ProSiebenSat1 Querelen um Sat1

Alles halb so wild? Der plötzliche Abgang von Sat1-Geschäftsführer Hoffmann und das überraschende Ende der "Harald Schmidt Show" lassen die Senderkette nicht zur Ruhe kommen. Wie geht es bei Sat1 weiter? Schon mehren sich wieder Gerüchte über eine anstehende Entlassungswelle. Doch das Unternehmen dementiert.

München - Es kehrt einfach keine Ruhe ein bei der Sendergruppe ProSiebenSat1 . Nur wenige Tage ist es her, dass der bisherige Geschäftsführer von Sat1, Martin Hoffmann, von Roger Schawinski abgelöst wurde. Dann kündigte Harald Schmidt an, ab kommendem Jahr seine "Schmidt Show" nicht mehr weiterzumachen.

Und nun meldete der "Focus", dass bei der Senderkette eine größere Entlassungswelle anstehe. Bis zu 1000 von insgesamt 3000 Stellen könnten demnach gestrichen werden, hieß es. Zudem habe sich der Aufsichtsrat darauf verständigt, dass auch der ProSieben-Senderchef Nicolas Paalzow gehen solle.

Doch der TV-Konzern dementiert. "Es gibt keinerlei Pläne für Entlassungen im größeren Stil", sagte eine Konzernsprecherin. Es gebe auch keinen Aufsichtsratsbeschluss über die Ablösung von Paalzow.

Dennoch geht die Branche davon aus, dass weitere Veränderungen bei der Sendergruppe bevorstehen. Der von Mehrheitsgesellschafter Haim Saban im Vorstand verankerte Guillaume de Posch soll tiefe Kosteneinschnitte fordern. Das deckt sich mit der Neuausrichtung von Sat1. Der Sender soll zwar angeblich in diesem Jahr auf einen geringen Vorsteuergewinn hinsteuern. Doch gilt der Sender als eines der größten Sorgenkinder in der Familie. Im vergangenen Jahr verbuchte Sat1 einen Verlust von etwa 100 Millionen Euro.

Der Schweizer Schawinski ist derweil auf der Suche nach den passenden Sendungen für den TV-Sender. Er wolle die Zuschauerzahlen und die Profitabilität sichern. Dafür wolle er ein oder mehrere tägliche lang laufende Formate etablieren, sagte der Manager der "Financial Times Deutschland". Das sei ihm wichtiger als Eventfilme wie beispielsweise "Das Wunder von Lengede". Aber natürlich wolle er beides, so Schawinski. Allerdings sei ihm ein Erfolg wie RTLs "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" durchaus wichtiger. Kein Wunder, generiert doch die Sendungen einen quasi sicheren Werbezufluss, während bei Events die Unsicherheit über die Quote und die Werbeeinnahmen bleibt.

"Der nächste Hit im Stil von 'Wer wird Millionär' sollte bei uns laufen", sagt Schawinski der Zeitung. Die Positionierung des Senders solle beibehalten werden. Sat1 stehe nach wie vor für Programme aus Deutschland. Das Vorabendprogramm sei aber noch verbesserungswürdig.

Einsparungen im größeren Stil plant Schawinski nicht. Jedoch seien Effizienzsteigerungen noch möglich. Eine bessere Profitabilität solle aber vor allem durch höhere Einnahmen und nicht durch weitere Einsparungen erreicht werden.

Die Aktien von ProSiebenSat1 erholten sich indes am Montag von den jüngsten Kursverlusten und stiegen am Vormittag in einem positiven Umfeld um mehr als 2 Prozent.

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