Fußball-WM 2006 Der gläserne Fan

Die Vorbereitungen für die Weltmeisterschaft laufen auf Hochtouren. In Planung: Die Eintrittskarten für die WM sollen mit RFID-Chips ausgestattet werden, mit denen die einzelnen Ticketträger identifiziert werden können. Was halten Sie davon? Stimmen Sie ab!

Frankfurt - Es sind noch 873 Tage bis zum Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. In Berlin, Dortmund, Frankfurt, Gelsenkirchen, Hamburg, Hannover, Kaiserslautern, Köln, Leipzig, München, Nürnberg und Stuttgart sollen sich die besten Mannschaften miteinander messen. Doch bis dahin ist noch jede Menge zu tun.

"Alle Stadien liegen voll im Zeitplan", bestätigte Horst R. Schmidt, Vizepräsident des Organisationskomitees Fifa WM 2006 am Freitag. Noch wird allerdings gewerkelt und gehämmert, 2006 sollen die Spielstätten im vollem Glanz erscheinen. 60 fest angestellte Mitarbeiter gehören dem Organisationsteam mittlerweile an, mehr als 150 sollen es nicht werden, heißt es. Sie sollen für den reibungslosen Ablauf der Spiele sorgen.

Der vorläufige Plan, wo welche Gruppenteams spielen, steht inzwischen fest. Auch auf die Höhe der Eintrittspreise hat sich die Fifa festgelegt. Bald soll entschieden werden, wer das offizielle Poster gestalten darf, die Ausschreibung soll demnächst erfolgen. Das WM-Maskottchen entwickelt bereits die Jim Henson Company (Erfinder der Muppet-Show).

RFID-Chips im Ticket

Alles im Plan, also. Positive Aussichten für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zeigt auch eine Prognose der Ruhr-Universität Bochum und des Berliner Kommunikationsunternehmens Wegweiser auf. Die Meisterschaft soll sich demnach kurz- und mittelfristig positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland auswirken.

Die Hochschule rechnet mit Gesamtinvestitionen von bis zu zehn Milliarden Euro. Bis 2010 soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dank der Fußball-WM sogar um circa 7,98 Milliarden Euro steigen, bis dahin könnten bis zu 3850 Dauerarbeitsplätze durch die WM entstehen.

Berlin: Im Olympiastadion entscheidet sich, wer Weltmeister 2006 wird

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Foto: FIFAworldcup.com
Frankfurt: Das neue Waldstadion entsteht an der Stelle des "alten" Stadions in der Mainmetropole

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Foto: FIFAworldcup.com
Gelsenkirchen: Auf Schalke ein Pilotprojekt

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Foto: FIFAworldcup.com
Hannover: Das Niedersachsenstadion von 1954

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Foto: FIFAworldcup.com
Kaiserslautern: Das "Fritz-Walter-Stadion" wurde 1920 erbaut

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Foto: FIFAworldcup.com
Stuttgart: Hier kicken die Teams im kleinen Finale um den dritten und vierten Platz

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Foto: FIFAworldcup.com


Die Fußballstadien:
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Wohlklänge im arg gebeutelten Deutschland. Ganz im Sinne der gepriesenen "Innovationen" haben sich die Organisatoren auch technisch etwas vorgenommen. Höchster Standard, heißt die Devise. Das gilt auch für die Eintrittskarten. Sie sollen in Zusammenarbeit mit Philips Semiconductor mit den so genannten RFID-Chips versehen werden, die die Metro  und der US-Einzelhändler Wal-Mart  seit kurzem für ihre Logistik einsetzen, aber auch bei der Londoner U-Bahn zum Einsatz kommt.

RFID steht für die Abkürzung Radio Frequency Identification. Die Chips funken Informationen an bis zu sechs Meter entfernte Sensoren. Produkte, Waren und Personen können so jederzeit lokalisiert werden. Da die Eintrittskarten nur per Internet oder Telefon zu bestellen sind und somit per Post bei den glücklichen Besitzern ankommen, könnten die einzelnen Tickets sogar den Käufern zugeordnet werden.

Mit der neuen Technik - eine Revolution für die Logistik - will das WM-Organisationsteam aber zum einen den Schwarzhandel eindämmen, zum anderen sollen auch Fälscher abgehalten werden, Karten nachzumachen. Gleichzeitig könne verhindert werden, dass Tickets an bekannte Gewalttäter verkauft werden, heißt es weiter.

Doch die RFID-Chips bieten mehr, wie Datenschützer warnen: Die kleinen Sender eignen sich auch zum Aktivieren von Videoüberwachungskameras und ermöglichen gleichsam als Peilsender die Verfolgung von Kunden beziehungsweise Stadionbesuchern, ohne dass ein direkter Kontakt erfolgt. IT-Experten weisen darauf hin, dass auch mit Magnetstreifen Kameras in Gang gesetzt werden könnten. Doch der Weg zum gläsernen Fußballfan scheint geebnet.

Dass die Sicherheit der Spiele so hoch gewertet wird, dürfte jedoch ganz im Sinne von Bundespräsident Johannes Rau sein. Der hatte am Donnerstag an die Verantwortlichen und Fans appelliert, Deutschland müsse sich als "modernes, weltoffenes Land" präsentieren. Bilder deutscher Hooligans, die wie 1998 während der Fußball-WM in Frankreich den Gendarmen Daniel Nivel lebensgefährlich verletzten, wünscht sich hier niemand.

Dennoch, für die Datenschützer dürfte der RFID-Einsatz auf der WM 2006 mit Sicherheit noch mal ein Thema werden.