Werbeagenturen Kampf um die guten Sitten

Nachdem Holger Jung, Geschäftsführer von Jung von Matt, der Agentur BBDO rechtliche Schritte androhte, weil das Unternehmen angeblich mit unmoralischen Angeboten arbeitete, erwägt nun auch BBDO-Chef André Kemper, vor Gericht zu ziehen.

Düsseldorf - "Das sprengt jeden Rahmen", wetterte jüngst Holger Jung, Geschäftsführer der Werbeagentur Jung von Matt (JvM) und zugleich Präsident des Branchenverbandes GWA. Das sei eine Sache der Hygiene, ansonsten würden bald alle Dämme brechen.

Holger Jung regte sich auf im "Spiegel" und Branchenblatt "Kontakter", denn was ihm zu Ohren gekommen war, wollte er nicht hinnehmen. Jüngst traf sich sein Kompagnon Jean-Remy von Matt mit der Geschäftsführung des Autovermieter Sixt. Erich Sixt habe ihm selbst von einem Angebot des Werbeprimus BBDO erzählt, drei Jahre gratis für ihn zu arbeiten. Zudem wolle die Agentur einen Teil der Kosten tragen, um JvM auszuzahlen. Ein schwerer Vorwurf, Jung erwägt juristische Schritte.

BBDO wehrt sich indes. "Alles Quatsch", sagte bereits BBDO-Chef Hubertus von Lobenstein. André Kemper, der im vergangenen Jahr von Springer & Jacoby zu BBDO wechselte, wehrt sich ebenfalls gegen die Vorwürfe. Auch er überlegt, juristische Schritte einzuleiten, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Von "massiver Rufschädigung" ist die Rede.

Mittlerweile hat sich auch der Gesamtverband der Werbeagenturen in Deutschland (GWA) eingeschaltet. Sein Ziel: Vermitteln. Doch das erweist sich als problematisch, denn auf der einen Seite steht Jung von Matt, seines Zeichen GWA-Präsident, zum anderen sitzt BBDO mit seinem scheidenden Rainer Zimmermann im Präsidium der Gemeinschaft.

Kemper bestätigte der Zeitung, dass die Agentur sich um den Etat von Sixt bemüht habe. "Wir haben eine Kampagne im Bereich Flughafen-Promotion entwickelt." Dies sei auf Wunsch von Sixt geschehen, so der geschäftsführende Gesellschafter von BBDO. Ein Honorar habe die Agentur nicht verlangt, denn Sixt sei bei einer Tochter bereits Kunde. Wie die Zeitung schreibt, habe ein Unternehmenssprecher von Sixt gesagt, die Konditionen von BBDO seinen "sehr attraktiv" gewesen. Den Sixt-Werbeetat hat sich dennoch JvM wieder ergattert. Der neue Vertrag läuft bis 2005.