Underbay Wer bietet am wenigsten?

Die Internetplattform ist so etwas wie das Gegenbild zu Ebay: Verkauft wird an denjenigen, der am wenigsten bietet - und zwar bei Aufträgen für das Handwerk. Da spart der Kunde, und der Dienstleister hat was zu tun.

Dortmund - Geklickt, geboten, gespart: Die Internetplattform Underbay dreht das Erfolgsrezept des bekannten Auktionshauses Ebay  um. Während beim Marktführer aus Amerika beim höchsten Gebot der virtuelle Hammer fällt, bekommt bei Underbay das Niedrigste den Zuschlag.

Auf dem Online-Marktplatz von Thomas Grochowalski verkauft zudem nicht Privatmann an Privatmann sein altes Handy. "Ebay verkauft Artikel, Underbay verkauft Aufträge", erklärt der Groß- und Außenhandelskaufmann seine Idee.

So können Privatleute per Mausklick Aufträge an den billigsten Handwerker vergeben. Die Handwerkskammer Dortmund will Online-Kuppler Grochowalski unterstützen. "Für kleine Betriebe ist es eine große Chance", sagt Dietmar Barfuss, stellvertretender Geschäftsführer der Kammer.

Lob und Tadel für Handwerker öffentlich gemacht

"Sie können einen ganzen Flughafen über Underbay bauen", sagt der Programmierer und Wächter des Angebots, Martin Michalak. "Oder ein Spanferkel für die Silvester-Party bestellen." Bauarbeiten, EDV, Elektronik, Kraftfahrzeuge, Umzüge oder Übersetzungen: Der Kunde stellt seinen Auftrag mit Preisvorstellung ins Netz. Die eingetragenen Handwerker bieten. Der Billigste bekommt den Zuschlag.

Bei Underbay gewinnt stets das niedrigste Gebot, nicht das höchste. Das Siegel "G" - für geprüftes Gewerbe - sichert dabei die Qualität und Arbeitserlaubnis der Handwerker. Zudem können die Kunden die Arbeit später bewerten. Schwarze Scharfe werden ausgesperrt - wie bei Ebay.

Der Anfang ist gemacht

Noch kommen die meisten der 30 Aufträge aus Nordrhein-Westfalen. Doch Interessenten gibt es bereits in München und in der Schweiz. Der Auftrags-Handel per Mausklick soll bald deutschlandweit funktionieren. In Zeiten, in denen Geiz geil ist, boomt die Idee des Selbstständigen aus Dortmund. "Verirrten sich beim Start der Seite vor zwei Monaten nur vereinzelt User auf Underbay, besuchen uns heute täglich über 2000", sagt Grochowalski.

Auf dem Online-Marktplatz befindet sich zurzeit der Auftrag, einen kaputten Kopierer für 35 Euro zu reparieren, neben dem für Abbrucharbeiten im Ruhrpott für 40.000 Euro. Das Top-Angebot ist ein 1000 Quadratmeter Fassadenanstrich in Essen. Sieben Malermeister haben sich bereits unterboten. Der Kunde muss statt der 5000 Euro vier Tage vor Ablauf der Frist nur noch 4280 Euro berappen. Der Kunde spart 720 Euro, Grochowalski kassiert als Anteil 100 Euro Provision. Damit nicht jeder alles reinstellt, verlangt der Dortmunder zudem eine Einstellgebühr von 40 Cent bis zwölf Euro pro Angebot.

Schwachstelle des Angebots sind schlecht beschriebene Aufträge. "Manchmal tippen die Leute nur zwei Sätze", sagt Michalak. Das gibt auch Dietmar Barfuss von der Handwerkskammer zu bedenken: "Das Handwerk ist kein Produkt von der Stange." Die Kunden müssen ihre Wünsche ganz genau angeben, damit Underbay klappt. "Ein Tischler muss wissen, welches Holz er kaufen und wie das Möbelstück aussehen soll. Ein Dachdecker braucht nicht nur die Dachgröße, sondern auch einen Blick auf die Baustelle und Ziegelwünsche", sagt der Handwerkskammer-Vize. Bei der genauen Beschreibung will Grochowalski seinen Kunden noch mehr helfen. Eine Muster-Vorlage ist in Arbeit.

Geklickt, gearbeitet, gespart. "Über Underbay werden einige schlafende Aufträge geweckt", hofft Grochowalski. Denn die Auftragslage sei zurzeit schlecht, weiß der Selbstständige aus eigener Erfahrung. Doch nicht nur das Handwerk gewinnt durch den virtuellen Hammer: "Bei der momentanen Unterbeschäftigung nehmen Handwerker auch Aufträge an, die nicht die vollen Kosten decken", weiß Barfuss. Underbay bietet damit eine Plattform für Schnäppchen-Jäger. Genau wie der Online-Erfolgsanbieter Ebay.

Stephanie Süper, ddp