TV-Kabel Kabel Deutschland wirft das Netz aus

Die TV-Kabelbranche steht vor einem Umbruch. Der größte Anbieter Kabel Deutschland möchte nach Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg expandieren. Die Medienanstalten stehen dem Vorhaben jedoch kritisch gegenüber, sie befürchten eine Einschränkung des Wettbewerbs.

München - Es ist noch keine drei Jahre her, dass die Deutsche Telekom  ihr TV-Kabelnetz in einzelnen Teilen verkaufte. Was früher ein zusammengehörendes Netz war, wurde in vier Bereiche unterteilt und schrittweise an verschiedene Investoren verkauft.

Der größte Anbieter Kabel Deutschland GmbH (KDG), der in allen Bundesländern vertreten ist außer Nordrhein-Westfalen (Ish), Baden-Württemberg (Kabel BW) und Hessen (Iesy), drängt nun verstärkt auf einen Zusammenschluss mit den kleineren Netzbetreibern. Zusammen versorgen die Netzbetreiber rund 20 Millionen Haushalte in Deutschland mit Fernseh- und Radioprogrammen. Über 2,5 Milliarden Euro will die KDG angeblich für den Kauf investieren.

Während der KDG-Chef Roland Steindorf auf ein schnelles Zusammengehen drängt, wird Ish-Geschäftsführer James Bonsall nicht müde zu erklären, dass sich das Unternehmen die nötige Zeit nehme, um zu entscheiden, ob der Kabelnetzbetreiber besser selbstständig bleibe oder sich mit einem strategischen Partner zusammenschließe. Bis Ende März will sich das Unternehmen entschließen.

KDG vor der Übernahme von Ish?

Verschiedene Interessenten haben sich bei Ish gemeldet, ganz weit vorne stehen die KDG-Gesellschafter Goldman Sachs, Apax und Providence. Eine Ish-Sprecherin bestätigte dem "Handelsblatt", dass das Unternehmen mit der KDG exklusive Verhandlungen führe. Kabel Deutschland sei derzeit dabei, Zukäufe abzuschließen, heißt es auch in Branchenkreisen. KDG-Sprecherin Kathrin Kleinjung wollte den Bericht gegenüber manager-magazin.de nicht kommentieren.

Wann und ob mit einer Einigung zu rechnen ist, ist also weiter offen. Ein Vertrag sei noch nicht unterschrieben, heißt es. Auch Kabel-BW-Geschäftsführer Georg Hofer hält sich im Gespräch mit manager-magazin.de mit Kommentaren zurück.

Steindorf erhofft sich von einem Zusammenschluss weitreichende Synergieeffekte, insbesondere was die technische Ausstattung sowie die Inhalte angeht. So speist Ish beispielsweise bereits seit November vergangenen Jahres 56 zusätzliche Fernseh- und 47 zusätzliche Hörfunkprogramme in sein Kabelnetz, die Kunden über eine spezielle Set-Top-Box empfangen können. KDG hat Vergleichbares für Ende 2004 angekündigt. Derzeit laufen bereits Pilotprojekte mit Angeboten für schnelle Internetverbindungen.

Wettbewerb gefährdert?

Branchenkenner befürchten indes bei einem Zusammenschluss der Kabelnetzbetreiber Kartellprobleme. Schon einmal hatten die Wettbewerbshüter den Verkauf des Kabelnetzes untersagt, als Liberty Media das Netz der Deutschen Telekom abkaufen wollte. Ihre Bedenken gründeten darauf, dass das US-Unternehmen Netzbetreiber sowie Inhalteanbieter und -produzent zugleich war.

Bei KDG hat man diese Bedenken offenbar nicht. So sei das Unternehmen kein Inhalteanbieter, sagte ein Branchenkenner gegenüber manager-magazin.de. KDG sehe sich vielmehr als Vermittler von Inhalten. Zu einem großen Netzbetreiber zusammengeschlossen hoffe der TV-Kabelnetzbetreiber, vor allem gegenüber den DSL-Angeboten der Deutschen Telekom schlagkräftiger agieren zu können. Mehr Konkurrenz fürs Breitband, so die Formel, könnte im Sinne der Wettbewerbshüter sein.

Anderer Meinung sind allerdings die Landesmedienanstalten. Sie sehen bei der Übernahme weiterer Kabelgesellschaften durch die KDG den Wettbewerb und die Vielfalt gefährdet. Wenn der jetzt bereits größte deutsche Kabel-TV-Betreiber die übrigen Kabelnetze in Baden-Württemberg, Hessen und vielleicht auch Nordrhein-Westfalen übernehme, könne dies die Programmvielfalt beeinträchtigen, erklärte die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten am Freitag in Kassel.