Siemens Nicht den Anschluss verpassen

Der Münchener Elektronikkonzern hat auf dem Handymarkt Anteile eingebüßt. Um die zurückzuerobern, kündigt Siemens für 2004 29 neue Handymodelle an - ob das aber reicht, um auf Dauer wieder Geld zu verdienen ist fraglich.

München - Im hart umkämpften Handymarkt sucht Siemens  den Anschluss an den Branchenriesen Nokia . Im neuen Jahr wollen die Münchner dem unumstrittenen Marktführer wieder ein kleines Stückchen näher rücken. "Wir wollen stärker wachsen als der Markt", sagt der Chef der Siemens-Mobilfunksparte ICM, Rudi Lamprecht, und kündigt mindestens 29 neue Modelle an.

Doch einige Branchenexperten bezweifeln noch immer, ob der Marktanteil von Siemens groß genug ist, um im Handygeschäft auf Dauer richtig Geld verdienen zu können. Zuletzt konnten die Münchner aber etwas Boden gutmachen.

Weltweit ist Nokia bei Handys mit Marktanteilen von etwa 35 Prozent unangreifbar. "Daran wird sich so schnell auch nichts ändern", ist Axel Burkert, Chefredakteur des Branchen- Portals Xonio.com, überzeugt.

Die Finnen besetzten erfolgreich nahezu jede Nische. "Da sind die Kanäle verstopft." Die wenigen verbliebenen Konkurrenten müssten daher wohl weiter mit der Nokia-Übermacht leben. "Dem FC Bayern darf man ja auch nicht vorwerfen, dass er seit 30 Jahren erfolgreich ist."

Mit wechselndem Erfolg bemüht sich Siemens seit Jahren, zumindest unter den Verfolgern eine gute Rolle zu spielen. Auf Rang zwei liegt traditionell der US-Konzern Motorola , der zuletzt auf gut 15 Prozent kam. Derzeit rangiert Samsung  auf dem dritten Platz. "Was Samsung macht, ist stark", heißt es selbst bei Siemens. Die Koreaner gewinnen mit hochwertigen Modellen Kunden und erzielen so hohe Margen.

Sony Ericsson könnte bis 10 Prozent Marktanteil erreichen

Stark im Kommen ist Sony Ericsson. Nach der Zusammenlegung der Sparten stürzten die Marktanteile zunächst ins Bodenlose. Mittlerweile hat sich Sony Ericsson gefangen und den Marktanteil bei fünf Prozent stabilisiert. 7 bis 10 Prozent sollen es 2004 sein.

Siemens konnte zuletzt mit gut neun Prozent Marktanteil Rang vier behaupten. Im gesamten Geschäftsjahr 2002/03 (30. September) verkaufte der Konzern 39 Millionen Handys, immerhin 18 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Gerade in Westeuropa konnte Siemens zuletzt mit einer Offensive bei billigen und mittelpreisigen Handys auf 17 Prozent Marktanteil stark zulegen.

Ein Vorwurf lautet, Siemens sei bei Handys stets Spätstarter. Mal habe der Konzern zu spät den Trend zu einfachen Prepaid-Geräten erkannt, dann zu spät auf Handys mit eingebauter Fotokamera gesetzt. "Wir waren etwas später dran", räumt Lamprecht mit Blick auf die Kamerahandys ein, "jetzt bin ich aber eigentlich sehr zufrieden mit dem, was wir haben."

"Siemens hat öfters den Markt verschlafen"

Bei UMTS-Telefonen setzte Siemens zum Start in die neue Ära auf modifizierte Handys des Konkurrenten Motorola. Für Lamprecht ist dies aber ein guter Schachzug. Bis UMTS Massengeschäft ist, werde Siemens mit ausreichend eigenen Geräten präsent sein.

Auch Branchenexperte Burker ist überzeugt: "In den vergangenen beiden Jahren hat Siemens bei der Top-Technologie öfters den Markt verschlafen." Neben den eingebauten Kameras hätten auch bei modernen Displays mit vielen Farben die Konkurrenten die Nase vorn gehabt. Hoffnung mache aber das neue Spitzenmodell SX1, das nach mehrmaliger Verschiebung jetzt auf den Markt kommt.

Partner in Asien für schnelleres Wachstum

"Wir sind begeistert, trotz der Verschiebung des Starttermins passt es immer noch sehr gut in die Landschaft." Wenn Siemens im nächsten Jahr Marktanteile gewinnen wolle, müsse der Konzern ein hohes Tempo vorlegen.

In Sachen Geschwindigkeit könnte Siemens möglicherweise ein Partner in Asien helfen. Daher wird immer wieder über ein Gemeinschaftsunternehmen spekuliert, wie es Siemens im Computer-Bereich mit Fujitsu  gegründet hat. Im Gespräch für Handys ist unter anderem die koreanische LG Electronics, hinter Siemens die Nummer 5 auf dem Handy-Weltmarkt.

In einem 50:50-Gemeinschaftsunternehmen könnte Siemens die Handy-Marke erhalten, mittlerweile wichtiges Werbemittel für den Gesamtkonzern. Bei den Entwicklungskosten und auch beim Vertrieb in Asien könnten die Koreaner helfen.

Axel Höpner, dpa

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