Downloadbörsen Der ganz legale Weg

MP3- und DVD-Player haben ihren Platz in den Wohnzimmern gefunden. Doch wie kommen nun die Nutzer auf legale Art und Weise an die Musik und Filme? Im Internet tummeln sich eine ganze Menge Download-Shops, die kaum bekannt sind: manager-magazin.de weist den Weg - und nennt Preise.
Von Thomas Jungbluth

Hamburg - Die Film- und Musikindustrie ist eine gebeutelte Branche, und Schuld daran trägt nicht zuletzt das Internet: Seit 1999 schießen die P2P-Börsen ins Kraut, und der "kostenlose" Download ist für Millionen Menschen weltweit zur Normalität geworden. Verschärft wurde die Misere dadurch, dass die Industrie selbst lange keine legale Alternative anbot.

Das ist zum Glück inzwischen anders. Eine ganze Reihe Anbieter offerieren auch in Deutschland bereits Musik legal zum Download - zum "Vorhören", Runterladen und sogar zum Brennen. Auch für das neueste Video muss man nicht mehr das Haus verlassen, denn es gibt bereits zwei große "virtuelle Videotheken".

Kostenfrei geht es bei den Portalen jedoch nicht - wer daran teilhaben möchte, muss ein Konto oder eine Kreditkarte besitzen. Damit wird entweder jeder Abruf einzeln bezahlt, oder man richtet sich ein Guthaben ein, von dem jeder Download abgezogen wird. Das ist zum Teil sogar mit saftigen Preisvorteilen verbunden.

Eingeschränkte Lizenzen

Was kostet der Spaß? Für den Download von Musikstücken hat sich weltweit das Eins-für-eins-Modell durchgesetzt, also knapp einen Euro beziehungsweise Dollar (nämlich 99 Cent in der jeweiligen Währung) pro Song pro Download. Bei Videos orientieren sich die Preise an dem, was in Videotheken für DVDs oder Kassetten zu zahlen ist: etwa drei bis vier Euro für einen aktuellen Film, der dann über einen bestimmten Zeitraum angeschaut werden kann.

Im Gegensatz zu amerikanischen Angeboten (Apple  Music Store) kann der Kunde in Deutschland nach dem Kauf leider nicht immer frei bestimmen, was mit dem Inhalt geschieht. Songs und Videos dürfen zumeist nur angehört werden, wenn eine Online-Verbindung besteht. Bei Musikstücken ist unter Umständen das kontrollierte Brennen auf CD gestattet. Videos können dagegen nur über den computereigenen Mediaplayer angeschaut werden, und dazu hat der Anwender nur 24 Stunden Zeit.

Das ganze rechnet sich sowieso nur, wenn eine schnelle Internetverbindung (DSL oder Kabel) mit pauschaler Monatsabrechnung besteht. Kunden mit ISDN- oder Modem-Einwahlverbindung zahlen sonst deutlich mehr als beim Kauf im Laden. Rechnet man 1,9 Cent je Minute, dann zahlt der Anwender pro Vierminutenstück etwa 20 Cent Aufpreis. Und statt 20 Sekunden (DSL 756 KBit) dauert der Download etwa drei bis vier Minuten. Video On Demand ist ohne DSL sowieso nicht zu haben.

Media Markt ist auch nicht blöd

Media Markt ist auch nicht blöd

Neben Karstadt und T-Online , die bereits seit letztem Jahr "am Netz" sind, springen immer mehr Anbieter auf (siehe Linkverzeichnis). So ist auch der Media Markt nicht blöd und offeriert nach eigenen Angaben 220.000 Titel für den Direktkauf.

Bei allen derzeit auf dem deutschen Markt agierenden Anbietern gilt der Einheitspreis von 99 Eurocent je herunter geladenem Titel - allerdings nur für die kurzen Stücke. Was länger dauert, schlägt schnell mit bis zu 1,89 Euro zu buche. Abgerechnet wird per Vorkasse, es können "Prepaid-Pakete" erworben werden. Je mehr Geld vorher eingezahlt wird, umso größer ist der Rabatt.

Virtuelle Videotheken

Bei Karstadt etwa kosten nach Erwerb des 75 Euro-Pakets die Songs nur noch 75 Cent bis 1,19 Euro. Abgerechnet wird nach "Punkten". Das Angebot bei Karstadt wird durch BMG, EMI Group , Warner Music und Universal Music versorgt. Sony Music fehlt dagegen. Die sind dafür beim Mitbewerber T-Online mit im Boot, hier fehlt allerdings Universal. Bezahlt wird beim rosa Riesen über die T-Online-Rechnung (für Mitglieder) oder per Kreditkarte. Allerdings sind die Preise hier und beim Media Markt, bei MTV und bei WOM deutlich höher als bei Karstadt.

Alle Musikportale in Deutschland bieten ihre Songs nicht als MP3 an, sondern setzen auf das Windows-Media-Format - damit der Kunde auch ja nicht eine Kopie zuviel anfertigt. Karstadt verweist jedoch darauf, dass für das Abspielen zwar der Windows Media Player 9 erforderlich ist, der zuvor die Rechte abfragt, aber der Kunde unbegrenzt viele Kopien auf CD brennen darf. Bei anderen (T-Online, MTV, Media Markt) gibt es dagegen nur eingeschränkte Rechte, die sich auch nach dem bezahlten Preis richten - bei drei erlaubten Kopien ist der Titel teurer als bei nur einer.

AOL sitzt ebenfalls in den Startlöchern und geht wahrscheinlich Anfang nächsten Jahres mit einem eigenen Shop an den Start. Anders als bei Musicnet in den USA sollen darin auch Nichtmitglieder "shoppen" können. Über Preise wollte AOL noch nichts sagen, aber man orientiere sich am Mitbewerb, so ein Unternehmenssprecher.

Auf dem Sofa sitzt Cosma-Shiva Hagen und schaut "Der Schuh des Manitu" über ihr Notebook. Möglich macht das "Video on demand" - sie lebt ja online, wie der Werbespot behauptet. Anbieter solcher Video-on-demand-Services sind zur Zeit Arcor und T-Online. Letztere lassen allerdings nur Kunden mit T-DSL und T-Online-Kennung zuschauen.

Für den Betrag von drei bis vier Euro darf ein Film 24 Stunden lang beliebig oft gestartet werden. Konservieren für später ist nicht möglich - es sei denn über einen herkömmlichen Videorecorder (gerne auch Festplatte oder DVD-Recorder), der am analogen Video-Ausgang der Grafikkarte beziehungsweise des Notebooks angeschlossen wird. Digital kopiert werden darf aber nichts, und auf DVD gebrannt werden erst recht nicht.