wie die Zeitung berichtet, werde ein ausländischer Käufer lieber gesehen als der US-Wettbewerber Cingular. Kein Wunder, denn die Belegschaft rechnet im Zuge einer Fusion mit weit reichenden Entlassungen. Cingular habe bereits durchblicken lassen, im Falle einer Übernahme bei AT&T Wireless Veränderungen in Schlüsselpositionen vornehmen zu wollen, heißt es.

Gelingt Vodafone der Kauf von AT&T Wireless, wäre das für die Briten der größte Deal seit der Übernahme von Mannesmann vor vier Jahren.