US-Online-Wahl Pentagon stoppt E-Voting

Bei der nächsten US-Präsidentschaftswahl wollte die USA erstmals die Wahl per Internet zuslassen. 100.000 Soldaten sollten ihre Stimme online abgeben. Doch jetzt wird das Prestigeprojekt sang und klanglos begraben.

Washington - Die unzuverlässig arbeitenden Wahlmaschinen bei der letzten Präsidentenwahl sind noch in guter Erinnerung. Weil man im Pentagon ein ähnliches Desaster bei der Wahl im November fürchtet, wurden die großspurig angekündigte Online-Stimmabgabe für außerhalb der USA stationierte Soldaten nun abgesagt. Es habe Sicherheitsbedenken gegeben, hieß es.

Die Entscheidung zum Stopp des Wahlprojekts traf nach Angaben eines Pentagon-Vertreters Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz, nachdem ihm Mitarbeiter klar gemacht hätten, dass die Legitimität der Stimmabgabe nicht sichergestellt werden könne. Das System bringe "Zweifel an der Integrität der Wahlergebnisse", schrieb Wolfowitz in einem internen Memo.

Am 21. Januar hatten von der Regierung bestellte Sicherheitsexperten empfohlen, das Wahlsystem noch vor seiner Einführung abzuschaffen, weil es löchrig sei. Das Secure Electronic Registration and Voting Experiment" (Serve) sei mit so vielen systeminhärenten Sicherheitsrisiken behaftet, dass es das Vertrauen in die Präsidentenwahl insgesamt in Frage stelle. Durch Serve verursachte Störungen der Wahl könnten "katastrophale Auswirkungen auf das öffentliche Vertrauen in Wahlprozesse", schrieben die Gutachter.

Geplant war, dass zunächst nur 100.000 der rund sechs Millionen US-Bürger, die im Ausland leben, an der Wahl teilnehmen. Dabei handelt es sich vor allem um Soldaten und ihre Angehörigen. Die Kosten des nun begrabenen Projekts bezifferte das Pentagon mit 22 Millionen Dollar.