IDS Scheer "Der Schalter wird nicht einfach umgelegt"

Der IT-Dienstleister brillierte mit einem starken Wachstum im Jahr 2003. Auch in diesem Jahr soll es weiter aufwärts gehen. manager-magazin.de sprach mit den beiden Vorstandssprechern Helmut Kruppke und Ferri Abolhassan über ihre Pläne für 2004.

mm.de:

Das vergangene Jahr hat IDS Scheer  mit Bravour gemeistert. Das ging nicht allen IT-Unternehmen so. Was waren Ihre Hauptwachstumsfelder?

Kruppke: Das Hauptwachstumsfeld war eindeutig die sehr gute Entwicklung im Ausland, das wir weiter ausgebaut haben. In diesem Bereich haben wir unser zweistelliges organisches Wachstum geschafft. Zusätzlich hatten wir aber auch ein anderes Unternehmen übernommen, bei dem wir nicht nur fähig waren, es zu bezahlen, sondern auch zu integrieren.

mm.de: Sie meinen die Übernahme von Geschäftsbereichen der Plaut-Gruppe und den Kauf der französischen Experte Groupe?

Kruppke: Ja genau, diese beiden Unternehmen haben uns im Ausland signifikant verstärkt. Und dass das geklappt hat, darauf bin ich stolz, denn das schafft nicht jedes Unternehmen.

mm.de: Sie schließen weitere Akquisitionen nicht aus. Wo und wen wollen Sie übernehmen?

Abolhassan: Wir wollen in Russland und China unseren Markt erweitern. Das kann unter Umständen durch weitere Zukäufe erfolgen, ist aber kein Muss. Wir führen dazu derzeit mit Partnern und Unternehmen konkrete Gespräche. Eine Entscheidung, ob wir kaufen oder uns ohne Akquisitionen verstärken, ist noch nicht gefallen.

mm.de: Bis wann werden Sie sich entscheiden?

Abolhassan: Wir achten bei den potenziellen Unternehmen sehr stark auf die Profitabilität. Das heißt, wir beobachten sie eine Zeit lang, ob sie die Vorgaben, die sie gemacht haben, auch erfüllen können. Ich rechne aber damit, dass wir im ersten Halbjahr über die eine oder andere kleinere Akquisition sprechen werden. Allerdings ist das nicht nur auf Russland und China beschränkt, es kann auch sein, dass wir in Deutschland zukaufen. Aber das ist weniger konkret.

Wer ist die Braut?

Wer ist die Braut?

mm.de: Nach welchen Unternehmen halten Sie Ausschau?

Abolhassan: Es geht dabei immer um das Thema Business Process Management (BPM), das derzeit eine große Nachfrage erfährt. Sprich, wir halten vor allem nach Unternehmen Ausschau, die unser Angebot ergänzen. Es kann aber auch mal hier und da ein Beratungsunternehmen sein.

mm.de: Ihre Wachstumsmärkte sind im Ausland. Wie groß ist der Anteil am Umsatz, und wie wird sich der deutsche Markt künftig entwickeln?

Kruppke: Wir erwarten, dass das Ausland 2004 einen Anteil am Umsatz von 65 Prozent ausmachen wird. Besonders viel versprechend stellt sich das US-Geschäft dar. Für Deutschland rechne ich im ersten Halbjahr dagegen nicht mit signifikantem Wachstum, auch wenn mittlerweile viel vom Aufschwung geschrieben wird. Wir brauchen diese Stimmung. Allerdings werden die Unternehmen, die sich bisher zurückgehalten haben, nicht einfach den Schalter umlegen. Wir sind dennoch zuversichtlich, dass wir ebenfalls in Deutschland organisch wachsen können.

mm.de: Effekte erwarten Analysten auch von der neuen Partnerschaft mit SAP, die Sie im vergangenen Jahr bekannt gegeben haben. Ihre BPM-Software Aris soll mit SAPs Netweaver ausgeliefert werden.

Kruppke: Ja, die Kooperation mit SAP wird unseren Umsatz in den USA, in Osteuropa und auch in Deutschland anschieben. Das entsprechende Produkt wird ab 2005 auf dem Markt sein, aber wir werden schon in diesem Jahr von einer erhöhten Aufmerksamkeit profitieren.

mm.de: Was erwarten Sie von der EU-Erweiterung in diesem Jahr?

Abolhassan: Wir sind in Osteuropa bereits präsent, aber wir rechnen auf jeden Fall mit einem weiteren positiven Umsatzschub. Durch die Osterweiterung werden zusätzliche Subventionen fließen, und davon können wir profitieren.

mm.de: Viele Unternehmen verlagern Arbeitsplätze ins kostengünstigere Osteuropa. Inwieweit spielt das auch für Sie eine Rolle?

Abolhassan: Wir nutzen bereits Kompetenzen und Kapazitäten in Osteuropa, sei es in Ungarn oder Polen. Das heißt, wir realisieren dort bestimmte Teile eines Projektes kostengünstiger, sofern sich Bereiche abkapseln lassen. In den nächsten drei bis vier Jahren wollen wir uns dort auf jeden Fall verstärken. Langfristig wird sich das Lohnniveau in den wachsenden Ökonomien allerdings anpassen.

mm.de: Planen Sie, Arbeitsplätze nach Osteuropa zu verlagern?

Abolhassan: Wir werden sicherlich unsere Nearshore-Angebote ausweiten. Aber wir wollen keine Arbeitsplätze nach Osteuropa verlagern, denn wir wollen die Kunden vor Ort betreuen. Deutschland ist für uns nach wie vor der wichtigste Markt, auch wenn der Anteil am Umsatz nicht mehr so groß ist.

mm.de: Ihre Partnerschaft mit SAP wird also eine neue Dimension annehmen. Der Software-Konzern ist bereits mit 2,5 Prozent an IDS Scheer beteiligt. Wie eng könnte die Zusammenarbeit mit SAP noch werden?

Kruppke: Sie meinen, ob SAP  seinen Anteil an IDS Scheer erhöhen möchte? SAP war mal mit einem höheren Anteil an uns beteiligt, aber hat die Beteiligung in der Vergangenheit reduziert. Gleichzeitig wurden die Kooperationen ausgebaut. Die Situation könnte unserer Meinung nach nicht besser sein. Wir sind befreundete Unternehmen, nicht zuletzt weil August-Wilhelm Scheer im Aufsichtsrat von SAP sitzt.

Ob das Walldorfer Unternehmen jedoch seinen Anteil wieder aufstocken oder es irgendwann mal Gespräche über eine Übernahme geben könnte, möchte ich nicht kommentieren. Das ist reine Spekulation. Das heißt aber nicht, dass wir vielleicht irgendwann einmal langfristige Perspektiven diskutieren werden.