Zeugen-Befragung Leo Kirchs Sohn hat Startprobleme

Welche Rolle spielte der Sohn des ehemaligen Medien-Moguls Leo Kirch in dessen Geschäftsstrategie? Der Staatsanwalt will nach einem Medienbericht seit Monaten mit dem Kirch-Filius sprechen. Doch der ziert sich offenbar vor den Fragen nach Millionen-Darlehen und Firmen-Einkünften.

München - Der Sohn des gescheiterten Medienunternehmers Leo Kirch, Thomas Kirch, ist zu einem Gespräch mit der Münchner Staatsanwaltschaft über die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bereit.

Thomas Kirch habe bereits vor Wochen in einem Brief an die Staatsanwaltschaft erklärt, auf Wunsch könne er jederzeit aus den USA nach Deutschland zurückkommen, hieß es am Sonntag in Kirch-Kreisen. Das gelte weiterhin. Er müsse nur wissen, wann und wohin er kommen solle.

Das Nachrichtenmagazin "Focus" hatte berichtet, die Staatsanwaltschaft München versuche im Ermittlungsverfahren wegen Untreue gegen Thomas Kirch bislang vergeblich, den Sohn des Medien- Unternehmers zu vernehmen. Einer ersten Einladung der Staatsanwaltschaft sei er nicht gefolgt.

Anhörung in Sachen Untreue

Ende November hatte ein Anwalt von Thomas Kirch in dem Schreiben an die Münchner Staatsanwaltschaft erklärt, dieser wolle bald zum Vorwurf der Untreue Stellung nehmen. Auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft würde sich sein Mandant "kürzestfristig hier in der Bundesrepublik zur Verfügung halten, ohne dass es irgendwelcher weiterer Überlegungen der Staatsanwaltschaft bedarf".

Thomas Kirch hält sich derzeit in den USA auf. Dort besitzt der 45-Jährige dem Bericht zufolge ein Ferienhaus an der Atlantikküste und eine Wohnung in Boston.

Münchens Leitender Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld sagte nun dem "Focus": "Wir würden ihn gerne befragen, wenn wir die Möglichkeit dazu hätten." Die Staatsanwaltschaft will dem Bericht zufolge US-Behörden um Rechtshilfe ersuchen, sollte sich Kirch-Junior nicht freiwillig einem Verhör stellen. Dies ist nach Angaben aus Kirch-Kreisen aber nicht notwendig.

Frage nach Darlehn über 133 Millionen Euro

Vom Insolvenzverwalter des zusammengebrochenen Kirch-Imperiums habe Kirch junior einen umfangreichen Katalog mit Fragen zu Einkünften aus Firmen seines Vaters und zu Darlehen über 133 Millionen Euro erhalten, hieß es. Der ebenfalls beschuldigte langjährige Kirch-Anwalt Joachim Theye habe sich in Zürich den Fragen der dortigen Bezirksanwaltschaft gestellt.

Keine Ermittlungsverfahren plant die Staatsanwaltschaft dem Blatt zufolge gegen prominente Politiker wie den früheren Bundeskanzler Helmut Kohl und den ehemaligen Bundesfinanzminister Theo Waigel, die als Berater Kirchs jährlich Honorare von mehreren hunderttausend Mark kassiert haben sollen.

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